KerbHolz Wanderblog
Unsere Esel brauchen noch einen Stall, Futter für den Winter. Auch der Hof den wir für die Bauernhofschule gemietet haben muss umgebaut werden: mit einer Spende helfen Sie mit!

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Fischteich Brugg. Bestes Frühstück, beste Wirtin.
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Radweg mal links...
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...dann über...
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...mal rechts von der Etsch
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Elizardo
Er ersetzt Henriette. Ein begnadeter Tierflüsterer
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Entspannen
Wenn das Mätteli nur nicht soo weit weg wäre. Pencho robbt sich langsam auf die Schlafmatte von Elizardo
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Nogaredo die Prato
Boxenstopp
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Fressen, fressen, fressen....
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Mücken
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Morgenstimmung am Torre. Wir machen uns schön für die Stadt.
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Meine Weggenossen
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Sisiphos
Nach Monaten Papiersammeln, alles unnötig. Vitomir ist ungestaucht Herr der Lage.
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Henriette wird uns die nächsten zwei Wochen begleiten. Sie wird für Bobek zuständig sein. Die Beiden freunden sich an.
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Einpacken - Auspacken
Das tägliche mühselige sammeln des mitgenommenen krusches. Packen dauert 2 Stunden
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Campen an der Idria

Campen und blogen


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und Pause.
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Einsammeln der Gepäckstücke...
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Besprechung mit dem Chef
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Immer wieder...
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Ich habe Muskelkater in den Zehen!
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Viel Brot mit Blick nach Slowenien
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mmmmhhhhh
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Kurz vor Sonnenaufgang auf dem Weingut von Enzo
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Chefs unter sich
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Lager am Natisone
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KerbHolz Wanderblog

Samstag, 29. September 2018
Den Beatpfosten haben wir gut eingeschlagen und die beiden Esel sind immer noch am mähen der Wildhirse. Das freut Franz besonders. Sie bekommen noch etwas überschüssige Kürbisse und beissen die Schalen einfach auf. Ich gehe zu Fuss nach Schattdorf und finde den Sattler. Er hat noch ein Sportgeschäft und meint er habe bei diesem bedeckten Wetter wohl nicht viele Kundschaft und könne mir die Schnalle reparieren. Als Muster habe ich die andere Gurte mitgenommen. Weil Bobeks Gurte ebenfalls gerissen ist, bestelle ich gleich noch eine. Am Nachmittag sollte es fertig sein. Also wieder zurück nach Altdorf und ich sitze noch nicht im Wohnwagen, da ruft er schon an, er habe alles bereits fertig. Ich mache mich wieder auf und erst wie ich zurück komme fällt mir auf, dass ich den Bus hätte nehmen können. Aber ich bin mir das Gehen schon so gewohnt, dass es mir gar nicht in den Sinn gekommen ist. Mit Elizardo gehen wir ins Dorf, Telldenkmal, ich will in der Kirche ein Kerzlein anzünden. Aber die Altdorfer Kirche ist kein Ort der Besinnung: Da ist nichts mit Kerzen, aber ganz viel Gold und Marmor. Ein unglaublicher Kontrast zu den kleinen Kapellen oder Kirchlein die ich bis dato gesehen habe. Da geht man vor Ehrfurcht in die Knie und nicht aus spiritueller Demut. Das ist eine reine Machtdemonstration und ich ziehe unverrichteter Dinge wieder davon.
Abends kommen Ineke und Urs, die Eltern von Elizardo. Ineke ist entzückt über den hübschen Wohnwagen, das Atelier und überhaupt. Wir gehen im Dorf essen und geniessen den Abend zusammen. Danke für den Besuch, das war sehr schön, vor allem ein danke von den Eseln, dass ihr ihnen so viel Ballast abgenommen habt!


Freitag, 28. September 2018
Dank viel Arnikaöl, Pferdesalbe und Beine hochlagern, bin ich am nächsten Tag erstaunlich fit. Abends haben wir noch gesehen, dass wir von Linthal bis zum Hotel 28km unter die Sohlen gebracht haben. Seit einiger Zeit schaffen wir das im Durchschnitt täglich. Heute ist etwas kürzeres angesagt: Abstieg bis Altdorf und dann ein Ruhetag. Die Passstrasse dürfen wir nicht mehr benutzen, die ist zu gefährlich auf dieser Bergseite, auch Tunnels und Galerien. Einige Wanderwege führen ebenfalls ins Tal. Einer ist unterhalb der Passstrasse und wir beschliessen diese Variante zu nehmen. Zuerst sind Stufen zu überwinden. Das haben wir mit den Eseln ja geübt, das geht, auch wenn Pencho mit seinen Eisen rutscht und viele Pausen macht um zu schauen wo er durch kann. Ich lasse ihm wieder viel Leine, er kommt zögerlich. Bobek, will da gar nicht hinunter und Elizardo hat ein paar Worte mit ihm zu wechseln. Schliesslich folgt er uns, es ist steil, aber machbar. Die Schafe auf dieser Weide sind verängstigt und suchen das Weite. Meine Füsse machen mit, aber ich bin froh um die Pausen von Pencho. Die hinteren Sattelgurten sind zu satt angezogen, oder die forderen zu wenig, das ganze Gepäck rutscht nach vorne und beim Nachziehen, reisst es einer der Bauchgurten die Schnalle weg. Zum Glück haben wir immer noch die Ersatzgurten von Rado dabei. Ich muss aber Bobek absatteln, weil die in seinem Gepäck sind. Morgen in Altdorf werden wir uns nach einem Sattler umsehen. Das überflüssige Gepäck muss weg, wir sollten es heimschicken. Elizardo ruft seine Eltern an. Sie werden uns morgen in Altdorf besuchen und uns davon befreien.
Hier oben ist das Schächental noch wild und ab Aesch, haben wir gute Bergstrasse bis Unterschächen. Wir essen etwas zu Mittag im Dorf, und sehen, dass ein Wanderweg am Flüsschen entlang bis Spirigen, dann kommt bald Bürglen und Altdorf. Der freie Tag lockt und macht uns etwas ungeduldig. Nach dem Dorf kommen wir auf eine Kuhweide, von einem Wanderweg weit und breit keine Spur mehr. Sie muss unten am Fluss entlang gehen, die Esel mögen die Kühe nicht, die uns neugierig verfolgen. Ich warte mit den beiden Tieren oben auf dem Hügel, derweil Elizardo unten am Fluss den Weg sucht. Die Herde folgt ihm und plötzlich rennt da unten auch der Bauer herum. Er verwirft seine Hände und redet laut auf Elizardo ein. Scheinbar war da der Zaun offen und die Kühe sind ihm in den Wald gefolgt. Der Bauer meinte, Elizardo habe den Zaun geöffnet und hätte hier nichts zu suchen. Dieser lässt sich nicht irritieren, zeigt ihm die Karte mit dem eingezeichneten Wanderweg. Die Karte haben wir im Ort im Restaurant erhalten. Etwas aufgewühlt kommt Elizardo zurück. Wir sind in einer Herde Mutterkühe gelandet, das ist nicht ungefährlich, aber sollte am Tor angeschrieben sein.
Wir gehen zurück ins Dorf, und nehmen bis Spirigen die Strasse, von da wieder Wanderwege. Es zieht sich bis Altdorf. Dort sind wir mitten im Gewusel. Auf dem Satelitenbild sehen wir grosse Wiesen mit Bauernhöfen und landen wirklich auf dem bestmöglichen. Es ist ein Biohof, und sie bieten Übernachtungen, und Festräume, einen tollen Hofladen und eine Wiese für unsere Vierbeiner.
Franz und Doris bewirtschaften den Brynerhof biologisch und sind sehr hilfsbereit. Franz gibt mir die Adresse von einem Sattler in Schattdorf. Das ist das Nachbardorf und ich werde gleich morgen früh dorthin gehen. Wir kaufen noch kurz im Dorf und im Hofladen ein, dann ist es Zeit für unsere Ruhe.
Ich darf mich im kleinen Wohnwagen einquartieren, Elizardo liegt im Atelier der Bäuerin bald im Tiefschlaf.

Donnerstag, 27. September 2018
Heute ist der Klausenpass, eine nicht allzu grosse Herausforderung an die Tiere auf dem Programm. Wenn wir ihn geschafft haben, kann der Schnee kommen. Wir haben erfahren, dass ein guter Wanderweg, zwar etwas steil, aber schön breit, bis auf den Pass führen soll. Die Tiere aus dem Hang holen, gebe ich auf, das macht Elizardo. Meine Füsse will ich für den Aufstieg schonen. Hier quer durchs Gelände gehen, tut wieder weh, vor allem wieder die drei Zehen am rechten Fuss. Es ist nicht mehr so schlimm wie in den alten Wanderschuhen, raubt mir, wenn ich nicht darauf gefasst bin den Atem.
Wir sind mit striegeln und Gepäck beschäftig als wir ein lautes Wummern oben aus dem Dorf bemerken. Es wir zum Gleichmässigen tiefen Pulsschlag und wird immer lauter. Dann taucht in der Kurve am Ende der Strasse ein Alpabzug auf. Die Treicheln sind jetzt deutlich zu hören, erstaunlicherweise, obwohl über 100 Kühe daherkommen, sind sie im Gleichklang. Es gibt ein Gefühl als käme da eine Wand geballte Ladung Kuherzschläge auf uns zu. Im Ganzen hört man noch die Messingglocken die etwas höher tönen und wie ein feines Surren verursachen. Mit den Leuten, die aus den Häusern strömen säumen wir die Strasse und bewundern die Reichgeschmückten Kühe, die gemächlich an uns vorüberziehen. Was für eine Herde! Der Wirt hält für die Viehtreiber und Treiberinnen Schnaps bereit, viele ziehen aber Kaffee von der Bedienung gereicht, vor.
Kurz darauf sind sie über die Kuppe und man hört nur noch die sich Entfernenden und die ersten Autos kurven um die Kuhfladen durchs Dorf und in Richtung Pass. Auch wir schlängeln uns durch die Strasse. Die Esel mögen den Geruch sichtlich nicht, sie weichen schon im Voraus selber aus.
Wir finden den Wanderweg und er geht unter der Passstrasse, die sich langsam hochschlängelt, entlang und gelangen dann auf den Waldweg, der wirklich steil ist und viele Stufen und Wurzeln eine Herausforderung für mich werden. Pencho ist auch nicht begeistert, er macht immer Pausen und stöhnt. Wir haben seinen Sattel immer noch hinten aufgebunden, die Wunden sind zwar verheilt, aber wir wollen ihn noch etwas schonen. Aber er hat wieder sein altes Gepäck. Bobek ist heute schräg drauf, er macht immer wieder eigene Rundgänge. Mir tut das Zucken von Pencho, wenn er stoppt weh, weil es mich Rückwärts zieht und ich dann immer Seitwärts den Fuss belasten muss. Also übernehme ich Bobek, der bei mir brav ist und Elizardo führt Pencho. Aber auch bei ihm stoppt er dauernd und weil ihn Elizardo nicht zurückziehen lässt, bockt unser Esel schliesslich komplett.
Ich versuche es nochmals mit Pencho und er zuckelt friedlich hinter mir her. Das ärgert nun Elizardo. Aber ich kann auf diesem Weg nicht weiter. Ich beisse auf die Zähne bis wir auf der Passstrasse sind. Die quert der Wanderweg und es geht eine Treppe auf der anderen Strassenseite wieder weiter. Die Esel haben das geübt. Sie können Treppen hinauf und hinunter. Auch Sprünge auf- und abwärts  bis zu einem halben Meter sind für sie kein Problem mehr. Sogar im Geröll.
Ich kann aber nicht. Jetzt ist Elizardo endgültig sauer. Erst wollen die Esel ihm nicht gehorchen und jetzt machen wir endlose Schlaufen auf der Passstrasse wo wir doch einfach gerade hinaufkönnten. Der Panixer war auch so steil und mühsamer. Das hilft aber nicht gegen meine Fussschmerzen und so gehen wir die Strasse mit einem murrenden Gehilfen. Als wir auf der Höhe sind, dass wir nur noch geradewegs auf den Urnerboden können, bin ich wieder bereit für den Wanderweg, der aber wie wir dann auf der Karte sehen, auf der anderen Talseite wieder in die Höhe geht. Wir ziehen jetzt alle die flache schöne Strasse vor.
Neben der nicht allzu heftig befahrenen Strasse hat es kleine Alpweiler, wo noch ein paar Leute sind, die die Häuser winterfest machen. Die Weidepfähle sind alle schon am Boden und wir überlegen einfach einen mitzunehmen. Sie sind aber zu lang wir brauchen nur einen kurzen Pfahl. Wir essen Mittag auf einer hübschen Wiese und müssen die Tiere ohne anzubinden fressen lassen. Pencho will aber kein Gras sondern unser Brot. Wir müssen ihn verscheuchen, in der Zeit frisst Bobek alles weg.
Wir brauchen einen Weidepfahl.
An der Strasse liegen wieder einige herum. Von einer Alphütte winken ein paar Leute und ich winke zurück und gehe über die steinige Wiese mit Pencho hinunter und frage nach dem einem Pfahl. Einer der Männer kommt auf mich zu streckt mir die Hand entgegen und sagt: «Hallo, ich bin Beat.»
Wie bei der Wirtin am Fischteich, ist das wieder eine Begegnung wo wir uns anstaunen. Die unglaubliche Persönlichkeit strahlt zu mir hinüber. Ich stelle mich vor und muss erst einmal erzählen woher und wohin, dann macht sich Beat auf einen Pfosten zu holen. Als ich ihn frage ob er einen dünneren und kürzeren entbehren könnte, geht er in den kleinen Schuppen und schwupp habe ich einen Pfahl, der uns ruhige Nächte und Mittagessen garantieren wird. Sorgfältig schiebe ich ihn ins Gepäck und binde unsere neue Errungenschaft fest.
Beat will noch wissen ob wir bis Altdorf gingen. Heute wohl nicht, nur auf den Pass, wir würden wohl im Hotel auf der anderen Passseite übernachten. Er macht sich sorgen wegen den Tieren, und schaut ob Pencho gut gesattelt ist, weil er das Gewicht etwas weiter hinten hat. Er sei im Militär mit Mulis unterwegs gewesen. Die wären vielleicht stur! Er wundert sich, dass wir so wenig Schwierigkeiten mit den Eseln hätten. Sie haben uns schon länger gesehen und auch wie willig die Tiere an unserer Leine gingen.
Dann bietet er uns an, wir könnten auf dem Pass einer seiner Ställe brauchen. Er wäre noch offen, wir könnten die Tiere einstellen, oben habe es noch etwas Heu. Einfach nehmen.
Er müsse abends auch noch über den Pass, wenn wir wollten würde er schnell nach dem rechten schauen. Erst müssen wir mit meinen Füssen über den Pass. Er rät uns vom Wanderweg ab. Es wäre mehr ein Bachbett, denn ein Weg und die Tiere sähen schon etwas müde aus. Mit einem herzhaften Händedruck werde ich verabschiedet. Die Begegnung hat mich tief beeindruckt.

Wir haben noch drei Stunden bis wir oben sind. Geniessen aber immer wieder die Aussicht zurück auf den Urnerboden. In den Kurven von Klus finden wir die Alphütten in grosse Felsbrocken eingeschoben und eingepasst. Hier probieren wir nochmals eine Abkürzung, die mich dann zu einer halben Stunde Pause zwingt, wie wir wieder auf der Strasse sind: Heute einfach nicht.
Die Wanderung ist auch ohne Wanderweg wunderschön.
Auf dem Pass setzen wir uns erst einmal auf die Terrasse beim Restaurant und binden unser Begleiter an Wanderwegweiser an auf dem steht: 1 Minute bis Hauptwegweiser.
Wir kommen gar nicht richtig zum Trinken: links und rechts werden wir ausgefragt und wir beschliessen zum Hotel zu gehen. Die Leute sind zwar sehr nett, aber es ermüdet uns, alles immer wieder zu erzählen. Wir brauchen Ruhe und etwas zu essen. Während dem Esel losbinden fährt Beat mit Traktor und Jauchefass vor und winkt uns freudig zu. Elizardo muss lachen und frozelt, das wäre doch ein Verehrer, der mir sogar mit einem Jauchewagen nachfährt. Der Gedanke ist amüsant, aber Beat will nur etwas trinken. Er fragt ob wir uns entschieden hätten, wegen seinem Stall.
Wir wollen bei den Tieren bleiben: Sie oben im Stall lassen und wir unten im Hotel, da hätte ich kein gutes Gefühl und eine Nacht im Heu auf dem Pass wo wir die Schneegrenze fast erreicht haben ist nicht verlockend. Wir fragen ihn auch nicht, weil noch etwas kochen mag ich nicht mehr. Er nimmt es gelassen und schreitet zu seiner Erfrischung. Mich löchert noch ein Franzose mit Fragen. Er kann sich vor Begeisterung fast nicht erholen kann und seinen Sohn über den Platz alles lauthals mittteilt was ich ihm erzähle. Auch hier eisen wir uns los und wir sind noch nicht weit überholt er uns hupend und ruft aus dem offenen Fenster: «Bonne balade! Mes amies! Son y courageux!»
Das Hotel ist leicht zu finden, direkt an der Strasse, wir werden freundlich empfangen. Auf die Frage wo wir die Esel hinstellen könnten, macht die Wirtin eine grosszügige Geste: Auf der Alp.
Wir finden auf der Seite des Hauses einen guten Platz mit noch genügendem Futter und Elizardo weiht unseren neuen Weidpfosten ein. In dem Moment fährt Beat gerade auf der Strasse unter uns durch: wir winken, er grinst und winkt zurück. Der Traktor lärmt und hinterlässt eine blaue Abgaswolke. Ich bin die beiden Esel an und gehe zurück zum Hotel und sehe die Passstrasse die gegen das Tal hin sich am Felsen entlang schlängelt und in der ferne im Abendlicht, sehe ich noch die Rauchwolke des davonfahrenden Traktors. Was für ein Bild und was für ein Abendrot. Die Sonne geht unter, alle stehen oder sitzen auf der Terrasse. Ich habe meine Kamera im Zimmer und geniesse es halt ohne festzuhalten. Es ist grandios.
Kleine Einzelzimmer, Etagendusche und keine Heizung. Im Winter ist das Hotel dicht, so wie der Pass auch. Das Haus ist etwas schief und in die Jahre gekommen; im Zimmerchen gehe ich Berg hoch, wenn ich in mein Bett will.


Mittwoch, 26.09.2018
Morgen, noch im Bett sehe ich aus dem Fenster direkt auf das Martinsloch. Es schimmert nur leicht das Gegenlicht des sich erhellenden Himmels durch. In einer Woche wollen wir zu Hause sein. Ich könnte hier locker ein paar Tage liegen bleiben. Unsere Reisekasse würde es subito leeren, aber wer hat etwas von quälen gesagt, für diese Reise?
Irgendwann schaffe ich es doch aus dem Bett. Die Beine sind steif, aber nicht so, dass ich schmerzen hätte. Die Füsse sind wieder Gut - auch in den Wanderschuhen. Nach dem Frühstück treffen wir bei einem eselbegeisterten Thys ein. Er hat sich schon seit längerem überlegt zwei Esel zu kaufen. Sie sollen gut sein, weil sie hinter den Schafen und Ziegen, den Rest nachfressen und sogar die Alpweiden schwenten (von kleinen Sträuchern befreien) sollten. Nun hatten unsere beiden Esel den beweis erbracht. Über Nacht haben sie an der Scheune entlang die Unkräuter, die die Schafe hatten stehen lassen gefressen. Das Mähen könne er sich nun sparen.
Ich erzähle ihm, dass überall die Leute nach unserem Besuch sich überlegten einen oder zwei Esel zuzulegen. Also wenn ich nochmals Esel in Slowenien kaufe, dann gleich eine Herde, ich werde sie dann unterwegs nach und nach verkaufen!
Endlich ziehen wir los. Es ist kurz nach 8h, wir verabschieden uns von Thys und Margret, und sind ihnen Dankbar für die unkomplizierte Hilfe! Um 9.15h sollte heute die Sonne durchs Martinsloch scheinen, halt noch nicht auf die Kirche: Irgendwo trifft sie immer hin. Thys lacht als er uns das erzählt. Aber wir wollen erst einmal zu Vreni’s Laden und wir kommen gerade Richtig zur Öffnungszeit hin. Die Verkäuferin, Lili, rennt, bevor sie uns bedient,  raus und muss die Esel ablichten und auf Facebook teilen. Dann bekomme ich eine tolle Fachberatung und die passenden Wanderschuhe.
Die alten verstaue ich im Gepäck, falls mir die neuen noch Schwierigkeiten bereiten sollten. Elizardo, stöhnt etwas wegen seinen Knien. Er wäre froh um Trekkingschuhe, die Wanderschuhe sind schwer und heute wollen wir nur flache Strassen gehen. Also nochmals hinein in den Laden und er bekommt seine Trekkingschuhe. Wenn wir unser Geld schon nicht im Hotel verliegen, dann können wir es wenigstens auf der Strasse verlaufen.
Endlich sind wir so weit, es ist auch fast so spät, dass wir die Sonne durchs Martinsloch bewundern können. Aber jetzt haben sich hinter dem Berg Wolken oder Nebel gesammelt und es sieht nicht so strahlend aus. Was solls, wir haben neue Schuhe und ziehen aus dem Dorf. Also fast: erst noch in den Dorfladen, da kaufe ich Karotten für die Esel, Schokolade für Elizardo und für mich getrocknete Aprikosen. Die sollen gut sein gegen Muskelkater, aber ich mag sie auch ohne Grund.
Wir ziehen auf dem Suworowweg talwärts. Meistens ist es Asphalt, manchmal Kiesweg, aber immer schön breit. Füsse heben müssen wir nicht heftig und wir lassen unsere Esel links und rechts ein bisschen fressen. Es scheint als hätten sie in der Nacht zu wenig gehabt.
Bis Schwanden zieht es sich nun doch etwas. Dort finden wir den Fridolinsweg in Richtung Linthal. Ein friedlicher warmer Wind, etwas Sonne, dann wieder genügend Schatten dank den Wolken, grade richtig zum vor sich hin tapsen. Klick, klick die Hufe von Pencho, schlurf, schlurf meine neuen Schuhe auf dem Asphalt. Bei so ruhigen Wegen kommt mir wieder in den Sinn, dass ich ja unterwegs hatte meditieren wollen. Auch zwei schlaue Reklambüchlein hatte ich eingepackt, beide nur angefangen zu lesen, auf schwierige Gedanken hatte ich abends oder in den Pausen keine Lust gehabt. Mir fällt auch ein, dass ich mir eine bestimmte Frage stellen wollte. Nur diese eine, aber es fällt mir nicht ein was die Frage war. Wie ich so vor mich hin grüble höre ich den Fluss der vom Urnerboden her kommt. Mal hört sich die Linth laut an, dann wieder nur ein Plätschern. Meine Gedanken wandern zur Aussage von Eckehart Tolle, der von Stille spricht und gesagt hat, dass hinter der Stille die absolute Wahrheit ist, man könne auch sagen Gott. So höre ich nun wieder hin, das mache ich schon seit Wochen, aber es ist nie Still. Etwas ist immer. Die Hufe der Esel, meine Kleider rascheln, die Schuhe auf Kies, auf Asphalt, auf dem Geröll, im Schnee. Das pfeifen des Windes über die Ohren, die Haare die sich am Ohr reiben. Dann immer wieder Gebirgsbäche, Autos, Flugzeuge, Vögel. Egal wie ich hinhöre es ist nie, wirklich nie, auch in der Nacht nicht, richtig still. Aber ich merke seit einiger Zeit, wenn ich so intensiv nach Aussen lausche wird es in mir still. Eine wohltuende Entspannung macht sich breit, meine herumspringenden Gedanken hören auf. Ich vergesse die Wochentage, es ist mir auch nicht klar ob wir noch im Plan sind: Es ist unwichtig, ich gehe und höre mich. Dabei fällt mir auf, eigentlich hören wir uns ja nie bewusst, wir sehen uns nur wenn wir in den Spiegel sehen, sonst nur etwas Arme, Bauch so wie einen haben und wenn wir uns nach vorne lehnen noch etwas Beine. Vielleicht hören wir auch nur so viel wie wir sehen. Ich horche nach hinten, höre Bobek, die Tritte von Elizardo, sein Schnaufen, er hüstelt leise, auch Bobek hustet ab und zu, dann schnaubt er. Pencho stöhnt, wenn es ein bisschen hoch geht. Für mich könnte es so weiter gehen, das tut es ja auch. Es ist still in mir.
Irgendwo unterwegs will ein Bauer seine Kühe von der Weide in den Stall treiben, aber die lassen sich weder von seinem Geschrei noch von den Stockhieben zum Gehorsam zwingen. Sie rennen schon auf der Weide in alle Richtungen. Die Strasse ist derweil gesperrt und unsere Anwesenheit bringt den armen scheinbar in noch mehr Stress. Endlich sind sie auf der Strasse, aber auch da laufen sie wild in alle Richtungen. Auch wenn wir sie von uns wegtreiben, sind sie davon nicht sehr beeindruckt. Endlich sehen wir nur noch die Hintern und Schwänze, der Bauer wirft die Absperrungsleine auf den Boden, damit wir auch durchkönnen. Zwei Kühe haben nur darauf gewartet und rennen nun auf uns zu. Pencho mag Kühe nicht besonders. Er würde auch nie auf einer Kuhweide fressen, wenn Kühe dort sind. Er zieht da immer brav mit mir durch. Bobek hat eher Angst vor ihnen. Er drängt sich nun an Pencho, dieser ist irritiert von den Kühen und von dem drängelnden Bobek und nun haben wir mit  Eseln und Kühen einen wunderbaren Zirkus. Der Bauer will eingreifen und die Kühe zum Umdrehen bringen in dem Augenblick rennt die unbeobachtete Hälfte der Herde wieder auf die Weide. Der arme Kerl heult fast und wir versuchen ihm zu helfen, das ganze etwas in den Griff zu bekommen. Dabei drehen wir auch einige Runden auf der Strasse und der Wiese. Endlich finden die Kühe den Weg in Richtung Hof. Leider müssen wir auch da lang. Bis er die Kühe dann im Stall hat gibt es noch ein paar Ringelreihespiele. Wir können nun weiterziehen. Wenn der das jeden Tag so macht, dann hat der über Kurz oder Lang ein Herzinfarkt.
In Linthal wollen wir uns einen Bauern suchen. Aber die sind scheinbar noch alle auf der Alp. Den einzig verbliebenen haben wir ja schon kennengelernt. Der ist wahrscheinlich im Tal geblieben, weil er die Alp nicht gefunden hat oder die Kühe da nicht hinwollten. Wir lästern etwas vor uns hin und finden dann ein grosses Gasthaus mit Wiese, die noch gemäht werden muss und zwei Zimmern. Als Erstes laden wir immer ab, Satteln ab und bringen die Tiere auf die Weide. Dazu haben wir seit einiger Zeit einen chiquen Eisenpfahl. Den schlagen wir in der Wiese ein und binden die Tiere an langen Weideleinen an. So können sie immer im Radius von ungefähr 15 Meter fressen. Das reicht gerade für eine Nacht.
Doch bei dem ganzen Ringpiez mit den Kühen muss der Weidepfahl, der bei Pencho verstaut war, aus dem Gepäck gerutscht sein. Er ist immer in eine Schlafmatte eingewickelt und wenn er runter fällt was schon vorgekommen ist, haben wir es immer gehört. Da wir den ganzen Tag auf harter Strasse waren muss er in einer Wiese herausgefallen sein. Das kann nur bei den Kühen gewesen sein. Zurückgehen ist zu weit, das war mindestens vor 2 Stunden. Die Wiese für diese Nacht ist gross, aber es gibt keine Bäume zum Anbinden. Nur eine Tanne sehr nahe am Kinderspielplatz. Da werden sie sich mit der langen Leine nachts an der Schaukel oder Rutsche verheddern. Wenn wir die Leine kürzen haben sie zu wenig zu fressen und werden den Boden aufscharren oder morgens um fünf anfangen zu jodeln.
Wir fragen bei der Bedienung nach. Pfahl haben sie nicht suchen aber nach Lösungen. Der Koch bringt uns dann eine Grabgabel, das wäre das Einzige was er uns anbieten könne.  Bobek ist genügsamer, wenn er sich losreissen sollte würde er ohne Pencho niergends hingehen. Also bekommt er etwas mehr Auslauf mit der Grabgabel. Pencho kommt an die Tanne und etwas weniger Leine.
Ein älterer Herr fragt ob er unsere Esel fotographieren könne, für seine Grosskinder. Ich erkenne den Wanderer mit den steifen Beinen von gestern in Elm. Es stell sich auch heraus, dass er und seine Frau vor uns über den Panixer gingen und die Botschaft der Eseltreiber verbreitet hatte. Heute waren sie über den Richtelipass gekommen. Wir fragen wie der Pass war. Er stöhnt und meint, ganz schön steil beim Abstieg, sie hätten 8 Stunden gebraucht. Wo wir den durch wären. Um das Gebirge herum, in 7 Stunden. Das wurmt ihn sichtlich, er wünscht einen schönen Abend und zieht von dannen.
Es ist bereits dunkel, als wir geduscht und einigermassen wohlriechen unser Abendessen geniessen. Mir ist wegen den Tieren nicht so wohl. Pencho hat für meine Meinung etwas zu wenig Futter. Ich schaue deshalb noch nach und er hatte dieses Gefühl auch, sich losgerissen und ist ausgebüxt. Im Dunkeln sehe ich ihn nicht, der Hang ist steil und dann höre ich ihn kauen. Er ist weit oben und ich will ihn zurückholen. Er läuft  davon und wie ich ihn fast eingeholt habe, dreht er sich um und schlägt mit den Hinterbeinen aus und trifft mich an der Schulter. Es schmerzt nicht, war wohl ein Warnschuss. Er furzt und zieht ein paar Meter weiter und frisst wieder. Ich forme die Hand wie ich es tue wenn ich ein Nuss habe. Nun kommt er zu mir und ich kann ihn am Halfter nehmen. Die Weideleine ist noch dran und nun binde ich ihn an der Rutsche an. Da hat er genug zu fressen, auch wenn er sich verheddert.
Mein Zimmer geht zwar auf die Wiese hinaus, aber die Sicht wird mir durch eine Ecke des Hauses versperrt. Ich stehe ein paarmal auf: So lange ich keinen Esel sehe sind sie noch angebunden…


Dienstag, 25. September
Obwohl wir im Stall sind, ist es in der Nacht richtig kalt. Wir spüren den Schnee. Dank dank dem Heu waren unser Liegen warm aber am Morgen aufstehen ist eine heftige Herausforderung.
Wir beschliessen den Pass zu nehmen mit der Option, wenn es zu gefährlich wird wieder umzudrehen. Es ist alles gefroren, wir sind froh um Handschuhe und Mütze, die Ohren der Esel werden mit leichtem Reif überzogen. Irgendwann überholen uns zwei Biker, sie haben E-Fahrräder, aber ich kann mir nicht vorstellen, damit einen Pass, der als reiner Wanderweg eingezeichnet ist zu queren. Sie werden wohl genügend Erfahrungen haben.
Endlich kommen wir in die Sonne. Wir lassen die beiden nochmals grasen. Überall finden wir nun Gedenktafeln für die die russische Armee, die 1799, am 8. Oktober unter dem Befehl von General Suworow den Pass mit 22'000 Mann überquerte. 15'000 haben überlebt und sind in dem kleinen Dörfchen Pigniu angekommen. Wie eine solche Menschemenge, in diesem kleinen am Steilhang liegenden Dorf, sich dort niederlassen konnte wenn auch nur für ein paar Tage will ich mir gar nicht erst ausmalen.
Mich schaudert beim Gedanken, dass hier so viele den Tod gefunden haben. Wie viele Seelen, hier wohl geblieben sind? Die Alpensagen sind ja gespickt mit unsteten, unglücklichen Seelen, die nach Erlösung schreiend in den Gletschern und Almen Menschen zu Tode erschrecken. Es hatte damals auch geschneit und beim weiter hinaufsteigen auf dem immer schmäler werdenden Pfad gibt mir diese Geschichte immer mehr Rätsel auf. Die ganze Truppe ist mit Ross und Wagen, Kanonen und ungenügender Ausrüstung über diese Wege gekommen? Wahrscheinlich war der Säumerpfad noch besser ausgebaut, weil ja die Warenströme von Zürich über Glarus bis ins Veltlin hier durch mussten. Trotzdem, wir müssen einen Gebirgsbach meistern, die Brücke ist für die Tiere nicht begehbar. Der Pfad wird immer steiniger. Wir gehen sehr behutsam, machen viele kleine Pausen. Pencho folgt mir willig. Er scheint mir zu vertrauen und Bobek folgt Pencho. Elizardo muss nur schauen, dass er nicht einen eigenen Pfad nimmt um schneller wieder hinter Pencho zu sein. Trotz oder vielleicht auch wegen dieser grossen Konzentration auf jeden eigenen und der Tiere Schritt nehmen wir diese fantastische Berglandschaft intensiv war. Die Luft ist fein und riecht nach Schnee. Ein Geruch es Winters, der mich anrührt und wohl tut. Auch die eisblaue Farbe die über den Schnee schimmert und uns blendet ist so schön, dass wir auch deswegen immer wieder Pausen einlegen. Die Wanderwegweiser sind zum Teil unter dem Schnee begraben und wir folgen den Spuren der Biker. Sie müssen die Fahrräder geschoben oder getragen haben. Unsere Esel gehen wenigsten selber.
Es geht über Felsflanken, schmale Stege, wenn wir jetzt umdrehen, haben wir zurück genauso viele Schwierigkeiten wie vorwärts. Die Esel sind sehr trittsicher und wir vertrauen ihnen zunehmend mehr und mehr. Endlich haben wir die Höhen erreicht. Hier ist der Pfad wieder einfacher, es hat immer grössere Schneefelder und der Pass ist zu erahnen. Ein Wanderer kommt uns entgegen und spricht uns auf Englisch an, fragt ob wir deutsch könnten. Er habe in der Berghütte hinter den Pass von uns gehört. Zwei Wanderer hätten erzählt wir wären aus der Tschechei und hätten schon über 1000 Kilometer hinter uns. Wir klären unsere und der Tiere Herkunft in Schweizerdeutsch: Wieviel Kilometer wir hinter uns haben wüssten wir noch nicht. Trotz Fitbituhr haben wir noch nicht nachgerechnet. Ich vermute meine Beine bekommen einen septischen Schock, wenn ich die Zahl sehe. Es ist für uns auch nicht wichtig. Wir kämpfen täglich mit dem Weg nach vorne, da interessiert uns die länge nur kurz am Abend mit einem Blick auf das Tagesresultat, dann ist der nächste Tag schon wieder wichtig.
Endlich erreichen wir die Passhöhe. Eine kleine Hütte, in der man übernachten könnte, eine eingerichtete Küche und in einem Nebenraum perfekt gehaktes Feuerholz. Es hat Schnee aber auch noch Grasflecken wo die Tiere jetzt fressen. Eine Nacht möchte ich mit ihnen hier nicht verbringen. Es ist 13h wir haben 5 Stunden für den Aufstieg gebraucht.
Der Abstieg ist um einiges leichter, aber wir fürchten doch um die Beine unsere langohrigen Freunde. Sie zeigen sich auch in diesen Geröllhalden und grossen Felstritten sicher und ich lasse Pencho etwas Leine, damit er hinter mir seinen Weg selber suchen kann. Das macht er souverän auch Bobek ist gut dabei und Elizardo redet beruhigend auf in ein weil er immer schneller wird wenn er einen grösseren Abstand zu Pencho hat. Wir sehen nun ins Sernftal und weit am Horizont die Ostschweiz. Wir freuen uns, dass wir den Pass gemeistert haben und sind und bewusst, dass der Abstieg genau so sorgfältig begangen werden muss wie der Aufstieg. Schmale Felsbänder müssen wir nicht mehr passieren, aber es ist steinig und steil.
Meine Füsse fangen wieder an zu schmerzen. Vorallem rechts fühlt es sich an als hätte ich eine Zehe gebrochen. Der Leim hat sich im Schnee gelöst und ich fühle wieder Steine im Schuh. Die Sohle ist nun gebrochen und löst sich langsam ab.
Von weitem hören wir Donnerknallen. Der Schall lässt die Berge erzittern. Das Militär übt mit Panzer die Gebirgsverteidigung. Zu unserem Erstaunen reagieren die Esel nicht darauf.
Endlich im Talboden kehren wir, unter lauten Böllerschüssen die nicht uns gelten, im Bergrestaurant ein. Die Wirtin kommt uns freudig entgegen. Ihre Freude gilt eindeutig den Grautieren, sie dürfen bei der Gartenterrasse grasen, bekommen Brot und Wasser, wir eine Suppe.
Für den Richetlipass würde der Aufstieg hier beginnen. Wir müssten an der Panzerpiste entlang hoch. Aber wir haben genug vom Panixerpass und die Rückseite von Richetli ist nichts für uns vier. Bis Elm sind es noch 6 km und wir gehen erst einmal auf gut Glück der Strasse entlan: Es wird wohl ein Bauer haben, der unsere Esel aufnimmt. Einer kommt uns mit einem Jeep entgegen und muster uns schon einmal. Später kommt er zurück und hält an und fragt wo wir hin wollen. Er bietet uns seine Schafwiese an und auch Heu für unsere beiden Grauen. Er gibt uns seine Adresse, mitten in Elm. Wir haben noch eine Weile, aber als wir eintreffen ist seine Schwester und ihre Tochter auch da. Thys stellt sich vor, seine Schwester Margret und Tochter Fabiana. Die Esel werden verhätschelt und Margret lacht: «Die Freude gilt erst einmal den Eseln!»
Wir lachen alle, das ist üblich, unsere Esel haben mehr Kredit als wir. Dann werden die Tiere mit den Schafen bekannt gemacht: Bobek freut sich sichtlich, er stand ja immer mit Schafen auf der Weide und rennt auf sie zu und versucht zu blöcken. Die Schafe rennen wild auseinander und Bobek hinter her. Auch Pencho rennt gleich mal in den Stall er hat das Heu gerochen. Wir warten noch ein wenig, dann kommen doch beide wieder zu uns. Bobek scheint etwas verwirrt. Die Karotten beruhigen ihn wieder und beide fangen an zu grasen. Also können wir sie alleine lassen.
Thys gibt uns noch eine Adresse wo wir übernachten können. Im Hotel Segnes finden wir günstige Zimmer. Meines hat direkten Ausblick auf das Martinsloch. Ein richtig veritables Loch im Berg und ende September und Anfang März scheint bei Sonnenaufgang die Sonne direkt durch und wirft ihr Licht auf die Kirche.
Wir suchen uns noch ein Restaurant: Die Sonne hat offen, alles andere ist geschlossen. Dort sieht es edel und teuer aus. Wir amüsieren uns aber mit der Salatsauce, die chique in Fläschchen auf den Tisch gestellt wird aber sich nicht dazu bewegen lässt die Flasche zu verlassen.
Am Nachbartisch steht ein Wanderpaar auf, er hat steife Beine und stakst aus dem Raum. Genau so geht es uns nach dem Essen auch. Die steile Aussentreppe geht der junge Elizardo steifbeinig wie ein alter Mann hinunter. Wir amüsieren uns darüber, auch ich kämpfe mit meinen Waden, die Füsse tun mir wenigstens nicht mehr weh. Wie kommen am Sportladen von Vreni Schneider vorbei und sehen, dass die Wanderschuhe im Sonderangebot sind. Da muss ich Morgen gleich hin, mit meinen Schuhen komme ich nicht mehr weit.


Montag, 24. September 2018
In Ilanz kaufen wir noch einmal ein. Die Apotheke ergänzen, Tape für die Knie von Elizardo, Arnikaöl für meine Füsse, Elastoplan für die Knöchel von Pencho, die er sich immer aufreisst, wenn er müde ist. Die Schulter ist immer noch nicht verheilt und wir haben nun Unterlagen für den Sattel gekauft, aber das drückt ihn immer noch. So legen wir den Sattel wieder nach hinten und Bobek muss wieder mehr Gepäck nehmen.
Die Nacht im Weidezelt hat den beiden aber gutgetan. Sie sind es zwar gewöhnt bei jedem Wetter draussen zu sein, aber es ist erst ein Monat her, dass sie ihr Fell abgeworfen haben, weil es zu heiss war. Jetzt sind wir im Winter angekommen, die Berge sind Schneebedeckt, es hat recht weit hinunter geschneit.
Dann geht es in Richtung Rueun. Es ist so kalt, dass wir uns noch Mützen und Handschuhe zulegen müssen. Vor Rueun gehen wir hinauf nach Seth und queren dann auf einem gut markierten Wanderweg die Höhe nach Pigniu. Der Weg ist wunderschön aber für unser Tiere gefährlich. Es ist nass und die Auf- und Abstiege in den schönen, sich langsam herbstlich färbenden Wälder glitschig und extrem steil. Wir kommen nur langsam vorwärts. Bobek knickt ein, hinkt und sein Gepäck rutsch seitwärts weg. Wir müssen die Sattelgurte lösen, dann kullert einer der Seesäcke mit unseren Schlafsäcken den Hang hinunter und bleibt zum Glück im Wald hängen. Die Wiese ist voller Kuhtritte und es kostet mich Mühe und Zeit den nicht allzu schweren Sack aus dem Wald weit unten zu holen. Elizardo beruhigt Bobek und kann ihn von den Gurten befreien. Wie wir wieder bereit sind, sinkt auch Pencho ein und er hinkt jetzt ebenfalls und wir sind nicht einmal in der Hälfte des Weges. Es brauch nun sehr viel Zeit und Geduld, die beiden über den Waldweg zu führen und als wir endlich wieder auf einer Strasse sind, schwören wir nie wieder unseren Tieren so etwas anzutun. Wir warten etwas bis wir vier uns beruhigt haben. Bobek hinkt nicht mehr, Pencho lahmt vorne rechts. Völlig erschöpft, obwohl erst mitten am Nachmittag suchen wir in Pigniu ein Nachtlager. Beim einzigen Gasthaus steht: Heute Ruhetag. Das Hotel ist eine Ferienwohnung und muss per Telefon oder Internet Tage im Voraus gebucht werden.
Bauern gibt es nur einen, ganz oben im Dorf. Dort ist aber wie wir es kennen niemand da. Wir klingeln im Nachbarhaus um zu fragen wo wir den Bauern finden. Es ist zum Glück das Haus des Bauern und so dürfen wir in den Kuhstall, der noch leer ist. Die Kühe kommen erst Morgen vom Maiensäss herunter. Die Läger sind voll Heu und die Bäuerin erklärt, dass es minderwertig wäre und die Kühe es nicht fressen würden, deshalb habe man es eingestreut. Die Esel machen sich aber mit Hochgenuss darüber her.
Wir legen uns ebenfalls in dieses Heu und bereiten unser Nachtlager vor. Die Bauernfrau rät uns dringend ab den Pass zu überqueren, es habe viel geschneit und es wäre sehr gefährlich. Wir überlegen was wir tun wollen, wenn wir diesen Pass nicht überqueren können. Wir müssen dann wieder Talabwärts über Chur und die Nordroute durch die Schweiz nehmen. Das wären dann noch Mals 270 Kilometer zusätzlich. Wir stöhnen bei diesem Gedanken; dieser Nachmittag hat uns doch recht zusammengestaucht.
Zudem müssen wir schauen wie sich das Bein von Pencho erholt. Jetzt ohne Gepäck zottelt er friedlich im grossen Stall herum. Der Bauer kommt später noch dazu und erklärt, der Pass sei so gut wie wieder Schneefrei. Die Sonne habe ziemlich viel wieder geräumt. Morgen sollte eine Überquerung wieder möglich sein.


Sonntag, 23. September 2018
Pencho und Bobek sind ausgerissen. Bobek finde ich in der Scheune am Eingang. Er steht ziemlich verlassen herum. Pencho ist nicht aufzufinden. Ich gehe um die Gebäude des Hofes von Christian herum, dann sehe ich meinen Ausreisser. Er hat zwar den Weidepfahl ausgerissen, aber sich nicht der Leine entledigen können. Die hat er dann fachgerecht um die Latten des Gartenzaunes gewickelt und sich dort selber angebunden. Die Schneise in der vollerblühten Dahlienreihe zeigt, dass er sich da schadlos gehalten hat. Die Bäuerin nimmt es mit Humor. Die drei Grosskinder helfen uns dann die Ausreisser zu striegeln und sonntäglich glänzen zu lassen. Um 9h ziehen wir los in Richtung Ilanz. Es will diese Nacht ordentlich regnen. Wir denken, dass wir es bis Rueun schaffen werden.
Daraus wird nichts, die beiden Esel mögen nicht so recht, sie müssen fressen. Wir beide Eseltreiber sind auch nicht motiviert auf lange Wanderschaft und wir beschliessen beim Ortseingang von Ilanz erst einmal etwas zu essen. Es überzieht und ein kühler Wind fegt uns entgegen. Auf der anderen Strassenseite ist ein Reiterhof; Marisa die Bäuerin bietet uns ein Weidezelt für die beiden Esel an. Das ist gut, so sind die Tiere in der kommenden Nacht geschützt und wir sehen vom Fenster des Gasthauses zu ihnen auf die Weide. Kaum haben wir sie abgeliefert und unser Gepäck aufs Zimmer geschleppt schüttet es bereits in wie aus Kübeln. Es ist noch nicht einmal 15h. Ich bin froh sind wir nicht weitergekommen.
Der Pass der vor uns liegt macht mir Sorgen: Der Panixerpass ist mit seinen 2404 Höhenmeter eine Herausforderung für uns vier.
Wenn wir es Morgen vor dem Mittag bis Pigniu schaffen, könnten wir den Aufstieg noch wagen…
Es soll ein Säumerpass sein und wird auch mit Pferden überquert, das stimmt mich etwas zuversichtlicher. Der andere Pass von Elm nach Linthal ist der Richetlipass und im Internet sehe ich, dass er als sehr steil beschrieben wird. Auf der Linthalseite sogar als sehr gefährlich, wenn es nass ist. Auf der Karte sehen wir, dass wenn wir diesen Pass nicht nehmen können wir einen Umweg machen müssen bis fast nach Glarus und dann wieder Talaufwärts nach Linthal. Umwege sind nicht Elizardos Freunde, aber gefährliche Pässe sind auch für ihn ein guter Grund.


Samstag, 22. September 2018
Ausschlafen bis 8h was für ein tolles Gefühl, nach den Eseln schauen und sich dann davon ausruhen. Das Frühstück geniessen wir mit anderen Gästen und es wird ein lustiger Morgen. Es gibt einen Dorfladen, so erzählt man uns. Elizardo will Sekundenkleber für meine Wanderschuhe holen, aber es hat nur normalen Leim den fülle ich in die Fugen in meinen Schuhen ein und lasse sie einstweilen so stehen. Wir dürfen unsere Kleider waschen und dann stehen sie schon frischriechend und zusammengefaltet vor der Zimmertür. So muss es doch sein. Tagsüber wird es wieder wärmer, die Sonne kommt und ich mache einen Dorfspaziergang. Wir sind schon bekannt und ich werde überall auf unsere Esel angesprochen. In der Kirche ein Kerzlein anzünden geht nicht, die Kirche ist sehr spartanisch, fast evangelisch eingerichtet und an der Wand hängt ein überdimensionaler Brief, der Tagsatzung von 1848. Die Versamer Bauern werden gelobt, für ihren Einsatz fürs Vaterland, die Idee der Schweiz und Demokratie. Sie hatten ihre Scholle und Liebsten verlassen um die verwirrten anderen Schweizer zur Vernunft zu bringen.
Ein neues Geschichtsfeld tut sich hier auf. Waren wir im Friaul und dem Südtirol mit dem ersten und zweiten Weltkrieg in den Lebensgeschichten der Menschen während der Zeit Mussolinis konfrontiert, ist es hier schon einiges weiter zurück, aber doch noch wach. Ich muss auch immer an Jürg Jenatsch denken, Pfarrer und Wegelagerer, Revoluzer und Ratsherr: Er ist mehrmals von Chur über Thusis oder Ilanz nach Venedig (wo wir ja fast gestartet sind) oder Milano gereist, das heisst geritten. Mir reicht im Moment diese eine Überquerung, aber die scheinen das als alltägliches Ritual betrieben zu haben.
Wir ordnen unser Gepäck. Gerne würden wir aussortieren, für die 14 Tage vor uns brauchen wir nicht mehr so viele Gegenstände. Fortwerfen wollen wir sie nicht. In Zuoz habe ich bereits einige Lebensmittel die wir noch nicht angebrochen hatten zurückgelassen.
Eventuell können wir ja alles mit der Post heimschicken.


Freitag, 21. September 2018
Die Nacht war warm, Sternenklar und die Aussicht über Thusis genial. Es fällt schwer am Morgen den warmen Schlafsack zu verlassen. Wir haben alle gut geschlafen und so sind wir auch bald unterwegs. Es geht Rheinabwärts. Der Fussweg ist ohne Stolpersteine, alles flach bis Rhäzüns. Fussschmeichler, das ist was ich brauche, mein rechter Fuss schmerzt mich ab und zu. Zudem habe ich immer wieder Steine jetzt in beiden Schuhen: Die Sohlen lösen sich langsam ab und darunter kommen kleine Steinchen in den Schuh. Der Abstieg von Gestern war heftig und wir wollen in Bonaduz übernachten. Es ist erst 14h und wir fänden es gut, einmal früher zur Ruhe zu kommen. Bauern hat es einige hier, aber niemand zuhause. Im Dorf gibt es ein Hotel, allerdings viel zu teuer. Wie man einen Bauern finden könnte mit Wiese ist der Dame an der Rezeption auch ein Rätsel. Wir beschliessen ins Nachbardorf Versam weiter zu ziehen. Ist ja nur 6km weiter. Also etwas mehr als eine Stunde. Womit wir nicht rechneten, war der Wanderweg, der uns wieder in die Höhen scheucht und dann wieder 500 Meter hinunter in den Versamer Tobel, eine gewaltige Bergschlucht und auf der anderen Seite wieder 200 Meter hinauf. Es ist 18h als wir Versam erreichen. Wir kommen direkt bei dem einzigen Gasthaus im Dorf an und wir werden von einem Empfangskomitee begrüsst. Wirt und Eselliebhaber brechen in lautes «jöööö» aus, aber nur für die Esel. Der Rössliwirt Miro organisiert eine Wiese, die Frau Zimmer für uns. Etagendusche und nette kleine Zimmer, was braucht es mehr.
Die Zimmer haben zwar Nummern sind aber nach Tierenamen eingeteilt und so machen wir noch eine Schnitzeljagd im Haus bis wir unsere Betten finden.
Wir werden hier einen Ruhetag einlegen. Bobek und ich wir sind beide etwas müde. Elizardo würde gerne durchstarten, aber Morgen will es Regen geben.
Der Regen ist schon in der Nacht da und dazu ein veritables Donnerwetter.
Die Esel haben es gut sie werden gut gestreichelt von den Grosskindern des Bauern und auch er wirft alle 10 Minuten ein Auge auf sie. War er im Militär doch mit Mulis unterwegs. Unsere Esel lösen ab und zu Nostalgie aus.
Endlich kann ich mein Handy wieder gebrauchen, es spinnt immer wieder. Wahrscheinlich ist es Nass geworden oder es war einmal zu kalt. Jedenfalls habe ich schwach wieder Internetzugang. Auch der Hotelanschluss hilft nicht sehr, da Gerät ist am Sterben. Macht nichts, ich habe noch mein Tablet dabei, da kann ich zwar schreiben und Mails empfangen, aber auch nur wenn ich Internetzugang habe. Hier im Rössli ist das nicht überall der Fall, was mir aber eher sympathisch ist.
Ich schreibe also meinen Blog nach, bin eine Woche im Rückstand. Notizen mache ich jeden Tag in mein Tagebuch, aber veröffentlichen und schreiben kann ich eben nur an Ruhetagen wie jetzt.
Mails sind auch sehr viele zu lesen und zu beantworten. Ein Mail verwirrt mich etwas: Die Journalistin einer Wochenzeitschrift, Bantiger Post, hat mir einen Fragebogen geschickt für ein Interview. Ich merke, dass ich die Fragen so irgendwie nicht mehr verstehe.
Sie fragt nach Sinn und Zweck, nach Erfolg oder nicht Erfolg, ob es Momente positive wie negative gäbe die ich nicht mehr vergessen würde und so weiter.
Es ist eine andere Welt die mich hier ruft. Zum spass habe ich bis jetzt immer gesagt ich wäre verwildert nach dieser Zeit. Scheinbar trifft es wirklich zu. Es ist mir schon seit einiger Zeit aufgefallen, dass mir viele Sachen keinen Eindruck mehr machen. Wir sind so viel auf und an Strassen, dass wir wohl jede Art von Auto, Motorrad oder Fahrrad schon gesehen haben: An so vielen Villen, Häusern, Behausungen vorbei gekommen, dass sie schon lange nicht mehr unsere Gelüste erwecken sondern nur noch eine Möglichkeit aufzeigen, wie man sich das Leben gestalten kann.
Wesentlich sind für uns nur noch die Begegnungen, das Wohl der Tiere am Tag und in der Nacht, dass sie und wir genügend Futter haben und wir warm und trocken schlafen können. Mir kommt ein Zitat aus der Autobiographie von Mark Salzmann in den Sinn: Der mit seinem chinesischen Freund und Gastgeber ebenfalls im Freien übernachtete und er fragt ihn was das Wichtigste sei im Leben. Der Freund antwortet ohne Nachzudenken: «Essen und schlafen.»
Das erstaunt Salzmann er hat es philosophischer erwartet. Essen und schlafen, das andere kann man immer gestalten, so sein Freund.
Genau so geht es mir jetzt auch.
Ob und wie weit wir am nächsten Tag kommen, ist nicht mehr wichtig. Einzig die Pässe drängen uns zur Eile, wir müssen sie noch vor dem Schnee erreichen.
Trotzdem habe ich noch vor drei Tagen meinem Büro aus Tiefenkastel einen euphorischen Brief geschrieben. Wir hatten den Albula überquert und sind zu unserem Erstaunen nicht bis vor den Pass sondern weit über den Pass hinaus gekommen:
Lieber Martin
so nun sind wir bereits im Rheintal. Gestern über den Abula haben wir es bis Bergün geschafft.
Der nächste Pass ist der Panixer.
Bis Rueun, wo der Aufstieg beginnt müssen wir noch drei Tage rechnen.
Wir gehen nun Abwärts nach Thusis, dann bis Bonaduz, dort die linke Rheinseite aufwärts nach Ilanz und dann bis Rueun. Wir werden vor dem Freitag nicht dort sein. Dann müssen wir wieder ein Ruhetag einlegen.
Das heisst Freitag in Rueun, Sonntag der Aufstieg:
Nach dem Panixer (2404 M.üM), kommt noch der Richetlipass (2261) und dann der Klausenpass (1948), da rechne ich mit 4 Tagen. Wir werden noch bis Altdorf absteigen und dort einen Ruhetag einlegen.
Mittwoch nächster Woche sind wir in Altdorf, Starten Freitag in Richtung Stans, Giswil, Sörenberg.
Das schaffen wir in drei Tagen. Wir werden also am Sonntag auf dem Sörenberg sein. Das ist der 30. September, von da brauchen wir ca drei Tage bis Ferenberg.
Montag Chemeriboden, Dienstag, Biglen, Mittwoch Ferenberg.



Während dem Aufstieg zum Abstieg liegt das Kirchlein St. Peter Mistail. Auch hier brennt ein Kerzlein von uns...

Donnerstag, 20. September 2018

Beim Losgehen knickt Pencho vorne ein. Er hat schmerzen. So können wir nicht weiter. Vom Hotel haben wir eine aktuelle Wanderkarte bekommen. Von der Strasse rät man uns heftig ab, das sei eine Autobahn und zudem seien mehrere Tunnel zu durchqueren. Wir müssten in die Höhe, aber nicht weit. Es sei ein bekannter Weitwanderweg der nach Thusis führe.

Wir entladen Pencho wieder und beschliessen, den Sattel weiter hinten zu platzieren. Bobek bekommt mehr Gewicht und stöhnt schon während wir das besprechen. Für Pencho geht es nun besser, aber Bobek lässt die Ohren wieder hängen. Es geht nicht nur ein wenig Bergauf sondern sehr viel. Bis Alvarschein, dort soll es dann über die Höhe auf den Abstieg nach Thusis gehen. Nach dem Dorf ist eine grosse Baustelle. Der Wanderweg wird breit ausgebaut von einer Lenzburger Baufirma. Die Witzknicker haben aber alle Wanderwegweiser ausgegraben und irgendwo wieder ins Feld gestellt. Wir müssen laut Beschreibung dem Wegweiser 64 Folgen. Der Zeigt einen Grasweg hoch in den Wald. Elizardo meint, dies sei nicht richtig, da der Wegweiser ja ausgegraben sei. Ich finde, die hätten den Auftrag den wieder so zu platzieren, dass er richtig stünde. Wir fragen dann einen Bauarbeiter, der weis gerade gar nichts. Er erneuert hier nur den Weg und sei nicht von hier.

Zudem stehen noch ein paar Lastwagen an, einer an der Seite, und wir gehen dann doch den Weg hoch dort wo die Schilder hinweisen. Elizardo ist sichtlich verstimmt. Nach einiger Zeit kommen auch mir Zweifel und wir kehren wieder um.

Das Wetter ist hervorragend und es wird heiss. Zurück auf der Strasse finden wir eine riesige Maschine, die das Geröll aufkratzt und dann die Steine zermalmt hinten wieder auf die Strasse streut. Wir müssen warten, und gehen dann mühsam diese Strasse hoch. Ganz oben am Ende der Baustelle finden wir die 64 wieder. Wir haben über eine Stunde mit Suchen verbracht. Dann geht es aber immer weiter nach oben und die Höhe die wir hätten überschreiten sollen verschwindet weit hinten am Horizont auf der anderen Seite von einer Schlucht. Schlussendlich finden wir uns in der Lenzerheide wieder. Dort zeigt uns ein Wanderschild, dass dieser Fernwanderweg von Italien, durch alle schönen Naturreservate in Graubünden führt, eben auch durch die Lenzerheide und hier noch einen Schlenker in die Höhe machen wird. Wir beschliessen den gewöhnlichen Fussweg nach Thusis zu nehmen ohne Schlenker und Schnickschnack. Eine Stunde später sind wir an der Stelle wo wir von Alvarschein hergekommen wären. Wir sehen das Dorf und auch den Abzweiger: Genau da wo der Lastwagen uns die Strasse versperrt hatte. Wahrscheinlich war der Wegweiser von der einen Strassenseite auf die andere gehievt worden. Elizardo kann sich fast nicht mehr erholen. Wir haben einen Umweg von 5 Stunden hinter uns. Es wird langsam Zeit dass wir abwärts kommen. Bobek will immer wieder liegen, Pencho fressen. Es reicht einfach. Wie war das: genau so habe ich mir die Reise nicht vorgestellt.

Von Mudlain bis Sihls kurz vor Thusis brauchen wir dann noch zwei Stunden. Kurz vor einnachten fragen wir in einem Dorf bei einem Bauern für ein Feld für uns und die Tiere. Das bekommen wir schön geschützt hinter einer Steinmauer. Blick auf Thusis beim Einnachten. Nur wir dürfen nichts kochen: Es herrscht absolutes Feuerverbot, auch für unseren Gaskocher. Im Dorf, so der Bauer, hat ein Restaurant. Da pilgern wir im Dunkeln, mit kaputtem Knie und schmerzenden Zehen, hin. Dort bemerke ich, meine Geldbörse liegt in der anderen Tasche im Lager.

Also ein Kilometer zurück zum Feld, eine Kilometer wieder in die Kneipe. Das Essen ist hervorragend und wir versöhnen uns mit dem Tag. 32 Kilometer für heute ist genug. Zurück beim Feld bemerke ich, dass ich meine Thermosflasche im Restaurant habe liegen lassen.

Zum Glück geht Elizardo zurück. Er ist wirklich ein guter Helfer. Das muss an dieser Stelle erwähnt werden, auch wenn er mich heute am liebsten auf den Mond geschossen hätte.

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Es ist schon schön, aber der falsche Weg


Letzter Blick zurück auf Bergün. Wir hinken alle Talwärts

Mittwoch, 19. September 2018
Angespornt von unserer Tagesleistung von Gestern, trauen wir uns die Strecke bis Thusis zu. Am Dorfbrunnen tränken wir noch unsere Esel und stillen den Wissensdurst der Dorfbewohner. Von ihnen bekommen wir auch den Tipp welchen Wanderweg wir bis Tiefekastel nehmen sollen. Dies beweist sich als gut, aber es geht auch wieder erst in die Höhe durch saftige Felder und Pencho ist hungrig wie immer. Immer wieder lassen wir die Tiere fressen, aber heute ist an Satt nicht zu denken. Der Weg ist schön, aber wir bleiben immer wieder hängen. Die Kaumuskeln der Esel sind heute am stärksten belastet. Es wird immer später, wir überlegen uns bei einem Bauern im Heu oder Stroh zu schlafen, aber es findet sich kein Hof auf unserem Weg. Nur einer, aber da ist niemand zu Hause und ein Bauer auf dem Feld will seinen Traktor für uns nicht anhalten. Wir gehen weiter Flussabwärts. Eine Junge Frau spricht uns an und meint wir könnten unmöglich bis Tiefkastel auf dem Wanderweg. Etwa ein Kilometer weiter unten sei ein Holzsteg, der wäre im Winter beschädigt worden. Ob er repariert sei wisse sie nicht, aber im Frühling wäre er ganz schief gewesen. Mit den Eseln kämen wir nicht durch.
Reichbefahrene Strasse oder unsicherer Weg?
Wir beschliessen es mit dem Wanderweg zu versuchen. Und wirklich wir kommen bis zu diesem Steg. Er ist wieder instand gestellt. Pencho verweigert sich jedoch. Kein Schritt. Weder Möhren, gut zu reden mit Stock drohen nichts. Er reisst den Kopf zurück und ich quetsche mir die Hand mit seil und Brückengeländer.
Jetzt brauche ich gerade eine Pause. Ich gehe über den Steg und den Wanderweg weiter. Da sehe ich dass noch vierweitere solche Stege folgen und bei einem ist das Geländer so verbogen, dass wir die Esel abladen müssten. Ein anderer Steg ist sehr schief aber noch fest. Wie viele noch folgen kann ich von hier aus nicht sagen, aber unser Esel hatte ein gutes Gespür. Wir hätten hier auch nicht wenden können.
Also zurück und dann über die Strasse. Wieder Leuchtwesten anziehen unsere Lust ist auf unter Null, aber wenigstens Tiefenkastel wollen wir erreichen. Eine Stunde später sind wir unten. Wir sehen die Strasse vom Julierpass, dort reiht sich Auto an Auto. Im Hotel Julier finden wir gehör, eine Wiese und zwei Zimmerchen. Unter meinem  Zimmerfenster Rauscht der Hinterrhein in die Tiefe. Es ist so laut, dass die stark befahrene Strasse auf der anderen Seite nicht mehr zur hören ist.
Mein rechter Fuss schmerzt. Elizardo hat sich das Knie verdreht und Penchos Wunde will nicht heilen.
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Bobek ist der einzige Nichtverwundete von uns, aber kaum halten wir an legt er sich hin. Wahrscheinlich das Geheimnis des Unversehrten...


Aufbruch zum Albulapass

Dienstag, 18. September 2018
Um 8h sind wir bereit, die Esel sind beladen, wir alle ausgeruht und es geht Talaufwärts nach La Punt, dort beginnt der Aufstieg zum Albulapass. Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir auf der Strasse sein müssen, es gibt jedoch einen Wanderweg der ohne Umwege auf den Pass führt. Wir dachten von Zuoz bis halb auf die Passhöhe, bis Alp Alesch, zu gelangen wäre ein machbares Tagesziel. Um 11h sind sind wir bereits dort. Wir beschliessen noch den Pass zu nehmen und etwas abzusteigen und dann auf der anderen Seite unser Nachtlager zu suchen. Es ziehen Wolken auf heute soll es noch regnen. Aber wir haben Glück, es wird zwar kälter und kurz vor dem Pass nieselt es ganz leicht, aber es ist erträglich. Auf dem Pass genehmigen wir uns eine warme Suppe und steigen dann, nach einer Fotosession der anderen Passgängern, den breiten Wanderweg abwärts. Es ist angenehm und obwohl es Geröllhalden zu durchqueren gibt meistern unsere beiden Freunde den Weg bestens.
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Der Albulapass, eine lohnende Wanderung! Zum erstenmal haben wir gute Wanderwege.

Unterwegs fängt es aber an zu regnen. Die Regenkleider hat Elizardo im Rucksack ich hatte sie seitlich bei Pencho festgemacht. Ich staune. Innert kürzester Zeit bin ich ganz Nass, Elizardo hat nur die Schultern feucht. Für ihn regnet es wohl anders. Aber es hört wieder auf und wir ziehen durch idyllische Wälder, Hochmoore, kleine Wiesenbächen, grün glänzenden Perlen von Seen vorbei.
Was für ein traumhaftes Tal. Wir schaffen es bis Bergün. Mitten im Dorf fragen wir nach einem Hotel für uns vier. Wir haben Glück, das Rössli hat einen grossen Garten mit viel Gras und wir bekommen saubere grosse Zimmer. Aber der alte ehrwürdige Kasten, mit den breiten Treppenaufgängen, hat auch etwas surreales. Viel zu gross, mit alten Möbeln bestückt fühlt man sich um ein Jahrhundert zurückversetzt und scheinbar für die Betreiber, sie sprechen nur italienisch oder englisch, eine Nummer zu gross. Es wirkt alles ein wenig charmant verschlampt. An Herzlichkeit fehlt es nicht. Auch beim Essen (es gibt nur Pizza) entstehen durch die hinkende und etwas ruppige alte Bedienung ein paar fellinische Szenen.
Wir haben 35 Kilometer geschafft. Auf Sandras und Sergios Wiese wächst wohl Turbogras, zusammen mit dem Gewinnerheu von Duri haben unsere Esel sich selber übertroffen.
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Schnell noch ein Foto, bevor es regnet, dann weg mit der Kamera!

Am Inn entlang nach Zuoz

Sonntag, 16. September 2018
Die Esel haben die Wiese gemäht und sind sichtlich guter Dinge. Bobek lässt sich gut Bürsten aber Pencho hat eine Wunde auf der Schulter. Die Decke war wohl Nass geworden, obwohl wir sie unter einem Dach gelagert hatten. Beim Abstieg muss sie ihm wohl das Fell und dann auch die Haut weggescheuert haben. Wir verarzten ihn, das mag er gar nicht. Wild schlägt er aus aber beim Satteln gibt er dann Ruhe. Er zeigt keine Anzeichen von Schmerzen. Das ist gut.
Er läuft auch gut mit und will gleich wieder mit fressen anfangen. Eigenartigerweise habe ich auch Hunger. Ich habe doch Brot und Käse zum Frühstück gehabt, aber der Magen knurrt.
Unterwegs sprechen uns zwei Wanderer an, Ruodi und Monika aus Freiburg, sie sind entzückt von den Eseln und unserer Geschichte. Zum Schluss schenken sie uns drei kleine Nusstörtchen. Danke!
Elizardo und ich teilen sie uns. Pencho wird richtig wild wie ich neben ihm hergehe und nichts für ihn Abfällt. Er fängt an Sprünge nach vorne zu machen und vor meinem Gesicht in die Luft zu schnappen. So ein Esel!
Der Hunger bleibt, auf der Karte sehen wir bis Zuoz sind es noch vier Stunden, keine Wirtschaft zu sehen. Wir haben noch Käse  im Gepäck aber Elizardo kann ich nicht überreden, dass wir eine Pause einlegen.
Allerdings beim Erforschen von Höhlen macht er eine Ausnahme...

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Es wird kalt, ein eisiger Wind weht uns entgegen und ich sehe mit Sorgen den kommenden Pässen entgegen. Hoffentlich geraten wir nicht in den Schnee!
In Zuoz wird es wieder wärmer wir binden mitten im Dorf unsere Esel vor der Konditorei Klarer an und genehmigen uns etwas zu essen auf der Terrasse. Sofort sind unsere Esel belagert, werden photogrpahiert und von der Tochter des Hauses liebevoll mit Karotten gefüttert.
Ich melde mich bei der Eselfreundin Sandra, sie hat mir gesagt sie wären erst am Abend zurück. Ich frage sie ob sie eine günstige Unterkunft weis. Aber erst die Esel auf das Feld bringen.
Sie ruft mich an und sagt uns den Weg. Dann ruft sie nochmals an und sagt, sie wisse nun dann Instagram, wo wir wären. So schnell geht das!
Die Esel kommen auf einen Golfrasen mitten in einem Quartier, aber sie haben noch etwas zu grasen. Wir bekommen das Ferienapartment, das im dazugehörigen Haus ist. Sandra und Sergio stellen es uns zur Verfügung! Was für ein Luxus! Der SPA-Bereich ist so gross wie die Wohnung, mit Whirlpool und Sauna.




Montag, 17. September 2018
Die Esel vor dem Fenster, das ist etwas Neues. Das Gras ist leider kurz gemäht. Sergio meinte vor einer Woche habe er es gemäht, wenn er gewusst hätte, dass er so netten Besuch bekommt…
Unten im Dorf ist ein Biobauer, dorthin gehe ich am Morgen und bekomme eine Schubkarre voller Heu. Duri ist Pferdezüchter hat auch zwei Esel, zwei wunderschöne Sizilianer die sich auch gerne streicheln lassen. Daneben hat er noch Rennpferde eines hat bereits 6 Mal den St. Moritzer Speed gewonnen. Ein Rennen auf dem gefrorenem See. Und anstelle der Wagen hängen hintendran die Jokey auf den Skiern. Er zeigt mir die Bilder an der Wand. Ich bin wirklich beeindruckt.
Den Tag verbringen wir auf unserer Gartenterrasse mit Blick auf Berge und Esel. Abends kochen wir uns ein grossartiges Menu. Genau so habe ich mir diese Reise vorgestellt!
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Esel und Menschenparadies bei Sandra und Sergio Zala in Zuoz


Leider dürfen wir nicht über die Wanderwege. Hunde und Pferde auch an der Leine sind verboten. Sogar von der Strasse ist die Sicht enorm!


Samstag 15. September 2018
Das Il Fuorn ist weit und breit, die einzige Uebernachtungsmöglichkeit und dementsprechend teuer. Die Zimmer sind riesig, wir haben ein Vierbettzimmer und es hätten locker noch einige Platz. Knarrende Holzböden über und unter uns. Die Treppe rumpelt bis spät in die Nacht unter den späten Bettgängern, Etagendusche und wenig Komfort. Es ist für uns an der Grenze des bezahlbaren, aber weiter hinunter hätten wir nicht mehr geschafft. Wir haben gestern 27km geleistet, einen Pass und 1100 Höhemeter hinter uns gelassen.
Vielleicht werde ich jetzt noch geizig auf das Alter, oder die Zollkosten sitzen mir noch als Schock in den Gliedern. Beim Bezahlen muss ich ziemlich massleidig reingeguckt haben, denn die Dame entschuldigte sich mit einem gemurmelten Angebot und Nachfrage.
Über die Strasse Abwärts ist die einzige Option. Wir ziehen uns die Leuchtwesten über. Der Verkehr ist stark, manche haben kein Verständnis, einige winken und freundlich zu. Wir sind nicht mehr in Italien. Wir sind inkorrekt und ein Hindernis. Geht gar nicht. Nach zwei Stunden sind wir durch den Park durch, den Rest dürfen wir über Wanderwege abwärts steigen.​
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Abwärts heisst aber auf Wanderwege erst einmal 600 Meter hinauf, wegen Aussicht, dann wieder hinunter, eventuell nochmals Hinauf zur nächsten schönen Aussicht. Wir sind aber Durchwanderer nicht Schönwanderer und das ständige Auf- und Absteigen schlägt auf die Füsse und auf das Gemüt. Zudem ist mir Pencho vor zwei Tagen mit dem Hufeisen auf den rechten Fuss gestanden. Ich spüre den kleine Zeh. Dauernd habe ich Steinchen im Schuh und kann es mir nicht erklären wo die her kommen.
Trotz allem ist es eine Landschaft die sich lohnt zu durchwandern: Ich muss an das Tischgespräch gestern Abend, das hinter uns stattgefunden hatte denken: Es müssen ein paar Frauen die Wahnwitzige Idee gehabt haben ein paar Wandertage gemeinsam im Nationalpark zu verbringen.
Sie beratschlagten die ganze Zeit was sie am nächsten Tag noch tun könnten, bevor sie wieder Talwärts mussten. Alle Vorschläge wurden aber wieder verworfen; jemand vertrug die Passhöhe nicht, jemandem war ein Aufstieg auf einen anderen Hügel zu steil und eine der Damen motzte die ganze Zeit, ich will nicht unten wandern, da sieht man ja nichts. Egal was nun vorgeschlagen wurde: «Dort unten sieht man ja nirgends hin.»
Doch, doch man sieht hier unten ganz viel! Auch wenn das einzige Wildtier, das wir im Nationalpark sahen ein Frosch am Wegesrand war, gab es doch auch schöne Ausblicke in die Schluchten, herrliche Lärchenwälder und als wir die Strasse endlich verlassen durften auch liebliche Waldlichtungen.
Endlich im Talboden, lassen wir Zernez links liegen und gehen Talaufwärts auf der rechten Seite des Inn. Wir finden eine flache Wiese mitten im Wald mit Aussicht über das Tal und richten uns für die Nacht ein. Wir sind unten und fünf Tage hintereinander sind fühlbar; wir werden Morgen in Zuoz einen Ruhetag einlegen.
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Fertig Pass, fertig Nationalpark - Fressen!

Geschaft! Wir sind oben! War steil aber schön!


Freitag, 14. September 2018
In der Nacht hat es geregnet, aber am Morgen ist wieder blauer Himmel zu sehen und wir lassen unsere Regensachen im Gepäck. Um 8h ziehen wir los Richtung Tschierv und dann zum Ofenpass.
Der Aufstieg ist Teilweise heftig steil, aber es ist wunderschön. Wir geniessen den Tag, es wir immer wärmer, die Wolken verziehen sich. Der Wanderweg neben der Passstrasse ist angenehm und wir sind die einzigen die hier unterwegs sind.
Der letzte Teil ist so steil, dass wir fast auf allen vieren auf die Passstrasse kriechen. Zum erstaunen eines Pärchens, das gerade dort seinen Photostop eingelegt hat. Bobek, der sowieso schon leidet wenn er das Gepäck nur sieht, dass er dann tragen soll, kommt mit hängenden Ohren zuletzt nach oben. Er hat müde Beine, das sieht man. Er steht etwas schräge da. Der Mann der uns zuerst bewunderte fängt an uns auszuschimpfen. Der arme Esel! Der hat seine Hufe kaputt, dazu wie er keucht und das ginge gar nicht wir sollten im nächsten Dorf, das sofort abklären lassen, der bekomme sonst eine Herzinfarkt weil das ganze Gewicht vorne sei und so weiter und so fort.
Er scheint es Spezialist zu sein. Wir können ihm nicht einmal sagen, dass er dreimal mehr tragen könnte als er jetzt auf dem Rücken habe, der Aufstieg für uns alle anstrengend war und wir jetzt eine Pause brauchen.
Wir lassen ihn also ratgebend zurück und ziehen direkt über den Pass weiter. Pause legen wir etwas unterhalb vom Pass ein, weit entfernt von Besserwissern und Spezialisten.
Wir hatten vor bis zur Alp Boffalora zu gelangen dort unsere Nacht zu verbringen. Jedoch schliesst das Restaurant um 18h und wir könnten hinter dem Haus unser Camp aufschlagen. Wir sind direkt am Rand des Nationalparkes. Man darf die Wanderweg nicht verlassen, Hunde auch an der Leine sind verboten. Auch Pferde dürfen nicht durch, Pflanzen pflücken verboten, das heisst wir müssten Penchos Maul mitKlebenband verschliessen. Wenn wir hier übernachten kann es sein, dass wir Besuch von den Parkwächtern bekommen. Mitten in der Nacht in die Taschenlampe eines Nachtwächters zu schauen ist nicht das was wir wollen.
Wir sitzen auf der Terrasse und beratschlagen. Gäste bewundern unsere Esel, wir geben Auskunft. Eine Familie ist von den Eseln so angetan, dass sie uns ihre Wiese anbieten – in Zuoz. Da müssen wir durch wenn wir über den Albulapass wollen.

Wir könnten hier im Boffalora essen. Könnten, aber die Chefin die kocht, ist spazieren gegangen. Mitten im Nationalpark liegt das Il Fuorn. Ein Hotel der Gründerzeit und beliebt für alle die hier wandern wollen. Wir rufen an, sie haben  ein Zimmer für uns und eine eingezäunte Wiese, sonst dürfen die Tiere nicht im Park sein.
Wir gehen also los über die Strasse, die jetzt nicht mehr so heftig befahren ist, aber es zieht sich noch fast zwei Stunden hin. Wir haben zu lange auf die spazierend Köchin gewartet und sind dann mit leeren Magen doch noch weiter gezogen.
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Abstieg im Nationalpark. Auch auf der Hauptstrasse ein Ereignis



Donnerstag, 13. September 2018
Bären kamen natürlich keine nur schlechte Träume. Wie kommen wir durch den Zoll, was wenn wir noch zusätzliche Papiere brauchen? Was wird es kosten? Habe ich genügend Geld dabei? Wie lange würde es dauern bis ich es zusammen hätte, was kostet es wenn wir vor der Grenze stehen bleiben und dort uns einquartieren müssten? Mein Kopf dreht sich die ganze Nacht. Was wenn Bobek morgen noch husten hat? Ich vermute, dass dieser Husten von den Aepfeln kommt, sicher bin ich nicht, aber seit er keine mehr bekommt Hustet er nicht mehr so viel.
Wir packen zusammen, Frühstück wollen wir dann in Taufers nehmen, damit wir heute so schnell wie möglich mit den Zollformalitäten den Kampf aufnehmen können. Dieses Ansinnen teilt Pencho nicht, er will fressen, am liebsten alles was am Wegrand ist. Dafür habe ich heute keine Geduld und zerre ihn immer wieder auf den Weg. Gegen Eselhunger hilft nichts, irgendwann gebe ich auf und wir lassen die beiden eine halbe Stunde grasen. Beim weitergehen zeigt es, dass es nicht genug war. Pencho frisst unglaublich viel und lässt sich immer weniger davon abhalten.
Wir folgen dem Wanderweg und kommen direkt vor der Grenze wieder auf die Hauptstrasse. Taufers liegt ein Dorf zurück. So wie es aussieht muss ich mit dem Postauto zurück fahren, damit ich die Zollagentur aufsuchen kann. Vom Schweizer Zoll weiss ich, dass der Posten nicht immer besetzt ist, das heisst, wenn wir die Papiere haben, dann muss ich am Zoll anfragen wann jemand da ist.
Kurz vor dem Zoll ist ein Restaurant und wir binden unsere Esel auf dem Parkplatz an. Erst ein Mal mit Kaffee stärken, dann legen wir los. Als erstes gehe ich zum Zollhaus um zu sehen nach ob die Schweizer da sind und wenn ja, was sie alles für Papiere wollen. Vorher hält mich ein Italienischer Polizist auf und fragt wie wir den hier her gekommen sei. Er habe uns vor einer Woche am Fischteich vor Meran gesehen. Er sei da mit dem Fahrrad durchgefahren…
Er will noch wissen ob wir für Italien gültige Papiere hätten, will sie aber dann nicht sehen.
Die Schweizer Zollstation ist besetzt und tatsächlich schaut man auf meine Papiere, findet es lustig, dass wir zu Fuss durch wollen. Aber er braucht ein elektronisches Zollpapier. Das bekommen wir in dieser Zollagentur, es sollte keine Schwierigkeiten geben, wir hätten genügenden Dokumente dabei.
Er wäre dann wieder nächste Woche hier.
Die Zollagentur ist aber umgezogen und wer glaubts gleich hinter de Restaurant in dem wir uns gestärkt hatten. Also hundert Meter zurück und hier ist man dann sehr schnell. Nach zwei Stunden und vielen Fragen haben wir die Papiere.
Um 13h stehen wir nach dem Zoll auf Schweizer Boden und können es nicht fassen! Wir gehen wie betäubt in Richtung Müstair. Dort steht das älteste Kloster in der Schweiz und die Kirche ist wunderschön.
Wir binden die Tiere im Kloster hinten beim Bauernhof an. Elizardo legt sich ins Gras, auch er hat schlecht geschlafen. Ich suche die uralte Kirche auf.
Dort sitze ich erst einmal in einen Bank und atme durch. Es sind sehr wenige Besucher und ich habe Zeit und Musse 7 Kerzen anzuzünden.
Für jede Woche eine und denke  an alle unser Helfer und Freunde die uns in dieser Zeit so geholfen haben.
Meine Freundin Sonja hat mich nach Slowenien gefahren mit all dem Gepäck und Katharina hat uns begleitet, damit Sonja nicht allein zurück fahren muss.
In Slowenien waren Vitomir und Wilnia, Marko, Neza und Gaspar.
Henriette, war mit der Bahn gekommen und im Streik nach Triest umgeleitet worden und Marko hat sie dort abgeholt.
Dann der Besuch von Vera und Gerhard, später Enzo auf seinem Weingut, und nach Udine,Sandra und Yvan vom la Tanaya. Dino der uns ein Bänklein über den Bach gebaut hat und Davide der uns in der Wildnis aufgesucht hat und im Messagero Veneto einen grossen Artikel über die Eselreise veröffentlichte.
Valerio der uns vom Feld pflückte dann in Spilimbergo Ilario, Davide, Luca und Erica und nicht zuvergessen, Alessandro der Hufschmied, der uns mit zwei Hufeisen gerettet hat.
In Cimolais war Aurora, die uns ermöglicht hat die Esel zwei Tage bei Andrea auf die Weide zustellen. Im Val di Zolo war Rick der uns ein Iphonkabel organisierte. Auf dem San Pellegrinopass der Wirt vom Isabella. Auf dem Karrerpass, dann das Hotel Latemare, die uns einen Teil der Uebernachtung geschenkt hat als Beitrag an unsere Reise.
An den Wirt im Eggertal, der uns sein Feld hinter dem Gasthaus Kreuz zur Verfügung gestellt hat. Die Polizisten, die lieber ein Selfi mit uns und Esel hatten als eine Busse. Beat, Marianne und Philipp die wir in Bozen trafen. Beat, der uns bessere Schlafsäcke und warme Kleider brachte und Marianne und Philipp die uns dann eine Woche durchs Vinschgau begleiteten.
Brigitte vom Schloss Brandis, die uns auf die Pferdeweide liess und Obstbauer der sich liebevoll für die Esel einsetzte und uns den Kontakt zu Brigitte herstellte. Karin im Hotel Bauhof in Kastellbell, sie spendete 10% der Rechnung. Obwohl wir ihrem Onkel, die Bäume ruinierten. Auch die Wirtin am Fischteich in Brugg die uns das Frühstück schenkte. Viele Menschen die uns begegneten, mit denen wir gute Gespräche hatten. Manchmal kleine Geschenke, aber allen denen wir begegneten, zauberten unsere Esel ein Lächeln ins Gesicht.
So sitze ich in der Kirchenbank und denke voller Dankbarkeit auch für alle die uns per Internet begleiteten und die uns grosszügig mit Spenden weiterhelfen. Auch an Martin denke ich: Er hält die Stellung im Büro und hilft mir aus der Ferne aus der Patsche wenn  mein Telefon nicht funktioniert, oder sonst etwas zu erledigen ist!
Ein Wehrmutstropfen sind die enormen Zollgebühren die angefallen sind. Zum Glück hat der Sachbearbeiter kleine Esel, also unter Stockhöhe 118 eingetragen (unsere sind wesentlich grösser), aber Zoll und Bearbeitungsgebühren und Mehrwertsteuer (obwohl wir Mehrwertsteuerbefreit sind als Verein) kam die ganze Freude auf 2570 €. Wesentlich günstiger als ich Befürchtet habe, doch es ist viel Geld, das wir hätten einsparen können wenn wir früher am Zoll gewesen wären.
Wir müssen zu Hause noch den Bauernhof umbauen, für die Hofschule und als erstes für die Esel einen Unterstand bauen...
Es wurmt mich noch bis St. Maria, dort treffen wir am späteren Nachmittag ein. Auf dem Bauernhof von Samantha und Markus können wir die Nacht verbringen. Die Esel auf einer eingezäunten Weide wir in einem Zimmer im Keller. Es will regnen und wir sind froh die erste Nacht in der Schweiz im Trockenen zu verbringen.
Die Beiden haben zusätzlich Pintos und bieten Trekkings im Münstertal an.

image-9182105-20180913_105130.w640.jpgEndlich am Zoll

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Samantha und Markus in Sta Maria


Sachertorte zum Frühstück...

Mittwoch, 12. September 2018
So meine Partymäuse haben ausgeschlafen und sind beide wieder fit. Bobek frisst wir er seit Tagen nichts mehr bekommen hätte und Elizardo juckt zeitig aus dem Schlafsack und um 8h sind wir bereits auf dem Weg. Das Frühstück haben wir sausen lassen, die Wanderkarte verspricht uns einen Radstopp in ungefähr einer Stunde gehen.
Wir wandern ohne Sorgen singen in den Morgen…
Also ich zumindest. Hinter mir ist noch Ruhe und Pencho zuckelt willig neben mir her. Die Sonne erreicht langsam die Wipfel über uns, es ist ein strahlendblauer Tag. So, genau so habe ich es mir vorgestellt. Wobei ich mir das jeden Tag sage, aber hier stimmt es definitiv. Nach einer Stunde, links, dann rechts vom Fluss.  Einmal überholt uns eine Dame im Auto. Wo sie hergekommen ist, ist mir schleierhaft aber beim kurzem hinsehen erkenne ich eine hübsche Tracht und ein sehr eilige ältere Dame hinter dem Steuer. Irgendwo wieder ein Alpabzug denke ich.
Etwas später erreichen wir den versprochenen Radlerstopp. Uh, wir sind zu früh!! Sieht geschlossen aus! Ich sehe mein Frühstückskaffee davon schwimmen. Dabei wäre es so ein romantischer Ort. Alte Brückenpfeiler, daran angebaut eine nette Bretterbude mit etwas zack. Wie ich so schaue und staune geht an der Bretterbude ein breites Tor auf. Die Trachtenfrau von vorhin schiebt die Torflügel mit ihren kräftigen Armen auf und wir staunen uns gegenseitig an.
Auf jedenfall bekommen wir unseren Kaffee. Hörnchen hat sie keine, macht mir aber ein Faustbrot mit Käse. Elizardo bekommt ein Stück Sachertort. Wir sind nahe der Grenze und wollen unser Euros noch ausgeben und keine mehr ziehen, also legen wir unser gesamtes Kleingeld auf den Tisch und zählen alles durch.
Beim Bezahlen strahlt uns die wirklich tolle Trachtenfrau an und meint sie wolle uns das Frühstück schenken für unseren Camino. Wir sollen nur an sie denken auf unserer Reise, das würde sie freuen! Ich bin baff und freue mich mit ihr. So eine tolle Geste! Sie wusste nichts von uns, woher und wohin, dazu hatte sie keine Zeit gehabt, nach uns strömten bereits ersten die Radfahrer in den Radstopp.
Als wir losziehen ist die kleine Kneipe schon voll und wir sind guter Dinge bis wir wieder in die Äpfelplantagen kommen. Seit Bozen, Apfelbaum an Apfelbaum.
Eigentlich ist das Falsch, es sind Spaliere. Das heisst keine neuen Bäume. Die Wurzeln sind triebe von einem Hochstamm der langsam aber kräftig wächst und darauf ist ein Zweig gepfropft der von einem ‘Mutterbaum’ geschnitten wurde. Dies ist dann die Apfelsorte und diese Zweige werden vier bis fünf Meter hoch und tragen dann einige Jahre 50 bis 60 kg Aepfel jedes Jahr und sie stehen jeweils in einem Meter abstand voneinander. Ein Apfelbauer sagte es wären mehr als eine Million Bäume in der Ebene; das war in Meran. Auch ob die Nachfrage denn so gross sei bejahte er. Sie würden nach Indien und den nahen Osten Exportieren. Dann auch die vielen Fruchtsäfte, dazu die Apfelerzeugnisse in den Gebäcken auch Geeliermittel: Eigentlich hätten sie zu wenig. Dieses Jahr ist die Ernte nicht unbedingt zum direkt verzehr: im Frühjahr wars kurz Kalt, jetzt hätten sie einen leichten Rostschaden, aber für Saft und das was gebraucht wird würde es alleweil reichen. Ich schaue mich nun noch mehr um: Die Bäume, oder eben die Zweige sind rappelvoll mit grossen, leckeren Aepfel.
Dass uns in jedem Dorf die Leute darauf aufmerksam machen, wir sollten die Esel nicht am Rand der Obstplantagen fressen lassen, weil da arg mit Chemie gespritzt wurde macht mich nachdenklich, über den Segen einer solche immensen Monokultur.
Bei einem Ausblick über das obere Vinschgautal hinunter wo wir her kamen ist von links nach rechts des Tales alles mit Apfelbäumen gemustert. Kein Fleck vom ehemaligen lieblichen Tal ist zu sehen. Keine Wiesen, kein Felder nur Äpfel. Wenn nun unsere Kultur zu Ende ginge? Was würde mit diesen Kulturen geschehen? Alle Zweige, die jeder einen Baum bildet ist ja abgeschnitten von einem Urbaum…Würden sie zusammenwachsen zu einem riesigen Apfelbaum? Wenn in tausend Jahren hier Menschen leben werden, leben sie dann in diesem riesigen Baum? Einem tausendjährigen Apfelbaum? Ein Baum von Bozen bis Meran, der die Höhen überragt, dessen Aeste so breit wie eine Strasse die Etsch überqueren und Brücken von Hügel zu Hügel spannen? Dann würden die Menschen in diesem Baum leben, ihre Häuser in den Zweigen bauen und nicht wissen wem sie das zu verdanken haben?

Klipp, klipp, Penchos Hufe, klipp, klipp, tragen mich durch diese Gedanken. Am späten Nachmittag erreichen wir Glurns. Eine Grenzstadt. Bis zur Schweizer Grenze sind es noch 10 Km. Hier lebt man in den alten Gemäuern der Eingrenzung und des Schutzes von einfallenden wilden Horden über den Rechenpass oder dem venetischen Reich im Süden. Ein steinerner Apfelbaum, so zu sagen. Wehrtürme, Wehrmauern, mittelalterliche Häuser durch ein enges Tor zu erreichen mit einer Altstadt die von staunenden Touristen lebt und die Bewohner diese diesbezüglich pflegen und mit der Geschichte ihre eigentliche Berechtigung manifestieren.
Das Abendlicht ist nett, die Strasse auf der wir gehen nicht. Elizardo und ich sind uns nicht einig. Für mich geht der Weg für uns unter der Strasse durch, an der Etsch entlang im langen Bogen in Richtung Traufers. Er meint, nein davorne auf der Staatstrasse ist ebenfalls ein Abzweiger steht auf Google. Er hat sowieso die bessere App. Zu 99.9% so meint er können wir da runter. Also nochmals Leuchtwesten anziehen und uns dem Verkehrt stellen. Nach 1km sehen wir, das App hatte wirklich zu 99.9% recht. Nur für die Restlichen 0.1% hat so ein Depp eine Leitplanke über den Abzweiger gebaut.  
No way.
Nach meiner Schimpftirade ist Elizardo für eine halbe Stunde still. Endlich finden wir eine Lücke in den Leitplanken und gehen die steile Böschung abwärts und landen in der Flussebene. Es ist Zeit für ein Nachtlager, aber hier ist es ungemütlich. Wir ziehen wieder auf dem Radweg aufwärts, nun dem Rambach, dem Rio Ramm folgend in Richtung Schweizer Grenze. Wir müssen nach Taufers, da ist die Zollagentur, die uns die Papiere ausstellen kann für den Zoll. Ich habe immer noch die slowenischen Ausreisepapiere, aber die waren damals ja nur acht Stunden gültig. Alle Impfungen für ein Jahr sind gemacht, die Blutanalyse auch, aber ob es reichen wird? Brauchen wir nochmals den Tierarzt? Ich rechne mit 4 Tagen am Zoll bis wir durch können.
Ein anderes Problem sind die Kontingente für die Einfuhr für Equiden. Also alle Tiere die ähnlich wie Pferde sind.
Eine Episode am Rande: Als ich jemandem erzählte ich hätte die Esel in Slowenien gekauft, wurde ich belehrt, dass ich mit absolutgrenzender Sicherheit beschissen worden sei. Wahrscheinlich wären das keine echten Esel – welche Mischung entzog sich seiner Hellsichtigkeit – aber Esel und mit diesem Alter: NIEMALS. Nach Minuten der unglaublichsten Betrügerstorys war ich froh, dass ich die Esel an keinem Strand gekauft hatte… wer weis, beim ersten Regen ginge die Farbe ab und ich hätte Zebras!
Diese Antwort führt dazu das ich ein Stronzo war und einer weiteren Diskussion nicht würdig.
Zurück zum Zoll, auch Zebras sind Equiden, aber so viel Probleme will ich gar nicht haben. Endlich an unserem Lagerplatz (ideal für Bären), mitten im Wald zwischen Glurns und Traufers, suche ich die Papiere hervor. In meinem schwachen Internet suche ich die Zollbedingungen nochmals hervor.
Wir gehabt es gibt ein Kontingent von 3000 Equiden im Jahr. Vor einer Woche waren noch 40 Kontingente frei. Das heisst jedes Tier das über den Zoll kommt, wird mit 1 Schweizer Franken verzollt. Ist das Kontingent erschöpft kostet ein Tier 2500 Schweizer Franken Zoll. Es kommt aber auf die Stockhöhe an, also Schulterhöhe. Je kleiner desto günstiger. Vor einer Woche wie gesagt 40 Kontingente, heute Abend 0. Zero, gar nichts.
Also Bären Ahoi: Unsere letzte Nacht in Italien.
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Falls jemand irgendwann im Vinschgau den Radweg benutzt: hier ist die Wirtin meines Herzens!

An der Etsch. Abseits von Apfel und Auto.

Dienstag, 11. September 2018
Elizardo ist aus dem Heimaturlaub zurück und morgens satteln wir die Esel. Wir sind umringt von neugierigen Hotelgästen und zum Schluss gibt es noch ein Fotoshooting für alle.
Im Vinschgau wird vorwiegend Deutsch gesprochen, kommen wir nur langsam vorwärts, weil wir jetzt besser Antworten können wenn wir gefragt werden.
Der Weg ist angenehm nicht zu steil, allerdings alles Asphalt, an der Etsch entlang aufwärts richtig idyllisch. Hinter mir gehen Bobek und Elizardo, beide nicht ganz fit. Bobek hustet ist völlig neben der Spur. Ich fürchte er wird nun ganz krank. Schon seit er dauernd Aepfel isst geht es ihm schlecht, nun bekommt er von mir ein Apfelverbot!
Elizardo ist auch noch müde vom Wochenende und so schliessen sie sich zusammen und um 14h ist Schluss mit gehen. Wir lassen uns an einem schönen Platz an der Etsch nieder. Nach und nach geht es Bobek besser er mag noch nicht fressen und schlägt sich mit der Schnauze dauern an den Bauch. Die Birnen von gestern waren wohl schon angegärt und er war noch immer betrunken!
Ich geniesse die Zeit am Fluss. Einfach nur dem Wasser zu schauen:
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Da kommt mir in den Sinn
Das ist die Etsch
Da ist der Inn schon drin

Ich muss über mich selber lachen: Das ohne  Schnapsbirnen!



Das Vinschgau ein Eldorado für Fahrradfahrer. Von Bozen bis Mals gibt es eine Strasse nur für Fahrräder und für Esel.

Montag, 10. September 2018
In Kastelbell mitten im Vinschgau verabschiede ich mich von Marianne und Philipp. Die Woche mit ihnen war spannend und ich bin erstaunt, begeistert und erfreut wie Philipp diese Tage gemeistert hat. Wir wussten morgens nie genau wo wir abends sein würden, geschweige denn wo der Schlafplatz sein sollte, wie die Gegend sein wird, welche Voraussetzungen wir antreffen werden und so weiter. Zudem waren wir immer Mittelpunkt, sobald irgendwelche Leute uns sichteten und uns mit Fragen bestürmten. Wenn viele Leute waren, kam es auch vor, dass Philipp geduldig und kompetent die Fragen beantworteten.
Irgendwo auf einem Dorfplatz, mir war nach Kaffee und Gipfeli, hatte auch Elizardo genug und legte seinen Hut vor die Esel. Und tatsächlich warfen Leute Geld hinein. Als wir gefragt wurden ob man ein Foto von uns machen dürfe, sagten wir: «Gegen 1 Euro immer!» Auch das funktionierte und an diesem Tag bemerkten wir: würden wir für jedes Foto ein Euro verlangen – wir wären schon lange reich!
Hier in Kastelbell haben wir uns im Hotel Bauhof einquartiert: die Esel durften sofort den Hotelrasen mähen. Mir ist dabei nicht so wohl, sieht es doch eher nach vertikutieren als gepflegtem mähen aus. Zudem muss ich noch den Mist entfernen, so nah am Pool ist das nicht so attraktiv.
Die Hotelbesitzerin sucht einen neuen Platz für die Tiere und findet ihn bei einem Onkel, das ist gleich über die Strasse. Er hat zwar viel Gras hinterm Haus, aber auch viel Obstbäume. Bei der Spaliernutzung sind diese Hochstammbäumchen eher zu arbeitsintensiv und sie werden mehr nur zur Freude gehalten. Die Esel fressen alles; von Disteln über Melden bis zu Obstbäumen einfach alles. Bobek hat sowieso schon seit Tagen husten, ich vermute wegen den vielen Aepfeln die er bekommen hat und Pencho frisst mit vorliebe auch noch die Rinden an den Bäumen.
So kommt es wie es kommen muss, Bobek frisst die für die Brennerei bereitgelegten Birnen und Pencho die Marillenbäumchen. Der Onkel ist untröstlich. Ich kann das verstehen, er hat noch andere Zeiten durchlebt, wo ein Apfelzweig noch über Hunger oder nicht entschieden hat. Seine Schwester, die Mutter der Hotelbesitzerin erzählt mir, dass sie mit ihrem Mann das Hotel aufgebaut hat und wie sie noch ein Kind war und auf italienisch eingeschult wurde der Vater totunglücklich war. Er war noch ein Soldat der K.u.K. Monarchie und hatte an der Ostfront im ersten Weltkrieg gedient und nun unter Mussolini durften man auf der Strasse kein Wort deutsch mehr sprechen. Die jüngere Generation sah den Schaden in der Obstplantage etwas lockerer. Aber mit dieser Geschichte im Hintergrund war mir das alles schon nicht mehr so recht.
Es sollte ein Tag Entspannung sein, aber für mich war es eher stressig. Karin die Besitzerin vom Hotel war aber nach wie vor den Eseln angetan und spendete uns 10% der Rechnung für unsere Wanderung! Danke!
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Urlaub gegen Hand, einmal anders...

Mariannes und Phillipps Woche

Seit ich weis, dass Alice diese Tour plant, habe ich mit dem Gedanken gespielt, dass es toll wäre sie ein Stück zu begleiten. Als ich Philipp meinen Sohn 14 jährig mit Asperger Syndrom in den Sommerferien fragte: ob er mit mir zusammen mitkommen würde? Antwortet er mir: wieso nicht. Also ging die Planung los!

Am Montag 3.9. ist es soweit, unsere Reise geht in Bern los. Beat vom Kerbholz fährt uns mit dem Auto nach Bolzano ins Südtirol. Dort wollen wir Alice, Elizardo und die beiden Esel treffen. Die Taschen sind gepackt. Haben wir wohl das richtige dabei? Und auch nicht zu viel für die Esel? Nach ca. 6 1/2 Stunden finden wir die Crew dank moderner Technik via Standort teilen von whatsApp, auf anhieb am Lido in Bolzano. Freudig begrüssen wir uns und ehe wir uns lange unterhalten, haben wir schon die Eselstricke in der Hand und laufen Richtung Meran aus der Stadt heraus. Elizardo und Beat fahren mit dem Auto, um einen geeigneten Schlafplatz zu suchen. Alice, Philipp und ich marschieren los. Überall schauen die Menschen klein und gross. Und die Frage: von wo, wohin, wie lange, wie viele Km, wieso,werden uns in den folgenden Tagen immer wieder beschäftigen.

In der Stadt sind alle Herbergen voll besetzt, so entscheiden wir uns im freien zu übernachten. Doch auch ausserhalb der Stadt zwischen den Millionen von Apfelbäumen ist es nicht so einfach ein geeigneter Ort zu finden. So schlafen wir dann unsere erste Nacht nur 100 Meter neben der Autobahn zwischen den Apfelreihen, der Plantagen. Ein Luxus haben wir jedoch, eine Autobahnraststätte ist gleich nebenan, wo es Kaffe und Gipfeli gibt.

Die nächsten 2 Tage geht es von grünen zu roten Apfel Schritt für Schritt im Tempo der Esel weiter. Wir durchqueren mehrere kleine Dörfer und meist auf dem Kirchplatz kommen die bekannten Fragen: Woher,.

Philipp macht sehr gut mit. Ich denke auch dank der sehr ruhigen Atmosphäre von Alice und den Eseln. Haben die Tiere Hunger, lassen wir sie grasen und gönnen uns auch eine Pause. Kommt ein Kaffee oder ein Gasthaus, stillen wir unseren Hunger.

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Im 2. Nachtlager kochen wir Essen auf dem Feuer, alle sind zufrieden. Nur Bobek hatte wohl zu wenig z Nacht bekommen und isst in der Nacht ein ganzer Sack Apfelvorrat auf! Die Apfel haben wir von einer älteren Frau geschenkt bekommen extra für die Esel. Viele ältere Menschen fühlen sich in frühere Zeiten versetzt, wenn sie uns mit den Eseln sehen. Oft haben sie früher auch noch mit Eseln gearbeitet.

Am 3. Tag laufen wir weit und es kommt kein geeigneter Platz zum übernachten. Philipp mag auch nicht mehr. Wir halten bei einem Brunnen mit Madonna Figur und beraten uns. Oberhalb ist eine Weide mit Pferden. Doch wem gehören diese. Alice macht sich auf die suche. Da kommt ein Apfelbauer mit Traktor, ich halte ihn an und frage nach. Er beginnt zu telefonieren. So ergibt sich, dass die Esel in einer Weide neben den Pferden bleiben können und wir daneben unser Zelt aufstellen. Für die folgenden 2 Nächte haben wir eine Ferienwohnung in Maling gebucht. In unserem Nachtlager merken wir, dass wir bereits fast da sind, nur 1km daneben. Alice verhandelt, so können die Esel bis Samstag morgen auf der Weide bleiben und wir beziehen unsere Ferienwohnung, mit Dusche! Alice ist glücklich. Sie und die Esel brauchen nach den Anstrengungen der Dolomiten eine Pause mit Dusch und Waschmöglichkeit.

Wir bringen Elizardo zum Bahnhof, der geht übers Wochenende nach Hause und kommt dann am Montag wieder. Die Stadt ist für Philipp eine grosse Herausforderung. Es hat zu viele Leute, zu viele Strassen,. von allem zu viel. Auf der Suche nach einem Lebensmittelladen, geht für ihn gerade nichts mehr. Er sagt selber sein Kopf platze gleich und er wolle nur noch weg von hier. So gehen wir auf den Bus zurück und Alice geht alleine einkaufen.

Am Tag danach lassen wir es uns in der Therme von Meran gutgehen. Es ist eine grosse schöne Anlage innen und aussen, mit warmen Pools zum verweilen.

Am Samstag morgen, sind wir voller Tatendrang, satteln die Esel und weiter geht es nun Richtung Mals durchs Vinschgau. Weiter durch die Apfel rote, grüne, rote,.

Mit jedem Tag mehr, habe ich den Eindruck mit den Eseln eins zu werden. Ich vergesse die Zeit, der Ablauf wird von den Eseln bestimmt und dies ist gut so. Sogar Philipp kann damit umgehen, was eine grosse Leistung für ihn ist. Da er doch zu Hause sehr auf die Essenszeiten fixiert ist. Auch sonst hat er keine Berührungsängste mit den Eseln, am morgen begrüsst er sie liebevoll, ist sogar bereit sie zu striegeln, während dem wandern spricht er manchmal mit ihnen, treibt sie an, füttert Karotten und führt sie Strecken weise am Strick. Für mich berührend dies zu sehen, einfach nur toll. An diesem Tag finden wir auch einen wunderschönen Nachtplatz, neben einem Bach, der in einen kleinen See mündet. Philipp meint hier könnte er auch länger bleiben!

Auf dem Feuer kochen wir Teigwaren mit Sauce, einfach lecker. Einmal mehr hören wir das Geräusch der Esel beim Gras fressen. Gut ausgeschlafen starten wir unseren letzten Wandertag. Entlang der Etsch weiter über den Radweg Richtung Mals. Die Esel sind müde, brauchen immer wieder Rast. Benjo blutet an einem der vorderen Innenknöchel. Wahrscheinlich schlägt er die Gelenke aneinander beim Gehen wenn er müde wird. So entscheidet Alice für den morgigen Tag wieder eine Ruhepause einzulegen. Wir suchen ein Hotel für die Nacht und finden eines in Kastellbell wo sogar die Esel willkommen sind. Sie dürfen auf dem Spielplatz über Nacht grasen. Wir geniessen eine Dusche und danach das feine Nachtessen. Heute sind wir 22 km gewandert!

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Am 10.9. heisst es für uns packen und verabschieden. Dabei darf ein Foto mit den Eseln nicht fehlen. Wir werden sie vermissen, diese gutmütigen, lieben Tiere. Und auch Alice wird uns in bester Erinnerung bleiben, mit ihrer ruhigen Art, ihrem grossen Wissen und ihren Sprüchen und Witzen die uns immer wieder zum lachen bringen. Auch Elizardo mit seiner Energie und Hilfsbereiten Art.

Philipp ist happy nach Hause zu seinem Bruder zu können. Ich könnte mir gut vorstellen noch weiter zu laufen, was mich tröstet ist, dass die Esel nun nicht mehr so viel Gepäck tragen müssen! Unsere Heimreise geht mit dem Zug nach Mals, mit dem Postauto über den Ofenpass nach Zernez und dem Zug nach Bern.

Liebe Alice, lieber Elizardo, lieber Benjo und Bobek ganz herzlichen Dank für diese wunderbare Erfahrung!

Böse Überraschung: in der Nacht wurde die Brücke weggespühlt

Montag, 3. August 2018
Bis Bozen sind es noch 15km. Wir müssen wieder hinauf weil unten im Tal die Strasse gesperrt sei. Sagt der Wirt. Das heisst 21km bis Bozen. 5 Stunden für uns, das ist machbar. Wird streng aber meine Hexenschuss hat sich wieder etwas gelegt. Damit wir hinauf nach Gummers kommen, müssen wir erst noch das Tal hinaus und dann beim Restaurant Sonne nach oben. Wir kommen gut voran, bis wir an einem Bach stehen: in der Nacht hat es die Brücke weggeschwemmt. Es liegen riesige Tannen unten im Fluss der Bach selber ist nicht mehr sehr stark, aber es ist mindestens 20 Meter alles verschlammt und weggespült.  Wir sehen, dass eine Furt entstanden ist und ich gehe mit Pencho voraus. Er zögert erst folgt mir dann. Ich rutsche er auch, aber wir schaffen es durch den Schlamm und sehen am anderen Ufer schon etwas verdreckt aus. Bobek will nicht von Elizardo geführt werden er rennt mehr oder weniger Pencho nach, rutsch auch, versinkt hinten links fängt sich wieder und zieht den armen Elizardo richtig gehend durch den Schmutz. Am anderen Ufer lachen wir uns fast krumm, wir sehen alle aus wie Sau. Elizardo am schlimmsten. Aauf uns wartet, so zu sagen als Belohnung, ein wunderschönes Tal. Ich gehe davon aus, dass wir den Teil, der gesperrt war hinter uns haben.
Auf der Karte sind noch Galerien und Tunnels eingezeichnet. Unter den Galerien gehen wir durch, der Tunnel muss weiter unten sein. Dort ist eine Fahrstrasse über dem Tunnel angezeichnet, aber mit einem Fahrverbot Schild. Das ist gut, dann sind keine Fahrzeuge, die uns stören! Irgendwann kommt ein Fischteich und ein dazugehörendes Restaurant. Hunger haben wir beide und ich bestelle eine Forelle Müllerinnen Art. Der Wirt kommt aber gleich heraus und rät mir von der Müllerin ab, ich solle die auf dem Grill nehmen, weil die andere die Müllerin sei nur von alten Frauen gefragt und viel zu sehr durchgekocht. Der Tag hat ja lustige Sachen auf Lager.
Auf den Fisch warten wir dann doch fast eine Stunde, er ist wohl dem Grillmeister davon geschwommen… und durchgekocht war er auch, gerade richtig für mich alte Frau. Wir können uns das lästern nicht verkneifen, dafür müssen wir dann auch lange auf die Rechnung warten. Wir haben so fast zwei Stunden vertrödelt und finden uns dann auf der Staatstrasse wieder. Zwei Kilometer sagt die Karte, also eine halbe Stunde im Mittagsverkehr.
Dann Baustelle, Abzweiger nach oben finden wir nicht, dann musst das die Strasse über dem Tunnel sein? Wir schimpfen über die unexakten Karten, auch Google schweigt sich aus. Dann  stehen wir vor eine Galerie, die nach ca 100 Meter in einen Tunnel mündet. DER Tunnel. 5,3 km lang mit einer Unterbrechung. Wir sehen in der Gallerie, die Strasse die uns die Karte verheissen hat. Wir ziehen uns für die paar Meter nun doch noch die Leuchtwesen an, beleuchten uns und die Esel und gehen wacker, auf der Gegenfahrbahn auf den Abzweiger zu.
Böses erwachen, das ist DIE gesperrte Strasse. Mit Gitter und Schloss und no way und so.
Zurück können wir fast nicht mehr, weil aufwärts sind noch gefährlichere Kurven zu meistern als Abwärts schon waren. Im Tunnel sehen wir so was wie ein Gehsteig und beschliessen auf der Gegenfahrbahn auf diesem den Tunnel zu durchqueren. Wir rechnen mit 75 Minuten. Schon nach kurzer Zeit versiegt der Verkehrsstrom. Man hat uns wohl über Kamera entdeckt und den Tunnel gesperrt. Tatsächlich fährt uns kurz danach die Polizei nach. Sie warten auf der anderen Seite bei einer Einbuchtung auf uns. Dort winken sie uns weiter, geben Zeichen alles sei gut. Dann fahren sie zur nächsten Ausbuchtung.
Gut ist anders, aber was solls wir steckten im Schlammassel oder eben im Tunnel.
Der Verkehr rollt wieder.
In Gedanken höre ich schon die Radiodurchsage: Radio Bozen: Im Tunnel im Eggental zwei Verrückte, total verschmutzte Gestalten mit ebenso verdreckten Eseln auf der Gegenfahrbahn…
Bei der Galerie in der Mitte des Tunnels wartet dann einer der Polizisten auf uns. Ich habe gehofft hier den Tunnel verlassen zu können und die vorher gesperrte Strasse hier offen zu finden. Nichts da, sagt der Gesetzeshüter, wir müssen durch den Rest auch noch.
Eine halbe Stunde am Ende des Tunnels – wir sind in Bozen! – fischen sie uns dann von der Fahrbahn.
Autos fahren langsam vorbei, Leute rufen und johlen, einige rufen ob wir zu schnell gewesen wären…
Auf jeden Fall werden wir gründlich ausgefragt, die Personalien aufgenommen und für die Wache wird noch ein Selfie mit Esel und den dazugehörenden Spinnern geschossen. Busse kriegen wir keine, dafür waren wir wohl zu originell.
Wir auch immer wir waren in Bozen. Rechtzeitig. Beat simst mir sie wären in Insbruck, wo wir seien und wo wir uns treffen könnten. Vom netten Polizisten habe ich erfahren, dass es einen Radweg rings um Bozen gibt, der dann das ganze Vinschgautal bis Mals führt. Wir zuckeln langsam dem Fluss um Bozen, dem Eissack, entlang in Richtung Lido, dort wollen wir uns treffen. Es ist nun schön warm und nach und nach blättert der getrocknete Schlamm von uns vieren ab. Es gibt Momente, da frage ich mich, was unsere Esel, falls sie denken könnten wohl von uns halten.

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Bozen: Halbzeit.


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Abstieg vom Karrerpass. Regentauglich, aber es wird doch noch schön

Sonntag, 2. September 2018
Die Hexe ist zurück. Das Bett war wohl zu weich. Wir sind im zweiten Stock ohne Lift und Elizardo muss mein Gepäck runter schleppen. Mich schmerzt jeder Schritt und auf dem breiten Flur lege ich mich auf den Teppich und mache ein paar Übungen.
Langsam geht es besser. Wir wollen so weit wie möglich nach Bozen, wir haben nur noch zwei Tag bis wir unsere Gäste treffen. Der Junge den wir nächste Woche zu Besuch haben ist nicht trainiert und ihm würden die Anstrengungen in den Dolomiten die Freude gründlich verderben.
Es hat wieder geregnet aber nun scheint es vorbei zu sein. Aber es hat Nebel. Die Motorradfahrer machen sich auch bereit. Entweder um ihre Maschinen zu verladen und das schöne Wetter anderswo zu suchen oder sich dem Wetter zu stellen. Wir stellen uns dem Wetter auf jeden Fall und nehmen wieder eine Bergstrasse abwärts ins Eggertal
Der Regen hört auf, aber wir sind alle Müde, auch die Esel haben zu wenig geschlafen so scheint es. Schon bald fangen wir an ein Hotel zu suchen, aber alle sind voll. Wir gehen Abwärts und Abwärts, niemand hat ein Zimmer frei. Viele haben Ferienwohnungen und vermieten nicht für eine Nacht.
Die mein Rücken drängt auch nach einem Bett und ich überlege mir eine Ferienwohnung für zwei Nächte zu buchen und Beat und unsere Gäste dorthin zu beordern. Aber auch das scheitert am Vorhandensein einer freien Behausung. Erst weit unten im Tal finden wir an der befahrenen Strasse ein Gasthaus, ein umtriebiger Wird, der sogar eine Wiese hat und uns alles zur Verfügung stellt. Die Sonne war zwar da, aber feucht ist es immer noch und mich ruft schon bald das warme Bett. Noch beim einschlafen höre ich ein rauschen. Der Verkehr kann es nicht sein, es muss in strömen Regnen. Soll es doch.

Vom San Pellegrino Pass auf den Karrerpass. Die Hexe im Rücken kichert...

Samstag, 1. September 2018
Es nieselt noch und Elizardo verpackt die Esel Christomässig mit unseren Planen. Es gibt auch abwärts gute Wege: Wanderwege meiden wir Grundsätzlich. Aber gute Bergstrassen, die auch so bezeichnet sind gibt es hier viele. Mittags sind wir kurz vor Moena. Wir können nun das Tal hinunter nach Cavales und kommen dann unter Bozen bei Kalterersee ins Tal. Oder wir gehen gleich nochmals  über einen Pass und sind dann im Eggertal und kommen nördlich von Bozen raus aus den Dolomiten.
Wir sehen auf der Karte einen guten Bergweg auf den Karrepass, da hat es wieder viele Hotels. Es regnet wieder und wir sehen, dass es gegen Abend nachlassen wird. Dann können wir wenn wir keinen Platz finden, entweder weiter nach Welschenhofen oder uns gut anziehen und nochmals biwakieren. Die Hexe hustet noch etwas, das Wellness hat ihr fast den Garaus gemacht. Aber beim Aufstieg merke ich sie immer wieder. Dann ist der Weg abgerissen, die Brücke weg, das  mitten im Wald. Nochmals zurück? Frust ist ein schlechter Begleiter. Elizardo sieht auf seinem Superapp, dass nicht weit über uns eine Bergstrasse sein muss. Also jagen wir die armen Tierchen durchs Unterholz steil nach oben und tatsächlich, hier ist sie! Eine breite Kiesstrasse, die direkt auf den Pass führt. Endlich drückt die Sonne wieder durch, jetzt zickt Bobek. Er legt sich dauernd hin, dadurch verschiebt sich sein Gepäck und wenn er aufsteht hängt alles an einer Seite.
Wieder alles entladen, Sattel richten. Beladen, 20 Meter gehen und er liegt wieder am Boden. Pencho geniesst es und schlägt sich den Bauch mit Waldkräutern voll. Kurz vor dem Pass sehen wir über uns ein Berghotel, ein Agroturismo. Wir schätzen dass es noch 100 Meter hoch geht. Agrarturismus finde ich gut, hoch gehen nicht. Elizardo geht es gleich und während wir uns beraten legt sich Bobek so lange wie er ist auf die Strasse. Na Bravo!
Der Pass ist nicht mehr weit und die Strasse relativ flach, also gehen wir dahin. Das erste Hotel ein riesen Kasten, Golf irgendwas, da lässt mich die Besitzerin vor der Türe stehen und schaut nach ob sie was frei hat. Heraus kommt sie allerdings nicht mehr. Wir ziehen zum nächsten, Wellness, aber nicht teuer: Zimmer ja, Esel nein. Cioa.
Es ist kalt und Neblig, wir gehen noch weiter, da ist ein Bikerlokal, Hotel Latemar, und da wird Zimmer und Eselfeld vom Besitzer persönlich generiert. Das letzte Zimmerchen, bekommen wir. Wir sind sogar bereit uns ein Bett zu teilen, heute waren es wieder 28 Km.
Beim Einchecken bemerke ich, dass ich meine Umhängetasche verloren habe. Im verlauf des Tages habe ich sie Pencho angehängt, weil sie mich beim ent- und beladen von Bobek gestört hat. Im Gepäck ist sie nicht, das durften wir in der Garage neben dem Noblen Motorrad des Hotelbesitzers lagern. Elizardo bezieht nun das Zimmer und ich gehe zurück. In den Hotels wo wir waren ist nichts und erst beim Abzweiger zum Agroturismus hängt sie an einem Wegweiser. Wahrscheinlich habe ich sie da verloren und jemand hat sie mir da netterweise angehängt! Danke dem Finder!
Der Tag ist gerettet: im Hotel sind alles Motorradfahrer und wir stellen fest wir haben keine PS sondern ES! Auf dem Parkplatz stehen blitzblank polierte Motorräder wie in einer Ausstellung. Einige haben ihre Lieblinge sogar auf einem Hänger dabei und fahren nur bei schönem Wetter.
Auf jeden Fall sind wir die Attraktion des Abends.




Beim Aufstieg auf den San Pellegrino kommt uns das Wasser wirklich entgegen, nicht nur im Bergbach...

Donnerstag, 30. August 2018
Es hat wie aus Kübeln geschüttet, die ganze Nacht. Den Rückenwärmer montiert, gut gefüttert, holen wir unsere Esel unter den Bäumen hervor. Sie haben gut gefressen und wir können sie nun gut beladen. Wir kommen auch gut vorwärts, wir können eine Seitenstrasse entlang bis zum Abzweiger nach San Pellegrino. Auch durch dieses Tal hat es einen guten Seitenweg und geniessen den Bergbach und die Natur. Kurz vor Foldo, dem letzten Austieg zum Pass, beginnt es zu tröpfeln und innerhalb von Minuten leert sich ein Unwetter über uns aus. Wir haben nicht einmal Zeit unsere Regensachen aus dem Gepäck zu ziehen, schon stehen wir in Sturzbächen die das Strässlein herunterkommen. Die Esel lassen die Ohren hängen, hätte ich so lange würde ich dasselbe tun.
In Foldo, stellen wir uns dann bei einem Caffe stinkfrech in der Gartenwirtschaft unter das Dach. Reklamtionen gibt es keine dafür warmen Tee und etwas zu essen.
Nach einer Stunde hellt es wieder auf, es ist 15h wir beschliessen den Pass noch zu nehmen. Auf dem Pass hat es um die sieben Hotels, da wird schon etwas für uns frei sein.
Aber das zieht sich hin, auf der Karte und im Internet zählen wir neun Serpentinen, aber es werden nach neun immer mehr und als wir die alle endlich hinter uns haben, ist ein langgezogenes Tal vor uns und weit und Breit kein Pass. Pencho zickt wieder zieht von einer Strassenseite zur Nächsten, ich habe die Kraft nicht mehr für ihn. Elizardo übernimmt ihn aber bei ihm benimmt er sich noch schlechter. Kurz vor dem Pass übernehme ich ihn wieder und erkläre ihm wie man Salami macht. Das hilft kurz, aber kaum kommt ein Auto stellt er sich quer auf die Strasse.
Als erstes entdecken wir das Chalet Isabella, da stehen wir gleich vor der Türe und fragen nach einer  Unterkunft. Es ist aber nur ein Restaurant. Der Besitzer fliegt beim Anblick der Esel fast auf den Rücken und verliebt sich augenblicklich – in die Esel. Er hat neben dem Chalet ein grosses nicht gemähtes Feld, das dürfen die Jungs gleich für sich haben. Aus der Küche ordert er Brot und Karotten für seine neuen Freunde, wir bekommen einen Kaffee. Ich darf mit in der Damentoilette beim Handföhn trocknen, alles ist klitschnass. Wir beschliessen mit den Eseln noch nach vorne auf den Pass zu gehen und dort ein Hotel zu beziehen, am liebsten eine Berghütte. Gibt es aber nicht. Die günstigen Zimmer sind alle vergeben. Wir fragen noch im Wellnesshotel nach, die Preise im Internet grausen mich zwar aber es fängt schon wieder an zu tröppeln. Entweder ich greife tief in meine Reisekasse, oder wir schlafen auf 1900 Meter in unserem lausigen Biwak. Ich frage nach ob sie noch günstigere Zimmer hätten und siehe, es ist Saisonende und die Zimmer sind nur noch ein drittel vom angeschriebenen Preis. Das ist noch günstiger als jedes Zimmer das wir bis anhin hatten! Morgen will es den ganzen Tag regnen, wir beschliessen bei diesem Glück gleich einen Ruhetag einzulegen. Zum Essen gehen wir zu unserem Eselfreund und pappsatt sinken wir in unsere noblen Betten.

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Freitag, 31. August 2018
Wellness, Pool, Dampfbad, ein Gang im Regen zu den Eseln und dem Restaurant; dort bekommen wir ob wir wollen oder nicht, die Getränke immer gratis. Wahrscheinlich hat der Wirt für diesen Tag mehr Karotten und Brot bestellt als üblich, wir finden ihn Eselfütternd auf dem Feld. Unsere Esel befinden sich im Paradies. So viel Gras und Leckereien, da macht der Regen schon kein Problem mehr.

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In meinem Zimmer herrsch derweil Chaos. Ich habe das ganze GEpäck auseinandergnommen damit die Sachen trocknen können.



Von nun an geht es Abwärts. Unten im Tal Alleghe

Mittwoch, 29 August 2018
Der Tag beginnt mit zwei Katastrophen: Elizardos Ladekabel für sein Mobile ist kaputt er hat kein Saft mehr und das bessere Googlemap als auf meinem, das dauernd spinnt und ich habe einen Hexenschuss!
Rick hat mir doch gesagt, wenn ein Problem ist, dann anrufen! Das Kabelproblem löst er subito, er steht fünf Minuten später vor der Türe mit einem neuen Kabel mit Stecker. Die Hexe werde ich wohl über den Berg tragen müssen. Der Pass ist zum Glück nicht mehr weit. Ein Stunde später haben wir ihn erreicht. Wir können eine Bergstrasse nehmen über einen anderen Pass um den Monte Civetta herum und dann hinunter nach Alleghe. Der Rücken zickt und Pencho auch. Elizardo ist frustriert, dass wir nicht besser vorwärts kommen, auf der schönen Schotterstrasse, ohne Autos. Nur ältere Wanderer mit Stöcken überholen uns fleissig und der Esel will einfach nur fressen und jeder Ruck Richtung Grasbüschel haut mir in den Rücken. Mit der Wärme und vielen Übungen lässt der Schmerz etwas nach. Elizardo treibt Pencho an und abends sind wir dann unten in Alleghe am See.
Eine angenehme Wanderung bei normalen Zuständen. Abwärts war einfacher als der Aufstieg und am See entlang ist alles schön flach. In Allerghe am See stürzt sich Elizardo in die erstbeste Apotheke und holt mir ein wärmendes Rückenpflaster – von seinem Taschengeld. Dazu eine teure Salbe die mir Linderung verschaffen soll. Schon der Akt alleine trägt zur Gesundung bei!
Aber Zimmer finden wir keins. Hotels sind nicht auf Eselreisende eingerichtet und die Suche nach einem Feld bedeutet Zuviel der Arbeit. Nach 18 km die sich anfühlen wie 40km sind wir alle viere auf den Hufen. Es gibt noch ein Wellnesshotel, das beachten wir nicht, aber den Campingplatz daneben schon. Auch da will man uns zwar eine Fläche vermieten, aber kein Feld zum Grasen
Ausserhalb in Richtung Agordo suchen wir uns einen Platz im Gebüsch. Aber überall blühen die Herbstzeitlosen und ich vermute, dass der Durchfall von Bobek von diesen kommt. Vergiften ist nicht das was ich den Eseln anbieten will. So gehen wir weiter, Kilometer um Kilometer. Für Autofahrer kein Problem, aber vier Kilometer sind, für uns vier, eine Stunde Fussmarsch.
Wir beschliessen, den Fluss noch zu überqueren und uns dann dort im Wald nieder zu lassen. Gleich nach der Brücke ist Soldo, ein kleines Dorf, Google sagt ohne Hotel, aber was sehen unser müden Auge, ein grosses Hotel mit Restaurant. Wir rennen so gut es geht hin. Es ist bereits 19h und wir sind hungrig und Müde. Im Hotel ist man nicht schlecht erstaunt über unseren Auftritt mit zwei Eseln. Bevor wir buchen können, wird erst ein Mal ausgiebig photogrpahiert. Zimmer haben sie und auch das grosse Feld ums Haus herum gehört dazu.

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Wir können uns einen Platz für die Tiere aussuchen. Wir checken erst Mal den Waldrand nach Herbstzeitlosen ab, dann binden wir unsere treuen Begleiter unter den Bäumen an, es will diese Nacht noch einmal regnen. Elizardo schleppt mein Gepäck mit hoch, und ermahnt mich, seine erstandenen Nierenwärmer ja anzuziehen.
Wir studieren nochmals die Karte und beschliessen nicht bis Agordo im Tal weiter zu gehen, sondern hinauf über den San Pellegrino nach Moena und von da nach Cavalese. Einen Pass müssen wir so oder so machen bis dorthin, aber über Argordo ist es ein grosser Umweg. Die Wirtin ist super nett, die Küche hervorragend und alle schauen im Fünfminutentakt nach den Eseln und berichten uns am Tisch alles sei in Ordnung. Es regnet nun heftig. Das Bett ist warm, das Pflaster auch. Ich schlage drei Kreuze, dass wir mit unserer falschen Ausrüstung nicht im Freien sind.
Beat hat sich gemeldet, dass eine Mutter und ein Kind ab Montag für eine Woche mitlaufen will. Er wird sie bringen, dorthin wo wir dann eben sind: Er bringt uns dafür bessere Ausrüstungen und nimmt mit zurück, was wir nicht mehr brauchen! Was für gute Aussichten! Wir rechnen die Kilometer und Höhen aus und sehen, dass wir bis Montag in Bozen sein können und wenn wir keinen Ruhetag einschalten, dann können wir Samstagabend dort sein und dann bis Montagabend Pause einlegen. Was für ein schöner Gedanke!
Bei Kilometer 28 schliesse ich die Augen.




Wo immer wir hinkommen, die Esel werden verwöhnt...sie mussten sogar in die Gartenwirtschaft.

Mittwoch, 28. August 2018
Elizardo hat dann seinen Spass am Morgen, mir von Kratzspuren eines Bären zu erzählen. Wir haben beide gefroren. Unsere Schlafsäcke sind nicht für kalte Bergnächte gedacht und wir haben beide schlecht geschlafen. Der Wanderweg hatte sich gestern als nicht begehbar erwiesen und wir sind umgedreht und wieder auf der Hauptstrasse. Wir sind etwas spät dran, zusammenpacken mit klammen Fingern und nichts im Magen ist zeitraubend. Endlich wird es warm und wir gehen los. Nach ungefähr 10 Minuten sind wir an einem grossen Campingplatz, an dem wir auch eine Kabine hätten mieten können. Dafür gibt’s aber ein gutes Frühstück für uns und viel Brot und Karotten aus der Küche für die Esel. Wir dürfen sie nicht auf dem Parkplatz anbinden sondern müssen sie auf geheiss des Chefs in die Gartenwirtschaft mitnehmen, dort hat es einen Brunnen und dort werden sie von Gästen und Person allen möglichen Selfiepositionen festgehalten betütelt. Wir beschliessen heute nur eine kleine Route zu nehmen. Forno di Zoldo hat es auch ein Campingplatz, hier bereits eine Kabine zu beziehen wäre auch möglich, aber mit zunehmender Wärme und Sättigung, kommt das Bedürfnis auch etwas weiter zu kommen. Wir können auf Anraten des Wirtes ruhig den Wanderweg nehmen, der wäre Einfach und überhaupt nicht gefährlich. Er sei breit und mit dem einem Fahrzeug befahrbar.
Dem schenken wir glauben und der Weg ist wirklich hübsch. Es hat einen Bach, mit einer Holzbrück, Pencho rutscht mit seinen Eisen darauf aus kann sich aber mit einem eleganten Sprung ans andere Ufer retten. Bobek geht lieber durchs Wasser und kommt hinterher. Das Gepäck hält und alleine das macht uns schon glücklich. Bei der nächsten Brücke, wird es kritisch. Auch sie ist nass und leicht abfallend. Ich gehe vor Pencho kommt nach, rutscht wieder und kann sich nicht mehr halten. Er rutsch mir entgegen, auch ich rutsche auf den nassen Planken komme aber drüben an, Pencho stürzt  über den Brückenrand der ohne Geländer ist! Es geht steil nach unten! Glück im Unglück er ist nach vorne gerutscht und mit seinen vorderen Beinen in einer Kuhle bei einem Gebüsch gelandet, die hinteren Hufe ohne Eisen sind noch auf der Brücke. Mir steht das Herz still, er schaut mich an und mit einem kräftigen Sprung ist er wieder auf dem Wanderweg und steht zitternd vor mir. Beide schnaufen wir durch. Ich kontrolliere seine  Beine: Er hat sich nirgends verletzt! Wir gehen ein paar Schritte weiter um Bobek und Elizardo Platz zu machen, die Beiden stehen noch auf der anderen Seite. Bobek geht auf den oberen Kanten der Planken rutscht auch etwas, aber kann sich gut halten und kommt unversehrt an. Für mich ist klar: Ende der Wanderwege!
Zurück können wir nicht, es gibt noch ein zwei heikle Stellen, wir entladen noch einmal, packen neu auf, entladen wieder. Risiko wollen wir keine mehr eingehen. Wir könnten bis Dont alles auf dem Wanderweg bleiben, aber wir gehen sobald wir die Möglichkeit haben zurück auf die Haupstrasse. Dont ist nicht so weit, dort gibt es eine Albergo und in der Eisdiele kurz davor organisiert man für uns Wiese und Bett. Aber leider ist das Albergo ausgebucht und auch die B&B sind gefüllt.
Jemand sagt, dass hinauf zum Pass Palafera noch ein paar Dörfer mit vielen Hotels kämen. Es ist ein wirklich schönes Wandergebiet – ohne Eseln.
Wir bleiben auf der Hauptstrasse auf der Gegenfahrbahn. Ausgerüstet mit Leuchtwesen für uns und die Esel. In einer gefährlichen Kurve, hält eine Jeep der von hinten kommt an und jemand fragt auf deutsch was wir hier tun. Lastwagen und Camper kreuzen gerade und ich mache Zeichen er solle weiter vorne warten. Das tut er kommt über die Strasse und stellt sich vor: Er wäre Rick und habe weiter oben am Pass eine Alm mit vielen Pferden. Wenn wir Hilfe bräuchten sollten wir ihn Anrufen. Er gibt mir die Nummer und auch eine Visitenkarte. Ein entgegenkommendes Auto hält es wird gehupt und Rick ist etwas berührt, es ist seine Frau, sie will wissen was er mit Frau und Eseln auf der Strasse zu hat.
Lachend ziehen wir weiter, Rick tut mir etwas Leid, was er ihr wohl erklären muss?
In Fuso finden wir auch kein Zimmer erst in Pianaz, fast auf dem Pass finden wir ein B&B und müssen uns ein Zimmer teilen. Die Esel können auf dem Hof bleiben, da hat es eine ungepflegte Wiese, also gerade das Richtige für die beiden.
Essen gibt’s dann halt erst zum Frühstück. Wir gehen hinauf ins Dorf – unglaublich, dass die Häuser da nicht runter rutschen. Wir brauchen fast eine Leiter so steil ist es. Aber da gibt es nur Hotels und die haben Restaurant nur für die Gäste. Blöd. Wir müssten wieder hinunter nach Fusio oder noch ein Kilometer hinauf. Wir gehen hinauf, da ist eine Pizzeria und wen treffen wir da an: Rick!
Seine Frau führt das Restaurant, er mit seinen Haflingern den Touristenzirkus!
Scheinbar hat er ihr die Situation gut erklärt, wir bestens bedient. Leider ist es schon wieder kalt und wir haben uns gerade etwas zu wenig warm angezogen für die 1500 Meter über Meer.

Ein schöner Schlafplatz.

Montag, 27. August 2018
Auch Elizardo hat gefroren. Wir schaffen es fast nicht unserer Sachen zu verpacken. Im Touristeninformationszentrum ist man auf Eselreisende nicht eingestellt. Die nette Dame ist überfordert und ruft alle möglichen Leute an um uns den Weg nach Bozen, aber vorerst nach Forno di Zoldo zu weisen. Es gibt viel Wanderwege, die als gut begehbar beschrieben sind, aber man rät uns davon ab. Es gibt neben der dicht befahrenen Staatstrasse eine Seitenstrasse die sollen wir nehmen. Den Weg über die Berg einen Pass nach nach Agordo ist auch möglich. Ich freue mich auf ein paar Tage im Gebirge und wenn es für die Esel geht ist alleweil entspannender als die Strasse. Wir biegen also irgendwann ab zu diesem Wanderweg. Es ist Mittag, die Esel wollen eine Pause und wir kochen uns etwas.
Ein Geländewagen hält an. Man will wissen woher und wohin. Es ist ein junger Bauer, von weiter oben. Er hat auch Pferde und rät uns von dem Weg ab. Er habe auch Mulis. Ich erkläre ihm, dass Esel geländegängiger seien als Pferde, frage ihn aber ob er dies seinen Mulis zumuten würde. Nein, würde er nicht. Er lebt schon seit jeher hier oben, also vertraue ich ihm und wir gehen zurück auf die Strasse.
29 km bis zum Staussee schaffen wir. Dann schlagen wir uns in die Büsche. Es ist 19h und die Sonne geht unter. Irgendwie habe ich mir die Dolomiten schöner vorgestellt als breite Staatstrassen. Der Verkehr hält sich in Grenzen, aber ich gehe mit Pencho vorne weg und muss jedes Auto aufmerksam machen und winken. Erst für langsameres Fahren dann danke und ciao. Viel winken zurück, hupen. Es ist eine langgezogen Linie, alle überfahren sie um uns Platz zu geben. Diese Aufmerksamkeit ist anstrengend vor allem weil Pencho hinter mir immer ausschert und in die Mitte der Fahrbahn will.
Normalerweise führe ich ihn links aber hier sind wir auf der Verkehrten Strassenseite und ich gehe rechts von ihm. Ich merke wie ich immer vorne weg gehe und ihn ziehe. Das ist unnötig. Wenn ich neben ihm gehe, habe ich besseren Kontakt und die Autofahrer sehen mich trotzdem.
Eine Übung in Gelassenheit. Piano, piano. Wir kommen nicht schneller an wenn ich Pencho ziehe, der sein Tempo geht. Wie ich nun so neben ihm gehe und seinen Tritt suche, geht er schneller und wir sind ein Team.  Klipp, klipp, seine Vorderhufe mit den Eisen. Es gibt ein Singsang und ich merke wie ich endlich nach Wochen loslasse…klipp, klipp.
Wir finden diesen schönen Platz mit Wiesen für die Esel und geschützten Waldrand für uns. Elizardo noch voller Energie rennt herum und macht ein Feuer. Mir reichts gerade noch um den Schlafplatz einzurichten und unser Gepäck zu zudenken, damit es Morgen nicht feucht ist. Das Feuer raucht über meinen Schlafplatz und Elizardo hat ein verrostetes Klappbett im Gebüsch gefunden und will einen Wärmespiegel für seinen Schlafplatz bauen. Die Sonne ist schon hinter den Bergen verschwunden, er rennt herum und reisst Gras ab, das den Protest der beiden Eseln auslöst. Irgendwann ist es ganz Dunkel, jetzt hat Elizardo die Taschenlampe zwischen den Zähnen die Stirnlampe ist irgendwo im Gepäck. Er rennt immer noch hin und her und wie er fertig ist und in den Schlafsack steigen will, brennt das nun ausgetrocknete Gras wie Zunder. Es raucht für vier Brände und fegt alles über mich hinweg. Wir müssen beide husten und lachen. Aber nun ist Ruhe. Bis auf den Wind und mein Kopf der anfängt zu drehen. Es gibt doch Bären hier? In Italien gibt es Bären. Hier ist ein Königreich  für Bären. Dazu friert mich. Ich schäle mich aus dem Schlafsack schaue nach den Eseln. Die würden doch nervös wenn sie einen Bären bemerkten. Aber der Wind kommt von oben, was wenn der Bär von unten kommt. Ich ziehe mir noch einige Kleider über und gehe wieder schlafen. Aber der Bär in meinem Kopf ist wach.
Rede ich ihn jetzt herbei? Spüre ich ihn etwa wie ich vor Jahren die Wölfe gespürt habe. Wieso denke ich pausenlos über Bären nach. Der Wind rüttelt an der Aussenhülle vom Schlafsack, der Bär von Val di  Zoldo an meinen Hirnwindungen.
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Die Nacht war esig Kalt. Wir beschliessen, jetzt die Berghütten oder Hotels zu benutzen. Wegen der Kälte nicht schlafen ist keine Option.

Zwei müde Wanderer kurz vor Longarone. Wir müssen noch eine Weide und einen Schlafplatz finden.

Sonntag, 26. August 2018
Frühstück um acht, aber im Restaurant ist schon Halligalli. Heute ist das Alpinfest und Männer mit Gamsfederhüten bevölkern den Vorplatz und die Innenräume. Es ist laut und zwischendurch übt noch ein Teil vom Blasorchester für die Messe oder anschliessendes Konzert.
Wir holen die Esel von der Weide, beladen sie im strömenden Regen. Sie jodeln mit den Männern um die Wette und um 11h ziehen wir los in Richtung Longarone über den Passo San Oswaldo.
Der Abschied von Aurora fällt mir etwas schwer. Wir haben uns gegenseitig ins Herz geschlossen und ich werde wohl wieder kommen. Danke Aurora!
Es hat wenig Verkehr, so beschliessen wir, die Wanderweg auszulassen und auf der Strasse zu bleiben. Bis Longarone unserem nächsten Ziel soll es nur 16km sein. Also für uns unterdessen nicht mehr so arg viel. Aurora hat erzählt, das im Tal auf der anderen Seite des Passes, 1963 ein grosser Felssturz war. Es hat ein Dorf mit 2000 Menschen mitgerissen. Schon von weitem sehen wir die Abrissstelle am Berg und in Erto machen wir halt. Eine einzige Osteria ist offen, das mitten in der Altstadt in den engen Gassen. Wir binden die Esel aussen am Zaun an und setzen uns in die Gartenwirtschaft. Der Regen hat aufgehört und es kommen die ersten Sonnenstrahlen, aber es immer noch kalt und wir geniessen eine warme Mahlzeit. Die Esel, jodeln wieder und alle Leute versammeln sich auf der Gasse, wollen photographieren, alles wissen. Zum Glück haben ein paar Leute von uns in der Zeitung gelesen und so erzählen sie es von sich aus. Aber irgendwann ist genug wir räumen das Feld und unter lautem Arrividerci von allen Seiten kehren wir dem Örtchen den Rücken.
Diga di Valon, heisst der Unglücksort und es hat Aussichtspunkte und Holzstege, Wurstbuden, Souvenirläden, Kletterer an den steilen Wänden und druseltausend Besucher. Auch hier wieder: «Asini, Asini! Bellisimi!»
«Un photo!»
Unsere Freunde und Helfer von Vorgestern, verteilen auf den nicht erlaubten Parkfeldern Knöllchen und nehmen uns auch gleich ins Visier. Wir müssen durch die Tunnel und Galerien. Dies ist durch Ampeln geregelt. Wir sind zum Glück ordnungsgemäss ausgerüstet, mit Warnwesten und beleuchteten Eseln. Dann werden wir instruiert wie wir durch den Tunnel dürfen. Ungefährlich ist es nicht. Es hat viel Motorradfahrer und die schneiden gerne die Kurven. Aber irgendwie übertreiben die beiden Ordnungshüter etwas die Führsorge um uns. Auf jeden Fall sind wir so was wie VIP’s und werden dementsprechend auf Facebook und Instagram gepostet und wahrscheinlich gut geliked.
Abends sind wir in Longarone. Endlich! Am Fluss in der Auenlandschaft richten wir unser Lager ein. Tagsüber haben wir auf den Gipfeln Schnee gesehen, der in der letzten Nacht gefallen ist. Es geht ein eisiger Wind. Der Scirocco zieht uns arg um die Ohren. Wir hängen unsere Hängematten auf, ich ziehe mir alles über was ich habe, drei Paar Socken und lege sogar die Liegematte in die Hängematte. Es hilft nichts ich friere wie selten. Stehe mehrmals in der Nacht auf um mich warm zu reiben und zu bewegen.


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Am Piave ist ein wunderschönes Auengebiet. Das Nachtlager ist zwar romantisch, aber der Scirocco ist auch da und der ist ein eisiger Gast.

Zum Abschied fast ein gutes Selfi: Ciao Aurora, ciao Cimolais e Valcellina

Samstag, 25. August 2018
Seit einem Monat, das erste Mal wieder in einem Bett. Welch eine Wohltat! Gründlich ausschlafen, dann das Dorf erkunden, einkaufen für die nächsten Tage. Esel besuchen, denen geht es prima. Sie stehen in einer Herde Schwarznasen Schafe und fühlen sich wohl.
Dann nochmals ins Bett, Blog nachführen. Schlafen.
Beim Spaziergang durchs Dorf haben wir vor der Kirche ein Festzelt entdeckt und freuen uns, dass am Abend ein Dorffest sein wird. Es regnet zwar den ganzen Tag, aber wir sind ja im trockenen.
Aber Abends, ist das Dorf so leergefegt wie nur möglich. Nix fest, also früh ins Bett. Morgen geht es weiter, es will aufklaren. In der Nacht gibt’s noch einmal ein heftiges Gewitter und ich geniesse nochmals das Bett.
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Danach ist das Val Valont, mit dem verschütteten Bergdorf und dahinter Longarone...

In Cimolais bei Aurora im Alla Roa

Freitag, 24. August 2018
Bei Tag und Tau stehen wir auf. Packen dauert zu lange, die Waage finde ich nicht mehr. Weiss nicht wo ich sie gestern Morgen eingesteckt habe, kann auch sein, dass sie noch an einem Haken oben im Berghaus hängt. Aber der Sattel von Bobek passt. Die beiden lassen sich wieder gut führen und wir kommen auf der Strasse gut voran. Im Dorf haben wir noch einen grossen Plan gesehen den haben wir photogrpahiert und nun wissen wir, dass bereits nach einem Kilometer eine Seitenstrasse fast die ganze Schlucht hinauf führt. Es kommen aber sehr viele Autos entgegen; einige zu schnell. Viele winken freundlich. Einer der nicht freundlich war hat scheinbar die Polizei angerufen, die fahren nämlich bald heran und weisen uns daraufhin, dass wir hier nicht gehen dürfen; wir würden den Verkehr behindern. Wir handeln aus dass wir bis zu dieser Seitenstrasse gehen dürfen, es sind nur noch 2km. Für uns noch eine halbe Stunde. Die Seitenstrasse erweist sich als Glücksfall, bis sie endet. Unten im Flussbett ist Ende Strasse. Es hat noch so was wie ein Weglein durchs Gestrüpp, dann ist nur noch das Kies und der kleine Bergfluss, der Mal breiter oder tiefer sich durch das Tal schlängelt. Irgendwann wird klar, dass wir entweder umdrehen müssen oder mit den Tieren durchs Wasser. Im Tagliamente war es nicht so tief, aber Pencho lässt sich gut im knöcheltiefen Wasser führen, dann wird es knietief, und weil es nicht so heftig zieht kommt er mit. Meine Schuhe sind triefnass. Ausziehen wollte ich sie nicht, dann hätte ich nicht nur auf den Esel sondern auch auf meine Füsse achten müssen. Im Gepäck hätte – hätte – ich Wandersandalen. Da hätten wir Bobek wieder entladen müssen, jetzt wo sein Gepäck sitzt. Etwas weiter sehen wir, dass wir den Hauptfluss überqueren müssen. Zuviel Strömung und zu tiefe sagt Pencho. Bobek geht mit Elizardo ruhig hinüber.
Weiter unten probieren wir es mit Pencho nochmals, dann geht es. Es fängt im Seichten an und geht in die grosse Strömung und ist fast Hufthoch für mich. Aber er kommt mit. Irgendwo lassen wir uns nieder trocknen die Schuhe und kochen Polenta. Die Esel Grasen auf einer kleinen Insel, die vom Hochwasser scheinbar nicht all zu oft berührt wird. Ab und zu fahren Kanus vorbei.
«Bravi, bravi. Bellisimi!»
Das gilt natürlich für die Esel nicht für uns.  Im Tal hinter uns zieht es zu und donnert schon heftig. Wir räumen zusammen und gehen weiter, doch immer wieder müssen wir den Fluss queren. Bis zu einer Brück wo wir wieder auf die obere Strasse, Staatstrasse, kommen. Wir könnten noch eine Zeitlang im Fluss gehen, aber die letzte Querung hat an meinen Kräften gezerrt. Hätte ich Pencho nicht am Seil festgehalten wäre die Strömung für mich zu stark gewesen. Es war die tiefste Stelle bis jetzt und ich bin bis über die Hüfte nass. Pencho hat mitten im Fluss die Führung übernommen und mich mit gezogen die Böschung hinauf ins trockene. Ich habe genug Fluss für heute. Zudem hat es überzogen und es wird kühl. Jetzt laufen die Tiere gut und wir verzichten darauf, das Gepäck zu Öffnen für trockene Kleider heraus zu nehmen.
Cimolais kommt näher, der Regen auch und mit den ersten Tropfen treffen wir vor der Albergo und und Trattoria Elo Rosa ein. Ich bin nudeldurch und merke, dass meine Batterien auch leer sind nicht nur die von meinem Handy. Ich gehe hinein und stelle mich auf ein schwieriges italienisches Gespräch ein, aber nein, im schönsten Zürideutsch kommt mir die Inhaberin, Aurora, entgegen. Sie ist in Zürich aufgewachsen. Mir wird es warm ums Herz und ich kann mein Wunsch auf zwei Nächte für mich und mein Helfer mitteilen. Zudem ein Platz für unsere Esel in dieser Zeit.
Aurora, macht sich ans telefonieren. Wir haben innert kurzer Zeit eine Weide bei einem Andrea, und zwei Zimmer bei Aurora. Abendessen inkl. wir müssen nicht einmal mehr die Nase vor die Tür halten wo es jetzt in Strömen regnet.



Barcis am Lago di Barcis im Valcellina: Eine Oase die zum Bleiben einlädt

Mittwoch, 22. August 2018
Obwohl gut geschlafen und mit der warmen Sonne aufgestanden, brauche ich lange mich zu sammeln. Zusammenräumen, Gepäck wägen, alles ist sehr schwierig und ich merke, dass meine Konzentration zu wünschen lässt. Am Wassermangel kann es nicht liegen, wir konnten unsere eigenen Tanks ja wieder füllen.
Bobeks Sattel zu richten habe ich auch vergessen und merke es erst wie wir unterwegs sind und sein Gepäck schon wieder schief hängt. Pencho ist guter dinge bei ihm ist alles in Ordnung. Es geht immer noch aufwärts. Auf dem Weg liegt Schotter und bei jedem Schritt rutscht man wieder etwas abwärts. Das geht in die Beine, aber nach einer Stunde sind wir auf dem Pass! Welch schöne Landschaft! Und auch das Gepäck hält nun besser, weil es durch eine sanfte Graslandschaft geht, leicht abwärts. Wir müssen jetzt 800 Meter abwärts. Es gibt einen Wanderweg, der geht direkt hinunter, aber auch eine Bergstrasse die maändert zwar, aber ist für die Tiere besser. Auf dem Pass lesen wir Bacis, 2,5 Stunden. Es ist neun Uhr wir sind guter Dinge und singen ein paar Lieder und lachen über die Texte.
Der Weg ist ohne Ende, so scheint es. Aus den versprochenen 2,5 Stunden werden 5 und wir sind noch nicht unten. Wir kreuzen wieder den Wanderweg. Elizardo hat genug und will direkt hinunter. Wir sind noch weit über dem See von Barcis und Bobek legt sich dauernd hin. Jetzt sind Eselführer und Esel missgestimmt. Ich traue den Abstieg den Tieren nicht zu und mir auch nicht. Elizardo ist sichtlich verstimmt. Und spricht nicht mehr mit mir. Also gehen wir weiter und weiter. Nach langer Zeit treffen wir wieder mit dem Wanderweg zusammen, der hier schön breit und angenehm aussieht.
Wir machen Pause, Wasser haben wir für uns dabei nicht für die Tiere. Den Wassersack habe ich geleert und entsorgt. Das tue ich Pencho nicht mehr an. Wenn wir im Tal sind gibt es genug Wasser für die Tiere. Und wir beschliessen wenn wir unten sind in einem Restaurant etwas zu essen und auch einen Tag Pause zu machen.
Elizardo ist wieder etwas zugänglicher aber meine Rede über Unfälle beim Abstieg, gerade wenn man genug hat und noch Abkürzen will gehen an ihm sichtlich vorbei. Aber alles hat ein Ende auch dieser Weg und wir kommen an den See und was noch besser ist zu einem Restaurant. Leider ist die Küche zu. Es hat viele Leute und wir binden unsere Esel an einem Baum neben der Gartenwirtschaft an. Es beginnt der übliche Wirbel um die Tiere. Wieder werden sie von allen Seiten abgelichtet. Unser Internetstars kümmerst nicht. Sie mümmeln das trockene Brot, das die Wirtin sofort bringt. Wir dürfen Wasser beim Brunnen nehmen alles kein Problem. Gestärkt wandern wir über die Seepromenade Barcis. Was für ein schönes Tal. Freundliche Menschen überall. Das Dorf, obwohl von der Strasse zerschnitten hat einen Dorfplatz einen kleinen Laden und viele kleine Geschäfte. Alles ist in einem guten Mass gebaut und wirkt dadurch sehr anheimelnd.
Etwas ausserhalb finden wir bei einem Picknickplatz eine Schlafgelegenheit am Wasser mit Gebüsch und Gras für die Tiere und Terrasse. Beim Abpacken verheddern sich meine Laschen von den Schuhbändern mit den Ösen an den Schuhen und ich kullere mit Gepäck rückwärts den Hang hinunter. Elizardo kommt gerannt, mir ist zum Glück nichts passiert, aber meine Gardinenpredigt von heute Nachmittag nehme ich nochmals hervor: Unfälle passieren immer dann wenn man sich nicht mehr in Gefahr wähnt. Elizardo’s Abend ist gerettet, er kann sich vor Lachen nicht mehr erholen.
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Donnerstag, 23. August 2018
Barcis, im Valcellina, ist eine Perle. Abends gabs noch ein Konzert auf dem Dorfplatz. Wir tanken Kraft und frisches Wasser. Elizardo geht schwimmen, ich bleibe bei den Tieren. Und schreibe endlich auf was wir alles erlebt haben. Wir haben ein riesendurcheinander mit dem Gepäck und irgendwann erinnere ich mich an Bobeks Sattel.
Es gibt keine wirklichen Wanderwege nach Longarone auf der Karte sehe ich dass es über die Strasse 44 km sind. Zuviel auf dieser Staatsstrasse. Aber in der Nacht haben wir bemerkt fährt fast niemand und auch jetzt tagsüber ist kein grosser Verkehr. Wir beschliessen morgen früh los zu gehen, damit wir vor den Autos bis nach Cimolais kommen.
Abends ist das Gepäck noch immer durcheinander. Wir gehen ins Dorf und essen an einer Strandbude kochen mag ich auch nicht. Jetzt sind es vier Wochen, dass ich unterwegs bin, Elizardo zwei, er hat noch keine Verschleisserscheinungen wie ich.





Fertig aus: Pencho streikt und gibt den sterbenden Schwan

Dienstag, 21. August 2018
Irgendwann in der Nacht müssen alle gegangen sein. Wir haben es nicht mitbekommen. Der Wecker klingelt schon vor Sonnenaufgang. Über uns der Himmel ist wolkenlos und es zeigt sich die ganze Sternenbracht, die nach und nach erlischt. Der Betonboden ist herrlich warm aber Ameisen treiben mich aus dem Schlafsack. Unser Gepäck, das wir im Dunkeln wahllos auseinandergenommen haben, sammeln wir geduldig zusammen. Satteln die Esel. Wir haben jetzt 15 Liter Wasser. Der Wassersack hat ein Loch. Abends hatten wir noch 20 Liter. Dann ist der Verlust nicht so gross. Pencho bekommt das Wasser aufgebuckelt und es aufwärts. Zuerst auf der Bergstrasse, die wir runter gekommen sind, dann über Almen, die zwar angeschrieben sind aber völlig überwachsen. Sie werden nicht mehr bewirtschaftet und es bilden sich Strauchwälder. Das ist gut für uns, so können wir lange im Schatten gehen. Bobek hat zwar weniger Gepäck aber der Sattel ist nicht fest und das führt dazu dass er sich nicht wohl fühlt und sobald wir halt machen um in die Karte zu sehen legt er sich hin. Dann verschiebt sich das Gepäck noch mehr. Beim aufstehen verschiebt sich der Sattel so heftig, dass wir ihn entladen müssen, den Sattel neu richten und wieder beladen. Pencho tropft. Das rütteln hat wohl die Löcher im Wassersack aktiviert. Der arme ist ganz nass und er zeigt, dass er das nicht mag. Das Wasser ausleeren getrauen wir uns nicht: Wir wissen nicht was vor uns kommt.
Der unwillige Esel bleibt immer wieder stehen, das Aufwärtsgehen wir so mühsam und geht in die Beine. Immer wieder streift das Gepäck an den Bäumen auch das frustriert Pencho immer mehr. Bei Bobek hängt immer alles schief und jetzt auch bei Pencho. Dann hat er genug und legt sich in einem flachen Stück einfach so lang er ist hin und legt den Kopf auf den Boden. Fertig aus, er gibt den toten Esel.
Es hat keinen Sinn so. Wir laden so weit ab wie es geht. Elizardo hat eine echte Kriese und nimmt die Liegematte und legt sich auch hin. Ich koche erst einmal Essen, den Tieren gebe ich den Rest Brot und Nüsse. Dafür steht Pencho wieder auf. Von den 15 Liter Wasser sind vielleicht noch 8 Liter da. Ärgerlich nicht nur für den Wasserträger.
Es ist halb drei nachmittags als wir wieder aufsatteln. Ich habe mich auch noch hingelegt und meditiert, wie wir das mit dem Gepäck besser hinbekommen.  Bei Bobek müssen die Gurten ebenfalls enger sein. Da werde ich am Abend den Sattel auseinandernehmen und noch Löcher in die Riemen stechen müssen. Nach kurzer Zeit kommen wir aus dem Wald auf Bergweiden und lassen die beiden etwas fressen. Penchos Gurten sind wegen der Nässe ebenfalls länger geworden. Ich spüre wie meine Kräfte schwinden. Nach oben sieht es so aus, als hätten wir die Hohe bald erreicht. Und wirklich der Ausblick über die ganze friaulische Ebene ist sagenhaft, aber oben sind wir nicht, erst bei der ersten Berghütte. Sie ist offen und es gibt Wasser und genügend Gras. Pencho versöhnt sich wieder mit mir. Wir sind beide echt müde. Elizardo erholt sich ebenfalls und abends weit über den Lichtern der Ebene lachen wir beide über uns und den sterbenden Schwan auf dem Waldweg.
In der Berghütte hätte es Pritschen zum Liegen, aber wir ziehen es vor draussen und den Sternen zu schlafen. Wie herrlich!


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Am Ende schaffen wir es doch. Die Schutzhütte ist für uns alleine..
Pencho

Erst einmal ausgepüxt, dann keine Lust auf Wanderung. "Wo bleiben die Möhren?"

Montag, 21. August 2018
Wir haben drei Möglichkeiten nach Barcis zu kommen, das nächste Etappenziel in Richtung Longarone in den Dolomiten. Die erste ist über eine stark befahrene Strasse mit langen Gallerien, durch das Valcellina, oder zurück nach Maniago und über einen Berg und durch das hinter Tal nach Andreis und dann runter nach Barcis. Auch eine Asphaltstrasse und im hinteren Tal eine Hauptverkehrsstrasse. Oder wie gehen über Montereale und denn den Höhenwanderweg bis mindestens die hälfte des Tales, so dass wir die längste Gallerie von 5km nicht brauchen.
Wir entscheiden uns für diese Variante und überschreiten den Trockenenflusslauf, mit unglaublich grossen Steinen. Auch hier, die Esel tapfer dabei. Bobek liebt einfach Sand, da muss er sich mit samt Gepäck auch gleich hinlegen, sobald so eine Stelle auftaucht.
Die Esel hatten eine gute Nacht und viel fressen können. Es ist wie ein verlassenes Tal, voller Wiesen und ich will die Esel an der Weideleine noch etwas weiter grasen lassen. Beim umhängen trottet Pencho auf die Wiese hinaus ich denke gut so ich hole ihn wenn ich fertig bin. Bobek folgt ihm und schon sind sie auf dem Weg zurück den wir gestern Nacht gekommen sind. Ich bin noch Barfuss, Elizardo auch und bis wir unsere Schuhe gebunden haben sind die beiden nicht mehr zu sehen. Erst zwei Kilometer später in der Altstadt von Maniago können wir sie einholen. Was die beiden dazu veranlasst hat auszubüxen können wir nur erahnen. Wir haben einige Höfe passiert, wo schein bar noch Tiere gehalten wurden, kann sein, dass da eine Eselin oder eine Stute riechbar war.
In Montereale, ein wirklich hübsches Dörfchen finden wir eine Informationstafel, die einen Wanderweg bis in die Mitte des Tales verspricht. Also steigen wir auf, die Esel machen brav mit bis zu einer Stelle wo Pencho zwischen Fels und Handlauf mit seinem Gepäck stecken bleibt.
Wir schieben ihn wieder zurück, jetzt ist er etwas grantig und über einer Steilwand auf schmalen Pfad müssen wir ihn entladen. Ich schleppe schon Mal alles über den engen Pfad so weit, dass wir Schatten haben wenn wir drüben ankommen. Auch Bobek wird entladen, aber das Gepäck lassen wir noch hinter ihm. Dann, ja dann weigert Pencho sich auf Eselart die Stelle noch Mals zu versuchen. Karotten, Brot, gut Zureden, mit dem Stock drohen, nichts das ihn überzeugen kann. Elizardo bindet ihn so fest, dass er zwar vorwärts aber  nicht weiter zurück kann. Bobek binden wir am Sattel von Pencho an. Er geht sowieso dorthin wo Pencho ist. Was sehr praktisch ist wenn er sich hinlegt und wir mit Pencho weiter laufen, kommt er dann gleich an getrottet.
Auf dem schmalen Bergweg richten wir uns behaglich ein und kochen mit dem letzten Rest Wasser unser Mittagsmal. Laut Wanderwegansage haben wir noch drei Stunden bis zum Fluss, also kein Problem. Und siehe da, das auf dem Weg gelegte Brot überzeugt Pencho schliesslich doch noch die schmale Stelle zu überwinden. Nach dem Mittagessen, können wir die Tiere wieder beladen und den Aufstieg auf den Höhenweg weiter führen. Irgendwie stimmen die Zeitangaben bei den Wanderwegen nicht, nach drei Stunden sind wir noch nicht auf der angegebenen Höhe, geschweige denn unten im Fluss. Als wir den Höhenweg erreichen ist ein schmaler Pfad und unter uns, weit, weit unten das Tal. Und dann ein Übergang den die Tiere so noch nie gehabt haben. Ein Felsvorsprung sicher einen Meter tief mit nur minimalen Treppen Ausformung. Zurück können wir nicht, links ist es zu steil zum wenden und rechts der Abgrund, zwar mit Bäumen, aber nicht zu empfehlen.
Also Tiere entladen, Elizardo, ist schon etwas verstimmt, er wäre lieber über die Strasse, wenn notwendig in der Nacht wenn wenig Fahrzeuge unterwegs sind. Aber es hilft nichts, wir sind nun hier.
Mit Pencho gehe ich vor und er schafft es mit einem eleganten Sprung nach unten. Bobek wartet gar nicht erst dass Elizardo ihn führt und springt hinter her. Er scheint sowieso der mutigere von beiden. Er war auch der erste, der sich durch das Wasser traute.

Es ist nun schon spät, wir sind müde und durstig und noch lange nicht auf dem Abstieg. Auch verzweigt sich der Wanderweg und ich beisse mir in die Finger, dass ich den Plan nicht photographierte habe. Wir haben fast keine Netz, Google weiss zwar wo wir sind, hat aber keinen Wege eingetragen. Die Internetseite Outdooractive, hat zwar Wanderkarten, aber bis ich sie öffnen kann verstreicht die Zeit. Und hier wird ersichtlich der Wanderweg wird in der Schlucht enden und wir können nicht hinunter. Wir beraten nun was tun. Wir haben beim Aufstieg, eine Zeitlang, parallel zu uns eine Strasse gesehen. Ich bin dafür, zurück zu gehen und die Strasse weiter zugehen, da ist eine Kirche und dort gibt es sicher Wasser. Wir haben alle Durst.
Für Elizardo kommt umdrehen nicht in Frage, auch wenn es an dieser Stelle möglich wäre. Ein Wanderweg zeigt an, dass zu einem St. Cesaro es zwei Stunden dauert. Also nehmen wir den. Ein Ziel mit Namen ist besser eine Schlucht ohne Abstieg. Jetzt geht es wieder Berg hoch. Die Esel sind deutlich unmotiviert. Wir auch, aber ein Nachtlager hier aufstellen ohne Wasser macht kein Sinn.
Ich habe mich nun über Hunger, Kälte, renitente Esel und Müdigkeit beschwert; fehlt noch was: Durst.
Mein Mund trocknet aus und am Gesicht von Elizardo sehe ich, dass es ihm gleich geht. Dass die Esel durstig sind, sieht man an ihrem störrischen Gang an.  Vom vielen entladen und beladen haben sich die Sattelgurten gelöst und einmal hängt es bei Bobek schief, dann wieder bei Pencho. An einer Stelle wo etwas Gras wächst machen wir Pause. Von den zwei Stunden haben wir gerade eine halbe Stunde hinter uns. Der Durst wird unerträglich und wir sind beide ziemlich  unleidlich.
Nochmals Kartencheck. Ich habe kein Netz und vor allem kein Akku mehr. Das Ladegerät habe ich im Gepäck und ich müsste jetzt Pencho entladen. Elizardo, ist frustriert, er hat sein Handy verloren. Irgendwo in dieser halben Stunde. Es ist schon dämmrig, obwohl erst 17.30Uhr. Ein kühler Wind geht und derweil Elizardo den Weg hinunter geht, zupfe ich aus einem Seitenfach, den Militärregenmantel. Er ist ganz dünn hält aber den Wind ab. Und damit wir nicht die Wanderwegzeichen verpassen, ziehe ich schon einmal die Stirnlampe über und dann den Sonnenhut oben drauf. Sieht ja niemand. Elizardo kommt nach einer halben Stunde angekeucht. Meine Erscheinung lässt ihn aber die Anstrengung vergessen und er lacht erst einmal. Nach einer kurzen Verschnaufpause wollen wir weiter, aber erst müssen wir Bobek neu beladen. Der Sattel hängt wieder schief. Die Riemen haben zu wenig Löcher. Nach zehn Minuten hinauf, sehe ich jemanden uns entgegen kommen. Er staunt nicht schlecht und versteht erst einmal gar nichts. Ich sammle mich und versuch einen geraden Satz heraus zu bringen.
Barcis? Ja hier geht’s nicht lang, da muss man über den Berg und Wasser für die Tiere, nein es gibt hier nirgends Wasser. Zwei Fremde, wahrscheinlich illegale Immigranten, der Junge mit zerschlissenem Hemd, die Frau, in einem schrecklichen Mantel (wahrscheinlich so ein verschleierungs Ding), Stirnlampe und zerknülltem Sonnenhut, mitten in einem nicht heftig frequentierten Waldstück, geben dem Mann doch einige Rätsel auf. Er geht weiter nach unten wir nach oben und finden auch gleich den Weg den er gekommen ist. Er muss Waldarbeiter sein, denn wir finden ein Forstfahrzeug und einen Holzplatz.
Elizardo macht an dieser Strasse, die zurück nach Montereale führt eine Sternwarte aus, und einen Bauernhof. Davon hat der Mann nichts gesagt. Es hat überzogen, ist dämmrig, aber nicht mehr heiss. Ich kann mich dem Mantel und der Stirnlampe entledigen. Wir müssen ja ein richtig schöner Anblick gewesen sein! Den Eseln ist es trotz schönem Weg der leicht abwärts führt trotzdem nicht wohl. Irgendwann treffen wir eine Wanderschild an; Rupert Cesarea 3 Stunden, er führt aufwärts: Nein danke. Wir brauchen Wasser und dazu müssen wir zurück. Irgendwo soll eine Hof sein sagt Elizardo’s Google, also noch Mals zurück, hinauf, zum Glück nicht weit und bei der Abzweigung sehen wir den Hof. Leider verlassen, kein Wasser. Also wieder zurück und Abwärts, irgendwann holt uns der Forstmann ein. Jetzt bei besserem Licht und ohne meine Vermummung getraut er sich anzuhalten. Wir können ihm jetzt besser erklären was wir tun und dass wir dringend Wasser brauchen. Er will uns helfen und meint beim Observatorium gäbe es kein Wasser, aber vorher eine Weide er würde für uns das Wasser anstellen. Einfach tschu und dann sinestra. Dann braust er davon. Es kommt uns ewig vor, aber Weide sehen wir nicht nur Schotterweg und Wald und irgendwann sind wir am Observatorium. Es dunkelt ein, es ist 9 Uhr abends. Wir beschliessen hier zu bleiben. Die Weide suchen dazu reicht uns die Energie nicht. Wir entladen ein letztes Mal, so hoffen wir, die Tiere. Es hat eine schöne Weide um das Gebäude, einen schönen Vorplatz, da breiten wir uns aus. Auf der Karte ist das Observatorium eingezeichnet und es hat sogar eine Wanderinformationtafel bei der Einfahrt. Also ist es eine Adresse: Wir können uns ja eine Pizza bestellen. Also suchen wir einen Pizzaservice, und beim Anrufen, stellt sich heraus, dass sie gerne zwei Pizzas liefern, Adresse kennen sie, aber als ich noch 20 Liter Wasser ordere, legt die nette Dame auf. Beim zweiten Anruf, sagt sie, wir sollen das holen, sie würden nichts liefern.
Irgendwann fährt dann ein Auto auf das Gelände, erst denke ich es ist der Waldmann, der auf uns gewartet hat, aber es war einer vom Observatorium. Es ist nun dunkel und wir müssen unsere Esellegimition mit der Taschenlampe beweisen. Nun ist er schon etwas zugänglicher. Er ist verantwortlich für die Sternwarte und es kämen ev. Leute heute Abend, aber das wäre nicht sicher, weil es anfange zu überziehen. Nach langem lässt er sich überreden, das Tankwasser, das zwar für Tiere taugt, aber nicht für Menschen zum trinken, herauszurücken. Natürlich trinken wir davon. Wir sind nicht mehr heikel.
Wir dürfen unseren Schlafplatz auf dem Vorplatz einrichten und es kommen dann noch Leute und er erklärt ihnen er hätte noch nie Esel zu Gast gehabt bei einem Sternenabend.
Elizardo ist schon im Schlafsack, wir haben laut meinem Messgerät 24km hinter uns, er noch ein paar mehr. Ich höre mir noch eine Lektion Sternkunde auf italienisch an: Dazu wäre der grosse Vorplatz gedacht; und wie sie sich ins Haus begeben und die Kuppel für das Teleskop öffnen verziehe ich mich auch in den Schlafsack. Da liegen wir nun und um uns stürcheln ein paar Leute und gucken in den Himmel, der immer mehr überzieht und nur noch wenige Sterne zeigt.
Gute Nacht Welt.
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Wieder entladen: die Situation ist nicht einfach. Der Weg hat hier einen Uebergang den die Esel mit Gepäck nicht schaffen. Sie kennen das Gebirge nicht. Bis jetzt waren wir im Flachland.
Elizardo ist nicht begeistert, schon wieder! Das x-te Mal heute...
Samstag, 19. August 2018
Alles neu verpacken, was wir nicht gebrauchen für den Abend und die Nacht. Wir haben viele Vorräte eingekauft, weil wir zwar in Richtung Maniago ziehen aber uns vorher in die Berge aufmachen. Und ob wir dort etwas zum einkaufen finden ist fraglich.
Den Rest des Tages verbringen wir damit auf Alexandro zu warten. Die Osteria hat ein Internetabsturz. Also auch heute ein Konsummations freier Tag.
Als unser Freund Alexandro bereits zwei Stunden überfällig ist, sehe ich mich in Gedanken, die Möglichkeit für den Aufbruch morgen davon schwinden. Doch dann kommt er doch noch. Mit lautem Lachen fährt er auf den Hof und Ruft: «Alice, im Wunderland!»
Dann kommt er auf mich zu und kneift mich mit Gekicher in die Wangen: Das erste Mal, das ich das lustig finde
Noch einmal benutzen wir den Aussengrill und legen uns noch einmal zünftig etwas au die Teller. Dann verpacken wir die Küche und den Rest bereit, damit wir morgens um 5 Uhr auch alles finden.

Sonntag, 20. August 2018
Wir sind um 4 Uhr aufgestanden, um 5Uhr kommt bereits Ilario auf den Hof um seine Pferde zu füttern. Um 6.30Uhr sind wir bereit zum Abmarsch.
Ilario ist so früh weil heute ein Film gedreht wird für das französische Fernsehen. Er habe jetzt zwei Monate jeden Tag mit seinen Pferden gearbeitet. Die Rasse habe ich immer noch nicht begriffen, aber dass Sie aus Frankreich kommen schon.
Trotzdem, wir müssen Abschied nehmen und auch wenn ich jetzt schon etwas mehr brabbeln kann, ist mein italienisch eine Katastrophe. Bei der nächsten Pause werde ich mich den Verben widmen.
Unser Fernziel für heute ist Maniago. Wir müssen wieder über einen trockenen Fluss, den Meduna. Er ist etwas breiter als der Taliagmento und auch unübersichtlicher weil er längs tiefe Kiesbänke führt. Die Ränder sind dann Steil und wir gehen so in einer Fahrspur und nehmen an, dass dies die Furt ist. Ab und zu sehen wir den Kirchturm von Tesis, wo wir das andere Ufer erreichen wollen. Dann ist der Turm wieder nicht sichtbar und wir landen mitten im Nirgendwo auf der anderen Seite.  Die Strasse die sich nun finden lässt führt noch weiter nördlich bis Arba.
Es ist Mittag als wir endlich vor der Kirche stehen. Kirchen sind der Garant, dass das Dorf gross genug ist für eine Bar oder Osteria und meisten sind sie neben der Kirche. Auch hier, sogar zwei, wir nehmen die im Schatten und sind wieder die Attraktion der Stunde. Jemand muss den Messagero am Freitag vor einer Woche gelesen haben, er fragt uns was das nächste Etappenziel sei.
«Maniago!» wiederholt er Ehrfurchtsvoll. Hier scheint schon der Gang in die Bar ein ganztägiger Ausflug, wie dann noch 7km bis Maniago. Wir müssen die Mittagshitze überstehen, aber nicht in einer Bar und so gehen wir noch einen Kilometer ausserhalb von Arba und legen uns in den Schatten eins Waldrandes und die Esel haben da eine Wildwiese für sich alleine. Mahlzeit!
Wasser haben wir nur noch wenig, aber nach dem Aufbruch finden wir noch Kanäle führ die Bewässerung und unser Tiere sind gut versorgt. Wir träumen von einer Pizza und steuern so in Maniago gleich eine an. Esel werden am Olivenbaum beim Eingang angebunden und erfreuen nun alle. Es ist erstaunlich wo wir hinkommen, zaubern die beiden Langohrfreunde den Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Aber bezahlen müssen wir noch selber. So weit sind wir noch nicht, dass die Freude auch an uns Früchte trägt.
Irgendwann wird es dunkel und wir gehen durch das alte wunderschöne Maniago in Richtung nächster Fluss; am Cellina, dort wollen wir übernachten.
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Das ist der Fluss: Meduna
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Pencho macht den Salzstreuer; wir haben die Böschungen und die Schnellstrasse geschafft.

Spilimbergo, mit den alten Klapperräder. Die Stadt hat tausend Jahre hinter sich: Rafik Shami sagt: wenn eine Stadt mehr als tausend Jahre besteht, dann hat sie ein Eigenleben: dann bestimmt sie die Dynamik des Lebens. Das spürt man hier an jeder Ecke.

Freitag, 17. August 2018
Am Morgen sind meine Füsse eiskalt. Aber heute haben wir das erste Mal keine Termine und so radeln wir die paar Kilometer nach Spilimbergo. Vorher kommt noch Ilario vorbei, er ist ganz enttäuscht, dass er mich gestern nicht gesehen hat auf dem Mittelalterfest. Dummgelaufen. Wir meinten wirklich es sei heute. Zudem ging das Beschlagen der Esel fast den ganzen Nachmittag, dann hätte es uns wohl noch gereicht, wenn wir es gewusst hätten.
Wie auch immer wir besuchen die Mittelalterliche Stadt auf unseren völlig ramponierten Fahrädern. Eines ganz ohne Gänge, das andere mit drei Gängen aber ohne Bremse. Aber mit kompletter Schliessanlage, wie sie früher üblich war. Wir scheppern also über die Strassen und durch die Altstadt. Vervollständigen unser Gepäck und kaufen ordentlich ein. Endlich gibt’s etwas für den Grill!
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Spilimbergo
Das ganze Friaul ist eine grosse Entdeckung.
Nette, helfende Menschen, Gastfreundschaft, Grosszügigkeit und unglaublich schöne Landschaften.

Die fahrbare Schmiede von Alexandro

Donnerstag, 16. August 2018
Ausmisten, Tiere nach draussen bringen, unser Zeug ordnen und Einkaufen. Wir sind dauernd in Bewegung. Heute ist wieder wolkenlos und heiss. Ilaria putzt seine Tiere heraus und Davide bringt mit Freunden, den Ausfahrtwagen auf Vordermann. Morgen ist in Spilimbergo ein Mittelalterfest. Ich wunder mich, dass sie schon heute die Pferde schön striegeln um elf fahren sie los und gleich darauf kommt der Schmied. Wir haben Davide gefragt ob wir uns Fahrräder ausleihen können und zack stehen sie vor dem Stall.
Leider wird nichts mit ausfahren, jetzt werden Esel begutachtet. Der Hufschmied, ein ganz Lustiger, kennt unsere Geschichte er habe sie im Messagero Vento gelesen. Er ruft auch gleich; «Ah, Alice im Wunderland.» und im gleichen Amtenzug er könne Pencho beschlagen. Er meint nur vorn, hinten seien die Hufe gesund. Wegen Pilz meint er, das wäre nicht zu vermeiden, der sei einfach überall auf den Weiden, aber da Pencho vorne sowieso schwächere Hufe habe sei es nicht abwegig. In der Luft und mit einem Meidkament würde das aber verschwinden. Bobek brauch keine Schuhe, er hat gute Hufe: Und der Hufpilz glänzt bei ihm mit Abwesenheit. Ich frage wieso der andere dies gesagt habe und zeige die Visitenkarte von unserem ‘Retter’. Luca und Alexandro, lachen laut. «Vergiss den! Der ist alles nur kein Fachmann.»
Ihre Aussage erstaunt mich nicht mehr, habe ich mir es doch fast gedacht. Trotzdem danke, er hat uns geholfen und zu Ilario gebracht.
Pencho ist von seinen neuen Schuhen nicht begeistert. Also mehr vom shoppen, als dann später vom tragen: er bockt und springt und ich bin froh, dass Luca in hält und auch weiss wie mit ihm umgehen in dieser Stresssituation. Bobek ist angebunden daneben und fürchtet sich entsetzlich wenn sein Kumpel so einen Zirkus ablässt.
Aber nach drei Stunden hat Pencho seine Schühchen und wie ich ihn auf den Kiesplatz führe zögert er noch mit dem draufstehen ist aber nach ein paar Schritten trittfest und es sieht so aus als würde er sich wohl fühlen.
Alexandro, der Hufschmid, verspricht mir, mindestens bis Longarone nach zufahren, falls wir Probleme haben, ansonsten hätte er da Freunde die uns weiterhelfen könnten. Wir sind also gut umsorgt. Jetzt müssen wir nur noch Bobeks Bastsattel optimieren, dann sind wir so ausgerüstet wie es sein sollte.
Wir fragen nach einem Lederfachhandel, aber Alexandro nimmt unter lauten Gelächter und Getöse einen Lederriemen als Vorlage mit und fragt wann wir loswollen, weil im Prinzip könnten wir jetzt gehen. Der Lederriemen ist von Penchos Sattel und wir können erst gehen wenn die Vorlage zurück ist. Er lacht und sagt, Samstag würde er ihn vorbeibringe. Wir beschliessen also Sonntag Morgen los zu ziehen. Jetzt verpassen wir den Zirkus, der kommt Montag. Das hätte ich gerne gesehen, aber ich merke wie die beiden Esel nervös werden. Die Stuten werden demnächst rossig.
Wir gehen nochmals in die Osteria, aber das Internet zickt. Wir lassen den Konsum also sein und radeln noch etwas herum. Mitten in der Nacht fährt Ilario auf den Hof mit seinen beiden schönen und um morgens um 1h ist dann Ruhe. Ich kann nicht gut schlafen, auch auf der Matte in der Hängematte nicht. Der Kunststoff ist nichts für mich. Ich fange an zu schwitzen und zugleich zu frieren.
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Esel haben kleine Schuhe, die müssen angepasst und kleingehämmert werden.....

Ilarias schönster Liebling

Mittwoch, 15 August 2018
Nix mit Pause, zuerst wird die Schlafstelle optimiert. Heute ist  Ferragosta, das heisst der heisseste Tag im Jahr und alles geschlossen. Keine Osteria, kein Dorflädchen offen. Wie ein Feiertag. Trotzdem kommt Vitomir am Nachmittag und mit Luca zusammen schauen sie sich die Hufe von Pencho an. Pilz, kann sein sieht aber auf den ersten Blick nicht so aus. Eher, dass sich Pencho irgendwo den Huf angerissen hat. Wenn wir nicht auf Asphalt und Steinstrassen gehen und Pencho nicht zu sehr beladen, dann können wir langsam weiter, aber es empfiehlt sich die Esel zu beschlagen. Das behagt mir nicht, es behagt mir noch weniger, den Hufschmied zu fragen der uns hergebracht hat. Luca hat seinen eigenen Hufschmied, ein Freund von ihm und den ruft er an. Eigentlich auch Ferragosta aber der Freund kommt morgen und dann schauen wir ob das geht mit den Eisen.
Ein anderes Problem ist die Stallhaltung. Jetzt fressen sie nur Heu. Unterwegs werden sie wieder nur Gras und Kräuter fressen. Eine Woche Trockenfutter bringt die Mägen arg durcheinander. Also müssen wir sie mindestens einen halben Tag grasen lassen. Die beiden sind schon recht nervös wegen den Stuten, aber wir binden sie etwas weiter vom Hof an der Böschung an. Dort können sie richtig fressen.
Ilario und sein Bruder Giuseppe trainieren die grossen Pferde jeden Tag. Ich wundere mich ein wenig, haben sie doch noch einen anderen Hof, ausserhalb mit 40'000 Kaninchen.
Die Egge hängt etwas schräge und könnte das Pferd verletzen. Giuseppe bückt sich und will die Kette drehen. Das Pferd ist in der Wende und bei gemütlichem Gang trifft der Hinterfuss Giuseppe voll am Kopf. Es blutet wie er den ganzen Kopf weg hätte. In dem kleinen Raum der als Aufenthaltsraum und Wachraum dient verarzte ich ihn notdürftig. Er sollte den Schwartenriss mindestens mit zwei Stichen nähen. Er meint sei Sohn würde ihn hinfahren.
Vorher war er eher Wortkarg, fast abweisend; von nun an grüsst er und winkt schon von weiten.

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Ilario arbeitet jeden Tag mit seinen Pferden. Bei einer Drehung trifft das Pferd mit normaler Gangart, Giuseppe den Bruder von Ilario am Kopf, der hat dann eine Schramme die mit zwei Stichen genät werden muss.

Hier dürfen wir die Esel einstellen. Bedeutet aber, ausmisten , füttern, tränken, das ganze Stallprogramm. Dabei dürfen sie nicht einfach nur Heu fressen. Sie sind auf Nassfutter eingestellt und dann bekommen sie zusätzlich Probleme mit dem Magen.

Dienstag, 14. August 2018
Trotz Eu-roaming Vertrag funktioniert mein Internet nicht. Entweder habe ich mein Datenvollumen aufgebraucht oder es spinnt schon wieder. Im Dorf gibt es eine Osteria, dort geniessen wir kühle Getränke und vor allem das Internet. Endlich kann ich alles geschriebene versenden. Blog nachtragen und Mails beantworten. Vitomir schreibt mir, dass er am nächsten Tag vorbeikommt und sich Pencho anschaut.
In der Osteria, am Nebentisch lässt sich jemand nieder, offensichtlich auch ein Weltenbummler. Er schaut dauernd zu uns herüber kommt dann an unseren Tisch und spricht uns an. Stefan, tatsächlich schon etwas länger unterwegs mit Pferden und Familie. Seit 25 Jahre tingeln sie mit drei Planwagen, zwei Familien als Zirkus durch die Welt. Sie kommen von Slowenien runter und werden den Sommer in Norditalien, in den kleineren Dörfern verbringen. Er war bei Ilaria auf dem Hof und hat nach einem Standort für den Zirkus gefragt. Voraussichtlich kommen sie nächsten Montag hier an. Er hat von uns gehört und war neugierig wer das Lager auf dem Hof aufgeschlagen hat.
Stefan erzählt, dass er seine Kinder, sechs an der Zahl, selber unterrichtet hat und dass sie in Deutschland nur den Hauptabschluss gemacht haben. Er hat weder Internet noch Telefon, aber eine gute Dokumentenmappe über den Zirkus. Wir hängen sowieso hier fest; den Zeitplan habe ich gecancelt, wir sind schon arg im Rückstand, es hat keinen Sinn sich darüber einen Kopf zu machen. Zumal Pencho nicht schneller gesund wird als es eben dauert….
In der Nacht regnets heftig, und es schifft mir vom Baum her in die Hängematte. Ich hänge meine Pelerine über die lecke Stelle und lege die Liegematte in die Hängematte. So geht’s auch. Es kühlt gut ab und ich habe das erste Mal so richtig kalt.

Luca und Erica zwei wunderbare Menschen, die für ihre Tiere leben.Auf ihrer Ranche Horse's Soul sind wir willkommen. Sie helfen uns und organisieren einen Fachmann für unseren Penchohuf


Montag, 13. August 2018
Penchos Huf braucht dringend medizinisch Versorgung. Spilimbergo ist 2 km  entfernt wir werden uns auf der anderen Seite ein Lager einzurichten. Dort ist auch ein trockener Fluss aber nicht weit von einem Schwimmbad entfernt. Das ganze Wochenende haben wir versucht Lederschuhe für Pencho zu organisieren. Erfolglos. Wir steuern daher erst einmal ein Veterinärzenter an, das am Stadtrand liegt.
Zenter ist jetzt wohl übertrieben, es ist einem Kabuff;  mit wuscheligen Tierarzt. Wir haben unsere Tiere ordnungsgemäss auf dem Parkplatz angebunden. Der Tierarzt interessiert sich gar nicht für die Tiere, er wirft nur von weitem einen schrägen Blick auf den Huf  und fängt dann an herum zu telefonieren. Hufschuhe für Esel gibt es nicht, nur für Pferde und die sind zu gross. Aber ein Hufschmied kommt vorbei und bringt uns welche, damit wir sehen können. Der düst auch schon daher und untersucht die Hufe von Pencho ausführlich. Mich dünkt zu ausführlich. Er sieht doch dass es ihn schmerzt an einer bestimmten stelle zu drücken. Aber das tut er immer wieder und Pencho ist nun ausser sich. Ich kann mich ihm fast nicht mehr nähern. Aus sicherer Distanz kommt der Hufschmied zur Diagose, beide hätten einen Hufpilz und das würde Monate dauern den zu kurieren. Er könne sie beschlagen so in zwei Wochen, da sowieso jetzt alles in den Ferien ist und er kleinere Eisen organisieren müsse. Vor dem 20. August sei sowieso nichts zu machen. Ich frage ihn nach einem Bauernhof in der Nähe. Er bringt mich auch zu einem, Elizardo bleibt bei den Tieren und dem Gepäck. Wieder haben wir Glück wir kommen zu Ilario Ber und seinen grossen Arbeitspferden. Auf dem Hof ebenfalls eingemietet ist Luca und Erica. Er ist Pferdeflüsterer und hat sich in den Staaten ausbilden lassen. Hier haben sie ihre Pferde und trainieren Pferde fürs reiten. Wir bekommen eine Box für unsere Jungs und wir dürfen uns unter den Bäumen unser Lager einrichten. Erst einmal für eine Woche….
Ilario erzählt mir, das es ein Verein ist und er die Pferde trainiert. Ich habe einen höllen Respekt vor diesen dreimeter Dingern. 1100kg und das Geschirr so schwer wie unser ganzes Gepäck. Wir müssen eine Box beziehen neben den Pferden weil es draussen zu gefährlich ist. Luca hat vier Stuten und wir einen unkastrierten Eselhengst. Der kann sich dann schon heftig aufführen. Problem wird sein, wenn sie jetzt nur noch Heu fressen und in einer Woche wieder Gras, wirft es ihren Magen durcheinander. Aber erst einmal einrichten und den Schock über den üblen Hufpilz verdauen. Der Hufschmied, flüstert wie der Pate, hat das Gepäck gebracht und wir sind an den Strassen und Feldrändern entlang bis nach Barbeano gekommen. Aber unterwegs kommen mir Zweifel an der Diagnose und auch am Fachwissen unseres Retters. Bobek hat er die Hufe gar nicht angeguckt und wenn Vitomir Esel mit Hufpilz auf der selben Weide lässt wie seine Schafe, dann würde er das doch bemerkt haben. Schliesslich leben wie von den Schafen und Kühen und ich kann mir nicht vorstellen, dass er das schleifen lässt. Wir haben ja bis jetzt viele Spezialisten erlebt, die vor allem Ankündigungstäter waren.  
Abends werden wir von Davide und seinem Grossvater Dino zum Abendessen eingeladen. Dino ist 78 und führt en ganzen Haushalt. Alles ist akurat an seinem Platz und blank sauber. Er hört schlecht und ich spreche schlecht, das ergänzt sich  nicht besonders. Aber ich bin froh um die arme Mahlzeit und geniesse den Emmentaler ohne Löcher aus den friaulischen Bergen.

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Ilario Bertozzi mit einem seiner Lieblinge. Attractive horse ist eine Organisation, die sich für den biologischen Anbau einsetzt und mit diesen Tieren die Feldarbeit erledigt. Ilario hat bis nach Slovenien Weinberge zu Pflegen.
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Esel gehen nicht durch Wasser, steht in jedem Buch. Zum Glück haben unsere Beiden die Bücher nicht gelesen!

Grandios, Elizardo bringt 20 Liter Wasser. Der Fluss führt ca 2 km weiter Wasser

Freitag, 10. August 2018
Heute sind wir bereits 2 Wochen unterwegs. Es scheint als wären es Jahre. Mit Elizardo üben wir aufsatteln und Tiere beladen. Er macht das sehr gewissenhaft, hat schon eine grosse Ahnung von Pferden. Das ist nützlich. Aus der Schweiz haben sie zwei zusätzliche Packsatteltaschen mitgebracht, so können wir unser Gepäck viel besser den Tieren anpassen.
Bis Diagno kommen wir über Feldwege gut vorwärts. Bobek hat we immer Probleme mit dem Bastsattel. Er bläst sich beim anziehen immer so auf, dass wir schon beim beladen nachziehen müssen und unterwegs hängt dann der Sattel immer noch schief und unter dem Gepäck nachziehen ist schwierig. Wenn wir nicht aufpassen legt er sich einfach in den Strassenstaub weil sein Gepäck aus der Balance gerät. Unterwegs ruft Enzo an, wir wären in Messagero Veneto mit einem grossen Artikel. Henriette hat auf dem Heimweg noch zwei erstanden und Urs schickt mir ein Foto vom Artikel. In Digano kaufe ich noch mehr Schnur und die Verkäuferin ist ausser sich vor Freude uns zu sehen. Einige halten an und sagen: ah nein sind nicht sie: Henriette fehlt im Bild. Jemand fragt ob wir vom Zirkus sind, das find ich lustig. Gute Idee wir machen noch ein bisschen Vorführungen. Pencho der stehen bleibt und Bobek der sich hinlegt.
Am Fluss machen wir erst einmal zwei Stunden Pause. Kochen und Essen. Die Tiere grasen. Dann nehmen wir den ersten Anlauf durch das Wasser. Die Tiere möge Elizardos verspielte Art. Sie haben schon unterwegs gut auf ihn ebenfalls verspielt reagiert.
Heute hat der Fluss aber mehr Wasser. Gestern konnten wir an der Stelle gut mit den Schuhen durch es war knapp 5 cm hoch. Heute ist es schon über die Knöchel. Wir probieren mit Pencho, er ist immer vorne weg, aber er geht nicht wie Bobek durch die Pfützen. Ich vorne Elizardo hinten, er motiviert Pencho mit Gejauchze und ich falle fast hin weil Pencho wirklich kommt. Ich habe mich auf widerstand eingestellt, aber der watet durchs Wasser! Bobek gehorcht ebenfalls und ruckzuck sind wir alle auf der anderen Flussseite. Also durchs Wasser, jetzt ist noch eine Steinwüste von 2km vor uns.
Bobek legt sich immer hin wenn er in Sand kommt und an der Böschung an der anderen Seite müssen wir in entladen. Auch Pencho legt sich hin. Das ist gut, so kann ich die Hufe kontrollieren. Vorne wo er abgebrochen ist, ist er durchgescheuert. Er lässt es zu dass ich mit Bepantene alles abtupfe. Noch weiter Asphalt mit ihm wäre fahrlässig. Wir beschliessen zwei Tage Pause einzulegen. Zum einen weil hier alles Sand ist zum anderen, weil wir nicht wissen wie weit es zum nächsten guten Platz ist. Das Problem wie immer: wir haben zu wenig Wasser. Für Elizardo kein Problem, er nimmt den Kaninster und geht zurück zum Wasser. Ich richte derweil das Lager ein, es dunkelt schon und ich will gerade ein Feuer machen, damit er den Rückweg besser findet wie er über eine Kiesbank mit 20Liter auf dem Buckel daher kommt. Er erzählt, weil wir etwas Fluss auwärts seien, wäre das Wasser näher.
Abwechselnd gehen wir nun die zwei Tage Wasser holen. Baden und zugeleich die Kanister füllen.

Henriettes letzter Gang :-(

Donnerstag, 9. August 2018
Nochmals ein Ruhetag. Heute kommt Elizardo, Henriette wird mit seinem Vater zurück fahren. In Spilimbergo, auf der anderen Flussseite wird ein Hotelzimmer für die beiden Männer reserviert (lechz) und wir erkunden das Dorf. In der Bar trinken wir ausführlich literweise Kaffee und einen offenen Laden finden wir auch. Wir kaufen uns eine Flasche Prosecco. Wir haben unsere Stadtdurchquerung noch nicht gefeiert. Käse und Brot, Oliven und sonst noch Leckereien. Kochen mögen wir nicht. Zurück auf den Hof binden wir die Esel in dem ehemals gut gepflegten Garten im Schatten an und unsere Plane ziehen wir auch in de Schatten. Prost auf uns, das mit Blechtassen hat einen besonderen Charme.
Kaum haben wir uns etwas entspannt, fährt Valerio scheppernd auf den Hof, in Begleitung von zwei Freunden die uns kennenlernen wollen – den gestern bestellen Pizzas. Uns ist es schon fast peinlich, wir sind nämlich so was von satt. Aber die Männer wollen alles von uns wissen, der Pizzabäcker ist gleich mitgekommen, er wollte es sich nicht nehmen lassen sich zu entschuldigen, dass er gestern Nacht nicht mehr offen hatte. Wie auch immer er ist einer der Italiener, der meint Frauen gehören in die Wangen gekniffen. Eine Unart, die nicht alle, aber doch viel haben. Ich frage ihn wieso er das tut, weil es tut auch weh, nicht nur dass es zu Nahe ist und abwertend wirkt. Er weiss es nicht, das mache man immer bei Ragazzi. Danke.
Endlich verziehen sie sich und wir essen noch je ein Stück Pizza, aber mehr geht nicht. Wir liegen pappsatt in den Gebüschen und dann fährt Valerios Frau auf den Hof. Leider hat sie sich nie mit Namen vorgestellt, aber sie ist eine richtige Mamaitalia und lädt uns zum Essen ein. Sie ist enttäuscht als wir mit einem Stück Pizza abwinke. Sie ist nun sauer auf ihren Mann, Kommunikation ist wohl nicht seine Stärke. Bei seinem grossen Herz wohl auch nicht nötig.
Gegen Abend treffen nun Urs und Elizardo ein. Henriette bekommt jetzt Ablösung aber ist nicht so ganz glücklich. Obwohl sie einsieht, dass ihre Kräfte nicht mehr Ausreichen. Elizardo ist bereits voller Tatendrang und räumt seine Kleider in eine Tragsatteltasche ein, dann wollen wir in Spilimbergo essen gehen. Ich erwähne, dass ich mir sorgen wegen der Brück mache und beim darüber fahren werden meine Bedenken bestätigt: Hier geht nichts mit den Tieren.
Urs und Elizardo wollen es genau wissen und so fahren wir auf beiden Seiten die Ufer ab und finden einen geeigneten Ort wo wir mit den Eseln durchkommen könnten. Ich rechne mit einem Tag, bis sie die fünf Meter Wasser gequert haben. Es steht in jedem Buch: Esel gehen nie durch Wasser.
In der Altstadt von Spilimbergo finden wir ein kleines feines Restaurant und wir feiern den Abschied von Henriette und die Ankunft von Elizardo.
Impressionen

Letzter Blick zurück nach Slowenien. Von jetzt an sehen wir Westwärts.

Pause und reden
Montag, 7. August 2018
Schlussendlich habe ich meine Matte auf den Kiesplatz gezerrt, den Schlafsack von Ameisen befreit und in den Sternenhimmel geschaut und vor mich hin lachen müssen. Wie wir uns doch wichtig nehmen! Angesichts der vielen Sterne, der rauschenden Bäumen und nachts noch aktivem Leben bei den Ameisen führen wir uns auf, als gäbe es nur uns. Wieder sind wir auf Gastfreundschaft gestossen, grosse Hilfsbereitschaft, wohlgesinnte Menschen. Wir kommen als Fremde und gehen als Freunde. Ivan und Sandra führen das Agriturismo, La Tinaya, in Nogaredo mit viel Umsicht und seit 20 Jahren produzieren sie biologisch, der Wein ist vorzüglich und beim Abendessen bekomme ich tiefen Respekt vor diesen fleissigen Menschen.
Und weil wir ihre Gastfreundschaft geniessen schiebe ich hier gerade einen Werbeblock ein: https://www.facebook.com/pg/AgriturismoLaTinaja/ads/?ref=page_internal
Wir legen hier einen Tag Pause ein, der Kilometermesser von Gestern zeigt mir 29km an. Da fallen jeweils 6km weg, die lege ich zurück beim Camp einrichten, abrechen, packen, Tiere versorgen. Die Esel haben hier grosse Weideflächen, ich muss wieder Schattenstandorte suchen, damit sie nicht verbraten in der udinischen Sonne. Auch Henriette schläft lange. Nach dem Aufwachen betreuen die beiden Buben sie liebevoll. Bringen Trauben, bieten Kaffee an und fragen sie natürlich aus.
Auch wir können uns wieder aussprechen. Henriette kommt an ihre Grenzen. Die Hitze macht ihr zu schaffen. Das Gehen ist nicht so schlimm aber für ihr 67 Jahre hält sie sich enorm gut. Da ziehe ich meinen Hut! Sie hat einen heftigen Sturz vor der Bäckerei gut überstanden, diverse Bodenberührungen aus der Hängematte ebenfalls, den Wolf mit Vera’s Calendulasalbe besiegt (er heult noch ab und an) und ich bewundere sie wie sie jeweils hinterher wieder herzlich über sich lachen kann. Jetzt ist uns jedoch nicht ums Lachen. Ein Jugendlicher, in der Berufsfindung wird sie ersetzen. Sicher ist dies aber noch nicht, es spielen halt immer viel Faktoren mit in so einem Leben.
Wir werden verwöhnt und bekommen guten Wein zum Probieren, gutes essen und wir dürfen die Hängematte für die Nacht an der Veranda befestigen: Niente Ameisi.

Dienstag, 8. August 2018
Wir schaffen es früh weg zu kommen, wir kamen als ziemlich schräge Fremde an und gehen als Freunde. Morgens um 6h machen wir uns vom Hof und kommen genau ein Kilometer weit bis zur Bäckerei in Nogaredo die Prato. Henriette ist es übel und wir binden die Esel beim Dorfbrunnen fest. In der Bäckerei bekomme ich trockenes Brot für die Tiere, im Lebensmittelladen nebenen Karotten und für uns Kaffee. Dies belebt unsere Geister und Henriette geht’s wieder Besser. Allerdings auch hier sind wir sofort von Leuten umzingelt ein junger Mann ist begeistert, Freunde haben uns in Udine  abgelichtet und auf Facebook gestellt er macht nun dasselbe, spricht uns aber nicht an. Dann kommt noch ein Herr von der Lokalen Zeitschrift und Henriette schreibt ihm alles feinsäuberlich auf. Wir verbrauchen ca. eine Stunde und können nun endlich losziehen. Bis Plasénsis sind wir in kühlen Buschstrassen, doch in Plasénsis ist es wieder heiss und wir stürmen die Bar neben der Kirche. Die Tiere entlade ich und wasche Bobeks Decke, er hat sich mehrmals im Sandstaub gewälzt. Ein älteres Paar spricht uns an und lädt uns auf Spagetti ein. Hier werden wir gepflegt und gehegt. Henriettes Bauch ist immer noch am rumpeln. Dino und seine Frau sind herzlich und wir dürfe in ihrem Wäldchen übernachten. Dort hat es ein zugiges Bächli und darüber legt Dino liebevoll einen  Gerüstladen, damit wir darauf sitzen und die Beine ins Wasser halten können.
Dann kommt noch ein Journalist vom Messengere Veneto, Davide Vicedomini, von der ganzen udinischen Umgebung. Er hat via Facebook und Anrufe von unserer glorreichen Stadtdurchquerung gehört und wir werden ausgiebig interviewt. Das mitten im Wald und in unserer unsortierten Gepäckorgie mit halbeingerichteten Schlafplätzen, dazwischen Dino mit Gerüstladen, Eimern für Wasser und irgendwelchen Gageds die man seiner Meinung nach braucht für im Wald eine Nacht zu überleben. Danke Dino!
Mittwoch, 09. August 2018
Am liebsten würden wir in unseren Hängematten verkommen, aber Esel brauchen Futter und hier am Waldrand haben wir nur noch etwas Heu, das uns Dino (im Auto) gestern noch geliefert hat. Wasser haben wir genügend aber als um 4h morgens der Wecker klingelt, verschiebe ich ihn auf 5h und döse noch eine Stunde. Es wird dämmrig und wir können ohne Taschenlampe unseren Krempel sortieren und wägen, die Esel striegeln und aufzäumen, beladen und den hübschen Wald verlassen.
Unser Ziel für heute ist Dignano. Es ist das Nadelöhr, so zu sagen, die einzige Brücke über Tagliamente. Leider wieder ein kleine zu stark befahrene Strasse. Wir müssen entweder in Dignano übernachten und morgen um 4h die Brücke überqueren oder uns eine Furt suchen. Der Fluss ist ca 3km breit und führt nur wenig Wasser an einzelnen Stellen, aber Esel gehen durch kein Wasser. Wir haben schon etwas geübt. Die Felder, vorwiegend Mais und Soja, werden hier gewässert und die Feldwege stehen mitunter unter Wasser. Bobek geht durch kleine Pfützen, Pencho wenn er sieht, dass er darüber hüpfen kann, macht soweit auch mit.
Google und unsere Regionalkarte führen uns richtig im Kakao herum. Wir maändern in Richtung Nogaredo di Corno. Landen in Sivella, wo wir von Frau Fischbach, die gründlich vor ihrer eigenen Türe kehrt Wortkarg in eine Richtung gewiesen wo wir ‘etwas’ kaufen können. Sommerröckchen, derbe Wanderschuhe, ungekämmte Haare und schwarze Ränder unter den Fingernägeln werden von ihr zuerst ausführlich mit einem Blick der töten könnte bedacht, bevor sie ihren geschlitzten Mund leicht öffnet und ‘ci’ (dort), zischt. Dort ist aber geschlossen, auch die Trattoria, die uns Google verheisst, wir wollen nicht ein drittes Mal bei der netten Dame vor dem Haus vorbeiziehen und umgehen das Dorf und werden von einer Familie angehalten die die Esel strei cheln, mit Möhren und Wasser versorgen. Wir bekommen eine ganze Kühlbox voller Sugo, Tomaten, Gurken und eingefrorenem Trinkwasser: Dante grazie! Leider muss ich noch vieles Abwehren, wir haben keinen Kofferraum wo man das einfach reinstellen kann. Ich muss alles verzurren und das Vertragen Tomaten und Traumen nicht besonders.
Langsam macht sich das einseitige Essen bei mir bemerkbar. Ich brauche etwas deftigeres als Pasta und Verdure. In Nogaredo di Corno soll es eine offene Trattoria geben. Ich will einen veritablen Fisch auf dem Teller. Bei der Hitze und den Kühlmöglichkeiten, können wir nur Trockenes Essen mitnehmen. Fettreserven habe zwar noch genug, aber laut meiner Fitbitt-Uhr verbrauchen wir täglich um die 4000 Kalorien und nehmen knapp 1000 zu uns. Ein Traum für jede Diät, aber das ist definitiv  NICHT mein Ziel. Ich habe Hunger!
Doch Trattoria: chiuso. Mein Frust ist enorm. Wir beschliessen noch bis Faibano zu ziehen. Es hat überzogen und ist nicht mehr so heiss. Wir lassen hinter dem Dorf noch die Esel etwas grasen. Bobek legt sich hin und schläft, Pencho frisst die Magerwiese leer. Wir hinterlassen deutliche Frassspuren quer durch Italien. Bis Flaibano ist es nicht weit und es hat Feldwege durch die Monokulturen. Leider laufen sie kreuz und quer und so ist es endlos. Die Tiere mögen sichtlich immer weniger. Ich pflücke Mais von einzelnen Feldern. Das gibt ihnen wieder Motivation. Doch kurz vor Flaibano streikt Bobek endgültig. Samt Gepäck legt er sich hin. Wir entladen ihn, auch Pencho und lassen die beiden am Wegrand grasen. Aber kaum sieht Bobek den Sattel legt er sich wieder hin.
Henriette ruf in Flaibano in der Albergo und Trattoria an, dort wo wir hin wollten. Ich brauche eine Dusche! Könnte jemand das Gepäck holen und wir kämen dann mit den Eseln nach: Unmöglich, man tut so was nicht und zudem sind Esel und vor allem verwilderte Damen nicht willkommen. Grazie!
Da sitzen wir auf der staubigen Landstrasse und überlegen was zu tun ist. Wir könnten schon hier nächtigen, aber es fehlt wieder Wasser. Wir haben noch das in der Kühlbox, das mittlerweile aufgetaut ist aber das reicht nicht für die Tiere. Auch die Wasserspeier links und rechts von uns können wir nicht anhalten und anzapfen.
Von den Feldbesitzern ist weit und breit nichts zu sehen, nur ein lädierter Pickup zuckelt auf uns zu. Valerio ist auf dem Weg um ein ‘Problem’ zu lösen, aber er erbarmt sich unser und sagt, dass wir auf seinen Hof können. Er hat leere Ställe und die Esel könnten da auch grasen. Aber er muss erst seine Sachen erledigen dann kommt er vorbei und holt das Gepäck. Mittlerweile ist auch Pencho unwillig sich etwas auflasten zu lassen.
Um 9h zuckeln wir denn auch auf seinem Hof in Cisterne ein. Es ist schon dunkel. Wir haben das Dorf durchquert und gesehen, dass noch ein Restaurant offen hat. Wir versorgen die Tiere und richten uns unter einem Baum unser Lager ein. Ich will unbedingt noch etwas Essen gehen. Das Wohnhaus ist leer, auch der Hof ist aufgelassen. Sie haben sich einen neuen Ausserhalb gebaut und schlafen nur noch ab und zu hier. Aber Valerio kommt noch Mals vorbei. Das Anwesen wird von drei kleinen Hunden gehütet und die bellen aus 5 Meter Distanz ununterbrochen. Ungefähr 120 Dezibel und jeder jodelt in einer anderen Tonart. Valerio sagt, dass im Dorf nur die Bar offen ist, dort gibt es nichts zu Essen. Er würde eine Pizza bestellen. Super Service!
27km, das reicht wir legen uns unter Gekläffe in unsere Schlafsäcke. Keine Pizza kommt. Um Mitternacht erwache ich wegen dem Lärm und grossem Hunger. Keine Pizza, keine Ruhe. Was habe ich mir da aufgehalst. Wer hatte diese dämliche Idee mit den Eseln zu Fuss in die Schweiz zu wandern? Dabei habe ich mir gedacht, dass ich gaaaanz viel meditieren werde. Aber ich bin morgens bis abends mit den Eseln, dem Camp, der Strasse und mit ein und auspacken beschäftigt. Grossmundig hatte ich überall erzählt ich würde nur eine Frage mit auf den Weg nehmen und zwar: Was, ist die Frage?
Was zum Teufel mache ich hier, ist die Frage.
Ein Unfall und ein Husarenstück
Als wir am Natisone unser Camp zusammenpacken, während die Sonne aufgeht, besprechen wir wie lange wir heute unterwegs sein wollen. Höchsten bis elf, es soll ja alles gerade aus gehen. Wir müssen die Stadt Udine umgehen und zwar im Norden. Fernziel Spilimbergo: Luftlinie 28 km. Mit dem Umweg müssen wir mit 60km rechnen. Das grosse Problem ist die Hitze. Ab 10h morgens sind es um die 30 Grad, dann steigt es noch bis 34 Grad und kühlt erst ab 16h.
Der Tag beginnt gut, es ist kühl und wir kommen bereits um 6.10h los. Das Gepäck haben wir langsam im Griff, aber es hat noch Luft nach Oben was die Optimierung betrifft. Die Esel sind jetzt auch besser in den Hufen und laufen zügiger als Gestern. Nach einem kurzen heftigen Aufstieg erreichen wir Orsaria und was für eine Freude: die Bäckerei hat schon offen. Wir haben seit einer Woche kein frisches Brot mehr gehabt also stürzen wir uns auf den Platz. Es sind schon viele Leute da und es gibt ein riesen Buhei: «Asini! Asini? Que belli!»
Alle wollen ein Foto: Esel mit Esel und ich gehe schon mal in die Bäckerei. Dann ein Geschrei wir rennen alle hinaus. Henriette hat beide Esel gehalten, ist ausgewichen und hat die vielen Frage beantwortet. Die Esel sind sich so viele Menschen nicht gewohnt und ziehen davon, erschrecken und zerren Henriette die, sie weiss es nachher nicht mehr warum, mitten in einem Fahrradständer steht, mit Ständer und allem mit. Die Aufregung scheucht die Tiere noch mehr auf und aus lauter Reflex lässt sie die Führungsleine nicht los. Die Esel reagieren dann auf mich und wir können die Leine entspannen. Ein netter Herr hält derweil beide Esel, wir pulen Henriette aus dem Gestell heraus, sie hat Schürfungen am rechten Unterarm die Bluten und eine Prellung am Knöchel.
Zum Glück hängt die Apotheke aussen bei Pencho und ich kann die arme, zitternde Freundin verarzten. Der Herr der die Esel hält drängelt er muss zu Arbeit und ich nehme ihm die Esel ab und führe sie zur nächsten Eisenstange bei einem Gartentor dort werden sie erstmal festgemacht. Ich stelle mir vor wieder er nun zu spät zur Arbeit kommt mit der Ausrede ich musste erst zwei Esel halten. Wir kriegen von der Bäckerin aus dem Backstubenfenster einen Kaffee und endlich können wir Brötchen kaufen. Henriette ist schon wieder zum scherzen aufgelegt und meint für einen gratis Kaffee lege sie sich immer so ins Zeug.
Zum Glück hält sich der Fuss von Henriette gut und wir kommen friedlich vorwärts und erreichen Cerneglons bereits vor 10h. Wir wollen an den Torre, der Fluss der uns von der Stadt Udine trennt. Dann eine Pause machen oder ein Camp einrichten. Morgen geht es den Fluss aufwärts bis St. Gottardo. Meine Wanderkarte aus dem Internet verspricht uns einen Fussweg oder bereits eine kleine Brücke über den Fluss. Im Dorf soll es zwei Trattoria geben. Aber natürlich geschlossen. Wir fragen jemanden wo es eine Bar oder ein Restaurant geben würde. Wir müssten über die grosse Brück und gleich am Ende ist ein Restaurant. Wir gehen also zurück und die Brücke ist für Autos. Für Fussgänger untauglich für eselnde Fussgänger sowieso. Also zurück über die grosse Kreuzung Richtung Dorf. Dort berät uns eine Frau, dass man nicht zum Fluss komme weil da gar keiner sei. Da wäre nur Wasser wenn es in den Bergen regnet. Auf der anderen Seite der Kreuzung würde es einen kleinen Pfad geben, der hinunter in den Torre führt. Also nochmals über die Kreuzung über die gut befahrene Staatstrasse. Doch Weglein finden wir nicht, es ist nun schon fast 12h wir kochen. Also Esel abladen, Schatten suchen und nicht mehr bewegen. Googlemaps hat unsere Akus aufgefressen und wir müssen erst einmal das Sonnenpanelaktivieren, damit wir wieder schauen können wie weiter. Über die Brücke mit der Schnellstrasse ist keine Option, auf meiner Regionalkarte ist im Dorf ein Abzweiger mit Brücke über den Fluss. Allerdings eine kleine Nebenstrasse, aber für uns Perfekt.
Es wird heisser und heisser, der Schatten schwindet, Googlemaps ist wieder verfügbar und sagt auch eine Brücke und ein Weg am Torre aufwärts bis Rizzole, damit wir Udine nördlich umgehen können.
Ich messe nach, auf der Karte sind es 30 km bis Rizzole, das heisst es werden einige mehr sein.   Wenn der Asphalt heiss ist, gehen die Tiere auf den trockenen Randstreifen, nochmals die Kreuzung und dann wieder im Dorf können wir Wasser tanken. Endlich weiss jemand, wo der Weg zum Torre ist, aber Brücke? Nein keine Brücke, nur eine Furt. Der Torre führt kein Wasser zur Zeit. Bobek bekommt 15 Liter Wasser auf den Buckel, bis wir das festgezurrt haben sind wir gebraten. Dann runter zum Steinfluss und weit und breit kein Weg zu finden der Flussaufwärts führt. Also durchqueren wir den Fluss und suchen uns einen schattigen Platz. Dort überlegen wir uns wie wir weiter wollen. Wir haben mit dem ganzen hin und her 19 km geschafft und sind dementsprechend müde. Aber mit entspannen ist nichts: Myriaden von Mücken suchen uns heim. Henriette wird verschont, aber ich bin meines Lebens grad nicht mehr Froh. Wenn das hier am trockenen Fluss die ganze Zeit so ist, finde ich es nicht Lustig.
Auf dem Satelitenbild schauen wir ob wir nicht südlich von Udine durchkommen, notfalls durch die Quartiere. Das ginge gut, aber dann kommen wir nicht weiter wegen den Autobahnen und Zuglinien. Ich erwäge die Stadt direkt zu durchqueren. So gross ist sie nicht, wir kämen nördlich direkt auf guten Strassen in Richtung Spilimbergo wieder raus. Henriette findet es gut, etwas Shopen unterwegs wäre doch auch noch gut.
Morgen ist Sonntag: Stadt Durchquerung könnte gehen.

Sonntag 6. August 2018
Morgen um 4h packen wir. Wir wagen das Husarenstück und werden die Stadt durchqueren. Die Tiere haben bis jetzt mit Autos keine Probleme gehabt und wir zählen darauf, dass wenn Autofahrer uns sehen, sowieso anhalten.
Um 6.30h kommen wir los. Es ist ein wunderschöner kühler Morgen. Eisenbahnbrücken, kein Problem, Tunnels müssen wir etwas länger üben, geht dann doch. Auch Abwasserrinnen schaffen die beiden. Die ersten Autos sind unterwegs. Familien die die Stadt verlassen – grosse Kinderaugen an den Fenstern. Zu unserer Freude finden wir auch bereits ein offenes Cafe. Also Esel an der Strassenlaterne anbinden und Kaffee geniessen. Das ist allerdings nicht so einfach. Wir werden bestürmt, müssen erzählen wo wir herkommen und die Esel vor schlechten Futter bewahren. Die Esel werden wieder von allen Seiten abgelichtet. Einige rufen sogar zuhause an und es strömen Heerscharen ins Kaffee. Wir steigern sichtlich den Tagesumsatz. Die Esel bekommen dem entsprechend Tost und frisches Wasser.
Das geht nun durch die ganze Stadt so. Wir kommen fast nicht voran. Alle wollen die Esel sehen, photographieren, anfassen, füttern. Das kostet Zeit und nerven. Dann scheissen die beiden auch noch vor einer Gelateria vor die Tür, das muss natürlich aufgefegt werden. Um 12h sind wir gerädert aber kurz vor dem Stadtende. Wir legen uns bei einem Einkaufszentrum, das geöffnet hat in den spärlichen Park in den spärlichen Schatten. Beim entladen ertönt ein leises «kkscht» als würde Bobek eine Weinbergschnecke zertreten. Beim genauer hinsehen wars dann Henriettes Telefon. Zum Glück nur am Rand getroffen, aber das ganze Glas gespalten. Henriette eh schon müde, mit Rückenschmerzen, kurz vor dem Hitzekollaps bricht in Tränen aus. Ihr heiliges Telefon ganz neu, ganz neu und noch nicht mal bezahlt!
Unsere triumphale Stadtdurchquerung bekommt risse und die Euphorie weicht der schlechten Stimmung. Eine Shopingtour lindert den Schmerz etwas, aber heiss ist es immer noch.
Das beste zuletzt: Googlemaps sauft mein Aku leer und ich weiss nur noch die nächsten vier Abzweiger. Unser Fernziel wäre Nogaredo gewesen, das können wir nicht erreichen, aber dort wäre ein Agrosturismus wo wir nächtigen und auch die Esel einstellen könnten.
Nun überzieht es und es sieht nach Regen aus. Es wird nicht kühler, wir satteln auf und nun wird Henriettes Aku belastet. Die letzte Unterführung das Ortsschild Ende Udine ist in Sicht und dieser Aku auch leer. Erst mal gerade aus und irgendwo nette Leute fragen wo wir uns unterstellen können. In einem Einfamilienhausquartier können wir wohl auf keine Aufnahme zählen. Jemand ruft dann beim Agroturismus an. Henriette kann nicht mehr und will nicht mehr übersetzen. Es ist einfach Zuviel.
Drei Kilometer sagt der Mann, die ganze Familie um ihn herum auch mit Handys und auf Googlemaps und dann haben sie für uns gebucht. Der Betreiber sei aber noch nicht zu Hause erst in zwei Stunden da. Wir sollen uns dann schon mal in den Park legen.
Drei Kilometer ist in unserer Verfassung und auf Asphalt mindestens eine Stunde. Auch die Tiere sind Müde, aber zotteln brav mit. Pencho bleibt aber immer wieder stehen, er spürt das die beiden hinter ihm nicht mehr mögen. Irgendwann hat Henriette genug. Es zieht sich hin, sie muss schlafen. Der Rücken schmerzt und sowieso alles Zuviel und ich kriege den Hals nicht voll. Sie zieht aus dem Gepäck der beiden Latiere, Liegematte und ihre Kleidertasche heraus. Und will sich in einem Feldweg ins Gras legen. Mit den Tieren kann ich hier nicht bleiben, erstens keine Möglichkeit sie zu sichern, dann kein Wasser und kein Futter. Alles egal, ich hätte ja vorher schauen können. Ich wundere mich  über die Energie die plötzlich noch in Henriette steckt und sie platz fast vor Wut. Ein netter Mann hält an und fragt wie alle, was wir machen, woher wohin, wieso, warum. Das ist Zuviel, auch er bekommt ein paar wüste Worte ab. Mein italienisch ist rudimentär, aber ich kann ihm erklären dass  wir zum Agrosturismus La Tinaja wollen. Er meint das wäre nur 900 Meter weiter. Henriette will nichts hören. Nach langem hin und her können wir sie dazu bewegen sich hinfahren zu lassen.
Nun bin ich mit den beiden Eseln alleine, es ist ein stark befahren Strasse und nach ein paar Meter fällt ein Teil von Penchos Gepäck runter. Es hat sich gelöst beim herausziehen von Gepäckstücken.
Alles nochmals aufladen. Dann gucke ich zu Bobek: ein Teil seines Gepäcks liegt im Strassengraben, der Sattel hängt schief. Ein Kurs in Gelassenheit ist angesagt: Alles ausblenden: Einfach nur tun.
 Ich bin überzeugt hier trennen sich unsere Wege.
Endlich auf dem Hof ist Henriette nirgends zu sehen. Der nette Mann, der einen fürchterlichen Eindruck von uns haben muss, kam nochmals zurück und sagte sie habe sich hingelegt. In der Nacht wird es kalt, ich werde ihr, sobald ich die Esel entladen und versorgt habe den Schlafsack bringen und eine Plane. In der Nacht wird es immer sehr kalt. Wie ich versuche meine Gedanken zu ordnen und eine Arbeit nach der anderen zu verrichten, fährt nun auch der Besitzer mit Familie auf den Hof. Ivan und Sandra, mit Mutter Alida und Schwester. Die beiden Buben Cristian und Manuel sind von den Eseln angetan. Sie gehen gleich grasen und füttern mit Hingabe ihre Grasbüscheln den Eseln.
Ich darf mich auf dem ganzen Gelände aussuchen wo ich das Camp aufschlagen will. Weil ich damit rechne, dass Henriette wenn es kalt wird zurück kommt, breite ich mich in der nähe der Esel aus. Das wiederum fasziniert den Kleineren der Beiden und er muss meine Schlafmatte und Schlafsack ausprobieren.
Ich werde noch zum Essen eingeladen. Eigentlich ist es geschlossen wegen Ferien aber der Hof muss trotzdem geführt werden. Irgendwann kommt Henriette verschlafen und verstimmt auf den Hof geschlurft und legt sich auch neben die Esel.
Es ist bereits 23h als ich in den mit Ameisen gefüllten Schlafsack steige…
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30.07.2018
Montag bis Freitag
Wir sind mit Gepäck, mit unseren Sachen, mit den Eseln, dem Weg beschäftigt, dass wir abends nicht mehr kochen mögen. Die Küche einpacken und auspacken und wieder einpacken ist fast nicht mehr zu bewältigen. Zum Schlafen hängen wir nur die Hängematten auf und zupfen die Schlafsäcke aus dem Gepäck. Die Esel laufen schlecht; seit vier Jahren sind sie nur auf Gras gestanden. Die Strassen fordern auch sie heraus. Der Asphalt glüht ab 10h morgens und bis spät Abends.
Wir müssen unseren Rhythmus umstellen und um vier Uhr aufstehen. Das ist nochmals eine Herausforderung. Dann, obwohl am Abend zusammengepackt, haben wir noch die Schlafstelle einzupacken, die Esel striegeln, im Dunkeln aufsatteln was sie noch nicht mögen. Im Dunkeln die Gurten korrekt anzurren ist fast nicht machbar, was sich dann beim Beladen zeigt weil sich dann der Sattel nicht hält. Wenn nicht sofort, dann später. Gepäck aus dem Feldpflücken nach einer Stunde ist dann angesagt, weil der betroffene Esel dann davon rennt und irgendwo versucht das Gepäck abzustreifen. Das endet jedoch in einem heillosen durcheinander von Esel, Sattel- und Gepäckgurten. Dann Esel beruhigen, Brot verteilen, Satteldecke reinigen, neu Satteln und beladen.
Jedes Gepäckstück muss abgewogen sein auf beiden Seiten darf der Unterschied keine 500g ausmachen, sonst finden die Tiere ihr Gleichgewicht nicht und laufen auch nicht. Wir haben für jeden.. zwei auf 12 kg auf jeder Seite, dann oben bei Bobek, das Wasser und unsere Tagesrationen. Bei Pencho noch ein Seesack mit Kleidern, und die Planen mit den Taschen für Apotheke, Seile, und Zaumzeug. Dann trägt jeder 34 Kilo. Nicht Zuviel für einen Esel, aber sie sind sich das nicht mehr gewohnt, machen zwar keine Probleme, aber fit sind sie noch nicht.
Dazu kommt, dass Bobek sich beim Halfter durchgescheuert hat. Pencho auf der Nase. Nach den zwei Ruhetagen in Venco, ziehen wir weiter. Obwohl um 6h aufgestanden, können wir erst um 8h los. Ich bin etwas frustriert, weil wir in zwei Stunden wieder Pause machen müssen bis um 16h.
Wir verabschieden uns von unseren Freunden und sagen auf dem Bauernhof auch noch Salute, das kostet dann nochmals Zeit. Wir sind ja nicht auf der Flucht, aber ich bin schon etwas ungeduldig. Kein Anlass für Pencho nach zwei Kilometern bocksteif stehen zu bleiben. Er ist der Chef der beiden und wenn er merkt, dass hinter ihm jemand nicht mehr kann, dann bleibt er stehen und zwar so lange bis wieder gut ist. Ein guter Chef, aber wir sind schon drei Tage unterwegs und sehen immer noch die Türme von Dobrovo.
Nun ist es zu heiss zum weitergehen unter einer Baumgruppe suchen wir Schatten; wir hätten nun Zeit zum Kochen und Essen, aber keine von uns Beiden hat Lust auf Packorgie. Obwohl ich fit bin vor allem in den Beinen schlägt mir das Gewichtheben der Taschen doch auf die Arme. Ich vermute, dass das Gepäck nicht gleichmässig verteil ist. Wahrscheinlich ist übrig gebliebenes Material einfach in eine der Seitentaschen geraten. Welche weiss ich nicht, wir liegen im Gras und bewundern die Aussicht nach Osten, wo wir  das Dorf von Vitomir ausmachen können. Sogar bis Vorhovlje sehen wir (hallo Klara). In den julischen Alpen braut sich ein Gewitter zusammen uns schüttet sich jenseits der Grenze aus. Der Wind dreht und wir sehen, dass es in unsere Richtung dreht. Notdürftig Regensachen aus dem Gepäck ziehen, aufladen und beim losgehen kommen die ersten Regentropfen. Wir kommen bis zu einem Weingut. Die Wohnhäuser sind leer, werden aber Umgebaut und es hat viele Leute auf dem Hof. Wir versuchen die Tiere hinter einem der Wohnhäuser unter das Dach zu bringen: Bobek macht mit, Pencho steht hinter eine Scheinzypresse und lässt sich nicht bewegen die zehn Meter zum Haus zu machen. Ich bleibe bei ihm. Der Sturm braust um uns herum und wir werden erst nass wie der Wind nachlässt. Es giesst nun wie aus Kübeln.
Nun wird es mir zu blöd ich lasse Pencho stehen und renne zum Haus. Bin aber durch und durch nass. Wir satteln Bobek ab und hängen für ihn den Salzstein auf, dann ist er ruhig und wir können ihn von  dem Nassen und verrutschten Gepäck befreien. Pencho lunzt ums Eck und wie er das Salz sieht ist er nullkommanichts da. Wir nehmen nun nochmals das ganze Gepäck auseinander und wägen alles genau. Ziehen uns trockene Kleider über. Die Sonne scheint wieder und die Esel sind sofort trocken. Es ist nun 17h als wir die Tiere wieder beladen und nun kommen sie brav mit. Gerade 5km weit, bis vor Corne Rosazzo geht es ohne Probleme; Pencho streikt. Ich lasse ihn frei und gehe vorne weg, dann kommt er nach. Das Halfter hat er nicht mehr, er mag aber die Halsschlinge nicht. Aber so geht es. Bis zu einem Weingut, da zuckelt er auf den Hof. Mit ach und krach bringe ich ihn wieder auf die Strasse, aber er fängt unverdrossen am Wegrand an zu grasen. Die Besitzer des Weingutes erlauben uns im Robinienwäldchen unter der Strasse unser Nachtlager aufzustellen. Bringen Brot, Heu und Wasser für die Tiere, wir bekommen Früchte und Gemüse aus dem Garten. Küche auspacken, Tee kochen, dann etwas Suppe. Unser Platz sieht aus als wäre ein Handgranate explodiert. Hängematten aufhängen und rein liegen. Die Esel nochmals um platzieren, mit Wasser versorgen und gute Nacht!
31.07.2018
Um 5.30h morgens mag ich gar nicht aufstehen. Welch eine Qual die Hängematte zu verlassen! Mit steifen Beinen stakse ich zu den Eseln und sehe, dass beide liegen. Auch sie sind müde. Sie stehen zwar auf lassen sich bürsten, aber dann legt sich Bobek gleich wieder hin. Ich auch. Was solls, wir sind nicht auf der Flucht.
Den Tag verbringen wir mit kochen und essen und packen. Wir wollen um 5Uhr am nächsten Morgen los. Ich wäge die Gepäckstücke in einem fehlen mir fünf Kilo. Ich bitte Henriette mir ihre Sachen zu geben und nur das Notwendigste für den nächsten Tag im Seesack zu belassen. Sie ist aber schon fertig mit ihrem Seesack und Rucksack, der eben zu leicht ist für meine grossen Tragetaschen für Bobek. Wir haben beide Mühe mit unseren Sachen, vor allem sie immer wieder zu finden wenn man sie braucht und Henriette hatte dieses Mal mit bedacht und mit einem System gepackt, dass sie alles wieder findet, nur alles was sie für den Tag brauchen würde waren in diesem Rucksack, der in das Gepäck kam, das ich bis zum Abend nicht mehr gedachte von Bobek runter zu hieven. Die Diskussion wurde immer heftiger, bis wir in einem veritablen Streit waren. Wir zofften uns sicher zwei Stunden und ich bemerkte je mehr ich erklären wollte desto schlimmer machte ich die Situation. Also sagte ich erst einmal nichts mehr und verkrümelte mich zu den Eseln. Die frassen zu meinem Entsetzen gerade die Rinde von einem Kirschbaum. Die Leine war zu lang und der mit feinen, saftigen Kräuter versehen Waldrand wurde wohl für den Nachtisch aufgehoben. Also löste ich die Leinen, damit ich sie verkürzen konnte. Hängte den Beiden den Salzstein vor die Nase und gut wäre es gewesen. Aber dann kam die Besitzerin vom Grundstück und wollte uns Gurken und Tomaten bringen. Pencho verfressen wir ist, rannte im Galopp auf sie zu. Ich war zu weit weg und Henriette schaffte es gerade noch die ihn kurz zu verscheuchen. Aber er war so aufgeregt, dass die Leckereien nicht für ihn sein sollten und tanze wild herum schlug mit den Hinterbeinen ‘’ herum und wir konnten ihn dann nur mit einem halben Sack Brot wieder beruhigen. Er nahm mir das sehr übel und pufft mich ungewöhnlich hart an als ich ihn wieder an die Weideleine legte. Henriette hatte nun ebenfalls übelgelaunt alle ihre Kleider in den Rucksack gewurstelt und warf ihn mir hin. Gelassen ist anders, aber ich packte ihn ein und tarierte die Säcke aus. Von Slowenien her grummelte es wieder, ich deckte die Hängematten und das Gepäck mit Planen und es regnete in bekanntem Ausmass. In der Hängematte kein Problem, aber es kühlte extrem ab und ich fing an zu frieren. Mein Kopf gab nicht zu dass ich das Gepäck wieder öffnen sollte. Henriette suchte ebenfalls unter der Plane nach etwas warmem und weil ich wusste wo es war stand ich auf und half ihr. Wie ich wieder in die Hängematte liege, war sie voller Wasser; die Plane musste sich wohl darin entleert haben.

1.08.2018
Morgens um 1h war das Gewitter vorüber, um 4h Standen wir auf und um 6.30h konnten wir endlich, ohne Frühstück los. Wir Eselführerinnen beide Muff, die Esel ebenfalls. Bis Rossazzo, hatten kein Wasser und die Esel waren durstig. Wir steuerten einen kleiner Weiler an um nach Wasser zu fragen. Pencho steht einfach vor die Autos und ist nicht mit Brot oder was auch immer zu bewegen den Platz frei zu machen. Vor einem Tor bleibt er unverrückbar stehen. Es öffnet sich auch automatisch. Das Gebäude dahinter sieht nicht aus, als wäre da eine Kamera und dass sich da jemand unserer Erbarmen würde. Es gehört zu einem Weingut und ist eigentlich nur Arbeitsschuppen in einem Ehemaligen Wohnhaus. Das erfahren wir von Enzo, der das Tor geöffnet hatte bevor er uns sehen konnte. Wir bekamen Wasser es war 8.30h. Wir bekamen mit dem Wasser die Einladung zum bleiben. Das Haus hatte noch eine funktionierende Küche und eine Dusche (naja) und eine riesige Terrasse (von der aus wir nach Slowenien sehen: Hallo!); die Tiere sagten sofort ja. Enzo organisierte  Brot für die Tiere und das wurde dann von Freund Enjo geliefert. Zwei ganze Mehlsäcke, schön dass ich wieder Gepäcksorgen hatte. Er war so begeistert von uns, dass er einen Freund anrief, der einen Journalisten kennt, der solle sofort vorbei kommen. Zum Glück ist dieser in Ferien. Enjo photographierte Esel von vorne, hinten, oben, unten und konnte sich vor Begeisterung nicht mehr erholen. Enzo kam ebenfalls, wir waren in der Küche am Kochen und es kam zu einer ausführlichen Weindegustation. Henriette entwarf schon neue Weinetiketten: Due Asinii. Zur meiner Freude produzieren sie hier einen wunderbaren Prosecco. Dann kommt noch der Schwiegersohn von Enzo. Henriette auguriert, dass wir nach Tagen von Weingut zu Weingut schlendern, gut angesäuselt, auf die Esel stützend wieder vor dem Ortschild Neblo stehen würden. Wir können unsere Akus laden, das Brot in kleine Stücke schneiden, damit wir nicht zwei Säcke mehr zu befestigen haben. Ein Teil bekommen die Esel und abends haben wir so gepackt, dass wir am Morgen nur noch Schlafmatten und Schlafsäcke einpacken müssen.
2.08.2018
4h Tagwacht, Esel striegeln, Kaffeekochen (welch ein Luxus), Satteln und Beladen. 6h wir sind bereit. Bobek hat Mühe, Pencho wartet und wie es hell wird: Flutsch hängt das Gepäck an Bobeks Bauch. Der erschrickt reisst sich los, ab in die Reben dort will er alles abstreifen und verheddert sich. Zum Glück ist er ein ruhiges und geduldiges Tier und der Schaden ist bald behoben. Das ganze findet auf einer Nebenstrasse statt und natürlich muss noch der Kehrichtwagen haarscharf an uns vorbei manövrieren. Einfach kann ja auch jeder.
Es geht nun durch Wäldchen, es ist kühl und kurz vor Oleis, wird der Palazo di Marchi renoviert. Die Arbeiter rufen von den Gerüsten, aber nicht nach uns sondern nach den beiden Bellos, den Eseln. Wir bekommen Wasser, jetzt wo wir genügen bei uns hätten. Einer der bereits im Haus wohnt, ist Musiktherapeut und es entspannt sich eine gute Diskussion. Natürlich bekommen wir auch hier eine gute Flasche Wein auf dem Weg. Henriette sieht mich schon an der Schweizer Grenze, mit Esel und Zöllner, die Übermenge in einem heftigen Gelage zu verputzen.
Da es wieder überzieht, wandern wir bis 12h und kommen nach 14km in Leporoso an. Gerade noch richtig zum Lager einrichten, am Fluss Natisone, bevor es richtig schön regnet. Wir sind am trockenen. Enzo bringt uns noch Wasser für die Tiere, wir sind ja für ihn nicht weit gekommen. Er wohnt im Nachbarort und bittet uns wenn wir etwas brauchen ihn anzurufen – und lässt eine Flasche Wein da.
3.08.2018
Pencho hat vorne Rechts den Huf angegriffen. Wir legen hier am Natisone einen weitern Ruhetag ein. Pflegen die Esel und uns. Das Wasser ist an der tiefsten Stell ca 30 cm und es spazieren weisse Reiher vor uns auf und ab. Morgen geht es weiter nach Cernoglons an den Torre.


29.07.2018
Erste Hindernisse, gefressener Strohhut, Schnecken-Invasion und Freunde zu Besuch
Es geht nur schleppend vorwärts, nach einem verspäteten Start, kamen wir gerade mal vier Kilometer weit und da war die Grenze und ein Bach. Der Weg führte zwar auf der anderen Seite weiter, aber Esel gehen nie durch Wasser und mag es noch so dürftig fliessen. Es war bereits 10h und heiss, dass ein Zurückgehen nicht möglich war. Also erst einmal wieder entladen, dann haben wir versucht den Eseln den Bach schmackhaft zu machen.
Brotkante um Brotkante verschwand in Penchos Hals, ohne das ein Huf in Richtung Bach verschoben wurde. Bobek zeigte kein Interesse und war mit den Reben beschäftigt an denen wir ihn angebunden hatten.
Pencho verweigerte alles. wir beschlossen das vier Stunden zu üben und wenn es nicht klappen würde, war der Rückweg die einzige Lösung.
Dann endlich konnte ich mit Brot Bobek überreden bist an die Wasserkante zu kommen und schliesslich hüpfte er hinüber. Pencho genoss den Moment allein auf seiner Bachseite und frass vor lauter Freude Henriettes Strohhut. Auch der laute Protest von der anderen Bachseite war kein Grund mit dem gemütlichen Kauen aufzuhören.
Die beiden gehören wirklich zusammen, weil er zu Bobek wollte hüpfte er, anschliessend, elegant über das Wasser. Das wars. Das Gepäck schliesslich buckelten wir selber übers Wasser, aber wir mussten nicht wieder zurück - immerhin.
In der folgenden Nacht im Freien, mit sicht auf den Jahrtausendvollmond und Mondfinsteris, kamen die Plaggeister geschlichen. Alles war voller Schnecken. Mit Ameisen hatte ich grechnet, aber nicht mit diesen Biestern!
Packen am Morgen zeigte, dass wir noch lange üben müssen. Um 5.30h aufgestanden, Schnecken entfernen, Esel striegeln und Satteln, endlos Krusch packen und um 8.20h konnten wir endlich los. Das kostete die ganzen Brotreste.
Bobek wollte nicht so recht, erst dachten wir er wäre zu einseitig beladen, dann hechelte Pencho als hätte er durst. Getränkt hatte ich sie wohl, aber es war heiss.
Brot zur Motivation hatten wir auch keines mehr.
Bei einem Bauernhof fragten wir für Wasser und altem Brot. Derweil ein Jööö und Was? und Palaver losging und das ganze Dorf zusammenlief wurde es Bobek zuviel und er legte sich einfach hin. Mit ganzem Gepäck.
Wir konnten nur die Sattelgurten lösen und versuchen den Esel darunter hervor zu pulen.
Beim Bauern konnen wir dann in den Schatten und da sahen wir den Grund von Bobeks Verweigerung: Das Halfter war zu wenig straff und er hatte sich unten am Kopf aufgescheuert.
Wir lösten auch das Halfter von Pencho, das war zu straff und er hatte eine Scheuerstelle auf der Nase.
Wir beschliessen Vitomir anzurufen, wir sind ja nur über die Grenze und höchsten 12km weit gekommen. Der Bauer fragt uns aus und meint er kenne diese Esel, die würden einem im Neblo gehören und er rief dann auch gleich bei Vitomir an und fragte ob die Esel gestohlen worden seien.
Nach negativem Bescheid wurden wir bekocht, bekamen Wasser und die Erlaubnis am Fluss unten zwei Tage oder mehr zu campen.
Unterdessen hat sich Vera gemeldet, sie ist mit Gerhard, Hund und Camper auf dem Weg zu uns.
Unser Glück! Wir verladen das Gepäck, das wir vorher vollkommen auseinander genommen haben und von überlüssigem befreit und Vitomir, der die Esel inspiziert hatte mitgegeben hatten, diesen Restgepäck, das immer noch zuviel ist in den Camper.
Die Pause und die Diskussionen tun gut, es gibt Ruhe in das Ganze. Danke Vera und Gerhard!
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Die Tiere haben jetzt kein Halfter mehr, nur Halsstricke, aber sie gehorchen noch, und wir geben ihnen nun einen Tag Ruhe, dann sehen wir weiter.
Mitlerweilen haben wir nochmals das Gepäck gekämmt, die Campingküche wurde halbiert, Zelt und Zusatzmatten, sowie Trockenfutter, Feuergrill werden mit Vera in die Schweiz verfrachtet. Ich habe nur noch zwei Hemden, einen Langarpuli eine Unterhose und ein Paar Socken. Ich muss halt, wenn ich waschen will, mit allem ins Wasser liegen, dann gehts schon.image-9075617-IMG-20180729-WA0027.w640.jpg

Wir haben mindesten 20Kilo eniger Gepäck. Also nur noch vier Taschen, Wasser nur noch das minimum, es hat sich gezeigt, wir bekommen überall Wasser.


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26.07.2018
Passierschein A85e/15b
Heute Morgen kam die Inspektorin des Veterinäramtes persönlich vorbei. Wir bekamen die Auflage die Esel innerhalb von 8 Stunden in die Schweiz zu verschieben. Punkt 10h ist Abfahrt sonst bekommen wir den Passierschein für den Zoll nicht. Die Papiere gehen nach Brüssel, dann zu einem Zuständigen Veterinär in der Schweiz, der muss dann die Tiere angucken.
War da nicht ein anderer Plan? Wandern mit den Eseln in die Schweiz? Die lapidare Antwort: wir sind nicht mehr im Mittelalter.
Innerlich beschliesse ich  bereits die Esel heimlich ausser Landes zu schmuggeln. Die restlichen EU Länder brauchen keine Passierschein für Equiden also pferdeartige Tiere. Zollpapiere für die Einfuhr in die Schweiz kann ich sowieso erst in Mals vorbereiten
Die Dame hatte bereits knackig ihren Kugelschreiber auf dem Tisch aufgeschlagen, damit die Mine schreibbereit über das Formular gleiten konnte, der amtliche Stempel lag daneben.
Vitomir fragte noch einmal wieso kann man nicht mit Eseln wandern?
Sie ist schon in den Zahlen vertieft und sagt: "Mit all diesen Papieren und dem Pass", dabei zeigt sie mit dem oberen Teil auf die bereitliegenden Pässe und Impf-, Chip-, und Wasnochallesdokumente, "damit kann man in Europa überall herum wandern."
Die Unterhaltung fand auf Slowenisch statt aber im Gesicht von Vitomir stand ganz grosser Frust und seine sonst schon grossen Augen waren Untertassen gross.

Sie setzte ohne zu fragen ob wir das wollen, die Unterschrift unter die Papiere, knallte den Stempel drauf, packte den Kugelschreiber, nach dem sie ihn wieder mit einem lauten Knall enstschärft hatte, in ihr Etui. Zip, der Reisverschluss war zu und zack die Dame weg.

Vitomir und ich sitzen noch lange am Tisch uns fehlt echt nichts mehr ein.
Ich habe einen Passierschein um in 8 Stunden im Langurain die Tiere zu entladen und das hat drei Monate, viele Telefonate, viel Hinhalten, unglaubliche Forderungen lange gedauert. Das ab sofort.

Zudem habe ich alle Tierdokumente die gefragt sind damit ich überall herum laufen kann inklusive über die Grenze und dies seit einem Monat.
War das jetzt ein Witz?
Vitomir ist extra gestern noch nach Lublijana gedüst um die letzten Stempel abzuholen die gefragt waren für den Passierschein.

Wir sind 11 Tage im Verzug. Auf die lange Reise kein Problem, allerdings wird es im September über die Schweizer Berge gehen, da kann es schon mal Schnee geben.
Manzano. Es soll regnen, aber es ist warm und wenn die Sonne alleine ist, dann müssen wir ab 10h mit 30 Grad rechnen.
Hallelluja wir sind unterwegs!


24.07.2018
Angekommen und auf Warten geschaltet

Nach zwei Tagen sind wir glücklich angekommen. Wir sind durch die Regionen gefahren, die ich dann zurück wandern werde.
Durch die Dolomiten, mit den imposanten Felsgebilden beschlich mich der Gedanke, dass ich es sein lassen könnte...
Sonja ist die ganze Strecke gefahren: eine unglaubliche Leistung, scheint es doch, dass in Italien Verkehrsregeln nur Empfehlungen sein könnten.
Durchgezogene Linien sind kein Hinderniss zum Überholen und je enger die Strasse desto besser zum Drängeln und schnell Fahren.

Aber wir sind nun da im schönen Brda.



Hier in Neblo werden wir mit Gastfreundschaft verwöhnt und es ist nichts von wandern, aber Büroarbeit damit die Papiere mit den Eseln geregelt werden können.

Von EU-Gedanken ist hier nichts zu spüren, die Grenze ist nach wie vor da, jetzt nicht mehr gesichert mit Personen sondern mit Formularen.




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Die Esel bekommen eine Pediküre. Das mögen sie nicht so aber Vitomir hält Penco ruhig. Neben ihm links Marko, ein Freund im wahrsten Sinne (er holte Henriette in Triest ab. Dank Streik in Italien ist sie dort gestrandet) und rechts der Hufschmied, der extra aus Lubljana angereist ist.
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Blick nach Westen, die Dolomiten noch im Nebel am Horizont.
20.07.2018
Es geht los!
Zollpapiere ahoi! Vitomier meldet mir, dass die Papiere für die Esel da sind. Kosten auch ganz viel, aber immerhin Montag sollte der Tierarzt den letzten Check machen und Dienstag wollen wir loslaufen.

Aber erst einmal mein Gepäck verladen, zum Glück fahren Sonja und Katharina mich nach Neblo. Wir wollen es gemütlich angehen und übernachten in Bozen.
Dann am Sonntag sind wir in Brda und schauen mal wie die Esel das ganze aufnehmen.

Mitläuferin Henriette kommt mit dem Zug, im Auto ist wegen dem vielen Camping und Sattelzeug kein Platz mehr. Aber zum Glück ist sie hart im nehmen.

https://www.google.ch/search?q=wetter+Brda&rlz=1C1VFKB_enCH619CH622&oq=wetter+Brda&aqs=chrome..69i57j0l3.10862j0j8&sourceid=chrome&ie=UTF-8

Mal sehen es will nächste Woche Regnen im Süden. 

Die Vorbereitungen ziehen sich hin. Mit der Eidgenössischen Zollverwaltung habe ich so was wie ein Abonnement. Nach 17 Telefonen weiss ich nun welche Papiere ich wo und wann haben muss - und vor allem wie ich an die wichtigen Dokumente, damit die Esel auch über die Grenze dürfen, komme.
Die italienische Verwaltung scheint auch locker zu sein, aber mit weniger Wissen was sie wollen und brauchen und wo man das alles her kriegt. Da weiss eigentlich niemand wie das geht - macht nichts schauen wir mal, wird schon gehen: So ungefähr die Auskunft.
In Slowenien, weiss man genau was man will, für die Ausfuhr eines Esels, oder eben zwei  Eseln und sie wissen auch genau wie Papiere nicht ausgestellt werden. Freund und Verbindungsmann Vitomir wird drei Kreuze schlagen wenn wir vom Hof zuckeln.
Eigentlich war vorgesehen, dass wir am 15. Juli los ziehen. Wenn nicht von Slowenien dann von hier. Aber das Gepäck muss auch mit und der Transport ist auch erst im werden…
Zudem fehlt mir noch viel Geld in der Reisekasse, das eigentlich schon lange eingetroffen sein sollte, aber eben - sollte.
Wie sagte eine Freundin, die mich einen Teil begleiten und Italien übersetzen wird, zu mir:
"Wenn  du es geschafft hast, bei einem Waldbrand alles andere als in den Knast zu kommen, dann ist unser Problem doch ein Nasenwasser dagegen!" 
DAS stimmt, die Geschichte war 2012 und hier nachzulesen: http://kerbholz28.blogspot.com/

Mir schwebt nicht vor, hinter mir alles in Schutt und Asche zu wissen. Nur eine ganz gemütliche Wanderung, ohne Vorfälle, ganz langweilig 734km bis zu unserem Bauernhof im Langurain.

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HENRIETTE 25.07.2018 Standpunkt Behörden: Mission Impossible
Unser Standpunkt: Mission DOCH Possible

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